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A Wilhelm Scream (Mai 2008)



 A WILHELM SCREAM sind auf den Hund gekommen, im wahrsten Sinne des Wortes. War es beim letzten Besuch der Band aus Massachussets noch Aufgabe der handlemedown-Redaktion, Sänger Nuno ein Asthmaspray gegen Nachwirkungen einer Spielstunde mit einem Kölner Köter zu besorgen, so scheint Nuno diesmal auf alles vorbereitet: „Ich habe alles dabei, damit das nicht noch einmal passiert. Der Tag heute fing auch schon sehr kurios an: Nachdem ich im Bus aufgewacht bin, bin ich im Pyjama und mit Sonnenbrille in Richtung Club gegangen, habe den Taxistand gesehen, von dem aus wir in Richtung Krankenhaus gestartet sind und genau an der Stelle, an der ich beim letzten Mal mit dem Hund gespielt habe, war wieder einer.“ Déjavue in Köln-Ehrenfeld: Diesmal jedoch ohne Spätfolgen, wusste Nuno doch diesmal, seine Finger bei sich zu halten. „Die Story mit dem Hund habe ich heute bestimmt schon drei-mal erzählt, weil sie so verrückt ist.“

 Doch nicht nur diese Geschichte ist in Erinnerung geblieben, denn glücklicherweise sind A WILHELM SCREAM sonst ganz gerne in Deutschland. „Die letzten Shows, insbesondere die mit LAGWAGON, waren immer großartig. Es wird sogar immer besser, wenn wir hierhin kommen. Man sieht immer mehr Leute, die unsere Songs mitsingen und das gibt einem ein sehr gutes Gefühl!“ Doch nicht nur das deutsche Publikum weiß zu überzeugen, denn auf dieser Tour wurden auch Länder wie beispielsweise Russland berücksichtigt. Das Punkrockkonzerte auch dort kein Kindergeburtstag sind, musste Nuno am eigenen Leib erfahren. „Beim ersten Song unserer Auftaktshow bei den Russen habe ich die Hälfte meines Schneidezahns verloren. Die Kids drehten total durch und schlugen mir meinen Mikroständer aus Versehen gegen den Zahn! Die abgebrochene Hälfte habe ich dann einem Freund in die Hand gedrückt und später mit Sekundenkleber wieder angeklebt.“ Ein probates Mittel, vor allem vor dem Hintergrund der lausigen Gesundheitsversorgung in den Staaten, geschweige denn Russlands. „Empfehlen würde ich das aber keinem! Ich habe mir nur gedacht: ein guter Start für unsere erste Show. Die russischen Kids waren echt der Wahnsinn! Zwar ist die Szene in Russland nicht besonders groß, aber sie funktioniert sehr gut und wächst stetig. Die Kids bekommen immer mehr Möglichkeiten, ihren Musikgeschmack auszuleben und viele Bands kommen auch zum Touren dorthin.“ Nicht nur in Russland stößt die Band auf Begeisterung, auch der diesjährige Groezrock-Auftritt ist für beiden Seiten in bester Erinnerung geblieben: „Wir mussten sehr früh auf die Bühne, aber ich hatte schon den ganzen Tag ein sehr gutes Gefühl. Als wir spielten, das war der pure Wahnsinn.“ Trotz extrem dunkler Sonnenbrille blitzt ein Funkeln in Nuno´s Augen auf. „Die Fans sind total ausgerastet, 2000 Fans haben uns zugejubelt und ich dachte mir in jedem Moment: Das ist unglaublich! Gefühlsmäßig bist du einer ganz anderen Ebene und willst einfach nur, dass es immer so bleibt. Wir haben etliche Fotos gemacht und Videos gedreht, nur um den Moment irgendwie festzuhalten.“

Über die eigenen Bandmitglieder weiß Nuno auch lobend zu sprechen. „Die neue Platte ist die erste mit Brian am Bass. Dieser Mann ist so unglaublich. Er fügt unserer Band einen neuen Baustein hinzu und komplettiert uns in einer Weise, wie ich es mir selbst nicht habe vorstellen können. Mit ihm kam eine ganz neue Dynamik rein, es passt perfekt.“ Das ist schön zu hören, vor allen Dingen da der Vorgänger mitten während der letzten Tour und ohne großartigen Abschied seine Koffer packte und zurück in die Staaten reiste. Doch nicht nur der Bassist ist neu im Hause A WILHELM SCREAM, auch das Songwriting zur neuen Platte verlief anders als noch bei den Vorgänger. „Wir haben sehr viel miteinander gesprochen, Ideen geäußert, Ideen diskutiert und demokratisch darüber entschieden, ob jeder mit der Idee einverstanden ist. Manchmal sind wir auch nur zusammen im Auto durch die Gegend gefahren, haben Kaffee getrunken, ganz andere Musik angehört und die Seele baumeln lassen. Bis dann einer sagte: ‚Hey, hör Dir das Riff mal an. Das finde ich cool!‘ oder ‚Was haltet Ihr davon, wenn wir das so und so machen?‘ Wir haben uns diesmal absolut nicht unter Druck gesetzt, sondern haben alles einfach passieren lassen. Dass das Album jetzt härter und vielleicht komplexer ausgefallen ist, war nicht beabsichtigt. Hat sich einfach so ergeben. Aber ich finde es sehr melodisch und bin äußerst zufrieden damit. Im Endeffekt ist es eine Platte, an der jeder beteiligt war und jeder seinen Teil zum Ganzen gegeben hat.“

 Dass A WILHELM SCREAM keine politisch motivierte Band ist, dürfte bereits bekannt sein. „Wir wollen nicht jeden Abend auf die Bühne gehen und jedem sagen, wie angepisst wir sind oder den Kids vorhalten, wie schlecht die Welt ist. Damit soll sich jeder selber beschäftigen und sich seine Gedanken machen. Es gibt eine Menge politischer Bands, die ihre Sache sehr gut machen, wie beispielsweise PROPAGHANDI. Ich habe höchsten Respekt vor ihnen, da sie ihre Art mit Politik umzugehen bis zur Perfektion bringen. Es ist in einer Art Da-Vinci-Code-mäßig und so komplex, wie wir es wahrscheinlich nie könnten. Uns geht es eher darum, den Kids eine Stunde zu geben, bei der sie abschalten und ihren Spaß mit der Band haben können! Natürlich hat jeder von uns eine Meinung zu Geschehnissen in der Welt und insbesondere in den USA, aber das ist jedermanns eigene Sache, die wir nicht großartig nach außen tragen.“ Im Zuge der erhobenen Mittelfinger und der immer gleichen Phrasen, wie sie mitunter auch von deutschen Punkrockbands bemüht werden, eine Aussage mit hohem Stellenwert - entweder ganz oder gar nicht. Doch in erster Linie geht es A WILHELM SCREAM um den Spaß, was man dem ständig feixenden Nuno ohne Weiteres abnimmt.

Was passiert aber nach dem Musikerleben? „Ich könnte mir gut vorstellen, eine kleine Farm zu betreiben, mich dort zu beschäftigen, Angeln gehen und mein eigenes Leben leben.“ An gleicher Stelle waren dies auch die Worte von Chuck Ragan (HOT WATER MUSIC), der seine Zukunft als Zimmermann bereits vor sich sieht. „Sind wir doch mal ehrlich: so wie Chuck aussieht, ist es auch genau das, was am besten zu ihm passt.“ Schelmisch grinst Nuno bereits wieder hinter der Sonnenbrille hervor, lässt noch ein paar gemeinsame Anekdoten von ihm und dem HOT WATER MUSIC-Reibeisen folgen und verabschiedet sich dann freundlichst in Richtung Backstage-Bereich – um danach eine mitreißende Show folgen zu lassen. Getreu dem Motto: der will doch nur spielen.

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