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A Scanner Darkly (USA - 2006)

Review von Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst , 06.03.08


Cover Die Werke von Kult-Autor Philip K. Dick wurden zahlreich verfilmt, woraus Klassiker wie „Blade Runner“ resultieren. Die Essenz des Schreibers aber ist meist nur in Ansätzen erkennbar. Mit der Adaption des Romans „Der dunkle Schirm“ ändert sich dies. Independent-Ikone Richard Linklater („Slackers“) hält sich eng an Dicks exzessiven Drogenbericht und greift nach „Waking Life“ erneut auf die Technik animierter Schauspieler zurück. Dabei wird das Skript mit dem Cast gefilmt und in der Nachbearbeitung quasi übermalt. Das Ergebnis ist gewöhnungsbedürftig, unterstreicht die Paranoia der Figuren aber vortrefflich.

Die zeitliche Einordnung der Vision bleibt gültig. Sieben Jahre in der Zukunft, von gestern, von morgen, zerstört die Droge Substance D die Süchtigen. Abhängig von den roten Pillen ist man sofort, in den Entzug gelangen die, deren Geist bereits aus der Bahn geraten ist. Unter dem Namen Bob Arctor wird Undercover-Cop Fred (Keanu Reeves, „Matrix“) mit der Aufspürung der Quelle beauftragt. Denn woher das Rauschmittel stammt weiß niemand. Zum Schutz der Identität trägt er beim Austausch mit dem Vorgesetzten einen Überwurf, der ihn und seine Stimme unkenntlich macht, ferner seine Ortung durch den wachsamen Staatsapparat verhindert.

Das Dilemma verselbständigt sich, als Arctor durch seinen Mitbewohner James Barris (brillant: Robert Downey Jr., „Kiss Kiss Bang Bang“) angezeigt wird. Fortan ist Fred gezwungen, sich und sein Haus selbst zu überwachen. Im allmählichen Verschwimmen der Identitäten zeigt Substance D bald seine fatale Wirkung. So krass der Plot an seiner Wurzel auch erscheint, Linklater erschreckt und amüsiert zugleich. Zu verdanken ist das der starken Besetzung, die auch Winona Ryder („Alien: Die Wiedergeburt“) als Arctors Freundin Donna und den herrlich abgedrehten Woody Harrelson („Natural Born Killers“) als zweiten Untermieter Ernie auffährt.

Viel passiert in diesem wortreich zynischen Mahlstrom nicht. Fred versucht die Kontrolle zu behalten, während die Droge sein Hirn schädigt. Der Wahn nimmt zu und weitet sich auf sein gesamtes Umfeld aus. Die scheinbare Ziellosigkeit zerstreut sich erst am Ende, wenn die Geschichte eine abrupte Wendung vollführt, die ihre Wirkung im derben Finale aber nicht verfehlt. Werkgetreu und dem Geist des Urhebers näher als jede andere Adaption, ist „A Scanner Darkly“ ein einnehmendes wie gleichsam anstrengendes Filmexperiment. Und als solches ist das bittere Animations-Drama unbedingt sehenswert.


Autorwertung: 8.0 von 10 Punkten
Leserwertung: N/A von 10 Punkten

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