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Ein Fremder ohne Namen (USA - 1973)

Review von Thomas, 15.03.09


Cover Die kommerzielle Zugkraft des Spaghetti-Westerns beeindruckte auch Hollywood. Um das strauchelnde Paradegenre am Leben zu halten, bediente man sich folglich auch in Amerika zunehmend der zynischen Brutalität und dem zelebrierten Anti-Heldentum, mit der Sergio Leone Filmgeschichte geschrieben hatte. Hier wie dort fest im Sattel saß Clint Eastwood, der mit Leones „Dollar“-Trilogie zu Weltruhm gelangte und anschließend auch in der Heimat den wortkargen Gunfighter mimte.

Auffällig brutal tat er dies in „Ein Fremder ohne Namen“, seinem zweiten Film als Regisseur und Hauptdarsteller. So konsequent wie erbarmungslos rechnet er darin mit den Bewohnern einer Minenstadt ab – und drei unlängst aus dem Zuchthaus entlassenen Banditen, die ihrerseits Vergeltung an der Einwohnerschaft des verschlafenen Nestes üben wollen. Die Hintergründe offenbaren sich erst allmählich. Sie hängen zusammen mit einem Marshall, der von den Verbrechern auf offener Straße, vor den Augen der tatenlosen Gemeinde, zu Tode gepeitscht wurde.

Der Fremde reitet aus der flirrenden Gluthitze in die Stadt ein wie ein Phantom. Es dauert nicht lange und er hat drei Männer erschossen und eine Frau vergewaltigt. Zur Rechenschaft gezogen wird er dafür aber nicht. Im Gegenteil. Die rückgratlose Obrigkeit erkauft sich seine Dienste, bewaffneten Beistand gegen die nahende Gefahr. Doch der Preis ist hoch. Der wortkarge Scharfschütze erniedrigt und terrorisiert die Stadt, beruft einen Kleinwüchsigen in die hohen Ämter von Sheriff und Bürgermeister und lässt, als besonderes Bonbon, ein jedes Haus mit roter Farbe streichen.

In dieser Hölle auf Erden wird den Banditen (u.a. Geoffrey Lewis, „Bronco Billy“) ein wenig gastlicher Empfang bereitet. Der Fremde straft neben ihnen auch die durchtriebene Einwohnerschaft ab, mit dem Colt – und seinerseits mit der Peitsche. Das Finale inszeniert Eastwood mit Anleihen beim Horrorfilm und verleiht der Figur des namenlosen Rächers schier übermenschliche Züge. Atmosphärisch gewinnt sein gnadenlos zynischer Vergeltungsfeldzug damit ohnehin an Profil. Die Deutlichkeit der Gewalt mag überraschen, vielleicht sogar verstören. Doch gerade für diese genregemäß unkonventionelle Kompromisslosigkeit muss vor Eastwood einfach der Hut gezogen werden.


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Autorwertung: 8.0 von 10 Punkten

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