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Der Texaner (USA - 1976)

Review von Thomas, 15.03.09


Cover Der Spät-Western ist als geistig-kreative Strömung mehr Abgesang denn Nachruf. Es ist die Abrechnung mit den alten Mythen, den Klischees vom rechtschaffenden Revolverhelden, die, auch besiegelt durch die kompromisslose italienische Note der Leones, Corbuccis und Castellaris, den Blick auf die Eroberung des Westens verklärten. Selbst John Wayne, die standhafte Eiche des klassischen Cowboy-Kinos verabschiedete sich, vom Krebs gezeichnet, in „Der Shootist“ mit der konsequenten Abkehr von traditionellen Leinwandidealen.

Einen der bedeutendsten Spät-Western schuf Clint Eastwood mit der Outlaw-Ballade „Der Texaner“, in der er das für ihn typische Bild des wortkargen Rächers aufrecht erhielt und trotzdem ausreichend Gelegenheit fand, mit den Standarten des Genres zu brechen. Neben einer moralischen Grauzone sind es politische Seitenhiebe, unter anderem auf gern banalisierte Themen wie den Genozid an Amerikas Ureinwohnern, die Eastwoods lakonische Ode an den Widerstand prägen.

Der Bürgerkrieg neigt sich dem Ende entgegen, als die Farm von Josey Wales (Eastwood) überfallen und niedergebrannt wird. Eine Gruppe marodierender Redlegs-Guerillas, die sich kurz darauf in den Dienst der Union stellt, tötet seine Familie und lässt ihn selbst schwer verwundet zurück. Wales schließt sich Freischärlern des Südens an und erlangt weitreichende Popularität, als er sich auch nach Beendigung der Kamphandlungen weigert die Waffen zu strecken.

Verfolgt von seinem alten Gefährten Fletcher (John Vernon, „Dirty Harry“) und dem Nordstaatenoffizier Terrill (Bill McKinney, „Bronco Billy“) – einem seiner Peiniger – flieht der Aufrührer, begleitet vom „zivilisierten“ alten Indianer Lone Watie (Chief Dan George, „Little Big Man“) Richtung Mexiko. Der bleihaltige Ritt in die Freiheit, basierend auf Forrest Carters Roman „Gone to Texas“, ist Eastwoods fünfte Regiearbeit. Seinen Hang zur elegischen Narrative, gewürzt mit trockenem Humor, offenbart sie bereits nahe der Perfektion.

Hinzu gesellt sich ein gepflegter Zynismus – lange ein Markenzeichen des Schauspielers Eastwood –, der sich immer dann äußert, wenn Wales seinen Opfern eine Ladung Kautabak auf die Stirn speit. Doch auch Gefühle darf der Outlaw während seines Kampfes zeigen, zaghaft ausgebreitet vor der jungen Laura Lee (Eastwoods Langzeitfreundin Sondra Locke, „Dirty Harry kommt zurück“). Am Ende sprechen aber doch wieder die Waffen, schließlich will der Seelenfrieden mit dem Blut Terrills besiegelt werden. Ein ungewöhnlicher, ein melancholischer, ein herausragender Western.


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Autorwertung: 8.0 von 10 Punkten

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