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Der Gehetzte der Sierra Madre (I - 1966)

Review von Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst , 20.12.07


Cover „Cuchillo haut ab.“ - Cuchillo

Fast im Alleingang hat Jonathan Corbett (Lee Van Cleef, „Zwei glorreiche Halunken“) Texas von Banditen befreit. Was läge da näher, als den Weg in die Politik anzustreben? Er gewinnt den einflussreichen Industriellen Brokston (Walter Barnes, „Django - Ein Sarg voll Blut“) als Förderer, als ihn auf einem Bankett die Nachricht ereilt, der junge Mexikaner Cuchillo Sanchez (Tomas Milian, „Lasst und töten, Compagneros“) habe ein junges Mädchen brutal vergewaltigt und ermordet. Also schwingt sich Corbett wieder in den Sattel und eröffnet die Jagd. Doch erweist sich die vermeintlich leichte Beute – dem sozialen Stand des Habenichts entsprechend nur mit einem Messer bewaffnet – als unerwartet gerissener Widersacher.

Sergio Sollima („Von Angesicht zu Angesicht“) ist einer der wenigen Regisseure des Italo-Westerns, dem der Ruf eines anspruchsvollen Filmemachers vorauseilt. Auch in „Der Gehetzte der Sierra Madre“ verbindet er erlebnisreiches Breitwandkino mit sozialkritischen Untertönen und spielt geschickt mit Stereotypen des Klassenkampfes. Cuchillo wird allein aufgrund seiner Herkunft zum Mörder gestempelt, nach Hintergründen oder Motiven fragt niemand. Ehrenmann Corbett, dessen Methoden meist auch nicht besser sind als die der von ihm gejagten Verbrecher, ist das Instrument einer perfiden Auffassung von Gerechtigkeit, die gleiches mit gleichem zu vergelten pflegt.

Die Ambitionen des alternden Gesetzeshüters werden in diesem sich modernisierenden Amerika zur Anpassung gezwungen. Für Männer seines Schlages wird der Platz, nicht zuletzt der Bedarf, immer geringer. Der von der Zeit eingeholte Revolvermann wurde später zum gern gesehenen Abgesang des Spät-Westerns. Selten jedoch wurde er mit derart tiefgründiger Schwermut auf die Leinwand gebracht. Der Wandel der Zeit spiegelt sich in fast jedem Nebencharakter, in schier jedem Handlungsort wider. Daraus entsteht eine umfassende Unruhe, die von den teils auf Klassik-Motive verweisenden Kompositionen Ennio Morricones („Spiel mir das Lied vom Tod“) glänzend unterstrichen wird.

Für den Vollstrecker bedeutet der vermeintliche Routineauftrag bald die Hinterfragung der eigenen Ideale. Ist der Mexikaner tatsächlich schuldig, oder sind sie beide nur Marionetten einer ganz anderen Partei? Bis es aber soweit ist, führt der in die Sierra Madre flüchtende Cuchillo seinen Häscher wiederholt mit Bauernschläue an der Nase herum. So gaukelt er Corbett, gefesselt und scheinbar hilflos, durch den Stich eines zwischen die Zehen geklemmten Kaktusstachels den Biss einer Schlange vor und erklärt sich anschließend in großherziger Selbstlosigkeit bereit, das Gift aus der Wunde zu saugen. Natürlich nur, um anschließend gleich wieder die Flucht zu ergreifen.

Edel besetzt und ebenso glänzend gespielt wie fotografiert, wird „Der Gehetzte der Sierra Madre“ zu einem packenden und zugleich anspruchsvollen Genrefilm. Der bedächtige Erzählrhythmus stellt den standesgemäßen Schusswaffengebrauch hinter der Entfaltung der Figuren zurück, was freilich nicht bedeuten soll, Sollima verstünde sich einzig auf die Sozialallegorie hinter der Massenunterhaltung. Gerade die finalen Duellsituationen, bei denen auch Brokstons geradezu exotisch wirkender Österreichischer Leibwächter (Gérard Herter, „Adios Sabata“), zum Tragen kommt, inszeniert der Regisseur mit großer Wonne. Ein in allen Belangen herausragendes Werk.


Autorwertung: 8.0 von 10 Punkten
Leserwertung: N/A von 10 Punkten

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