15.06.02 - 8. OB-OUTDOOR-FESTIVAL mit EVEREST, DEADSMART, BELMONDOS u.a. OberhausenReview von Thomas, 15.06.02Das diesjährige "Ob-Outdoor Festival", dass nunmehr achte im Sterkrader Volkspark zu Oberhausen versprach aufgrund des Line-ups, besonders jedoch wegen des ausserordentlich guten Wetters und der Tatsache des kostenlosen Eintritts eine Menge Spass zu geben. Gegen 14 Uhr sollte der Tanz beginnen, allerdings verzögerte sich unsere Anreise um eine gute dreiviertel Stunde, weil unser Chaffeur der "Eisel" offentsichtlich die Qualen des fortschreitenden Alters spürte und sich etwas verspätete. Auf dem Sprung von Düsseldorf nach Oberhausen offenbarte "Michael Knight" mit seinem mindestens 600 PS starken Opel Astra unter´m Hintern dann aber echte Fluchtfahrermentalität und düste so Geschwind über die A3, dass wir uns rückwärts durch die Zeit bewegten und letztendlich doch noch pünktlich am Ort des Geschehens ankamen. Die erste Band hatte bereits begonnen, ich schätze es wird sich dabei um PIPE gehandelt haben. Aber nach drei Pullen Bier in fünfzehn Minuten Fahrt kann da keiner mehr sicher sein! Macht nichts, die Jungs waren echt Ok, insofern sie es denn nun überhaupt waren. Allerdings hatten wir keinen Bock uns schon unter´s Volk zu mischen, so dass wir uns zwischen all den grünen Bäumchen auf die Wiese pflanzten um jenen Auftritt von dort aus zu erleben. Dieser Teil des doch recht grossen Stadtparkes war dem Anlass entsprechend gut besucht, könnte aber auch daran gelegen haben, dass sich ein schick mülliger Trödelmarkt wie ein gewaltiger Wurm durch die ganze Grünanlage zog. Neben uns auf besagter Wiese lagerte und lungerte das wohl schwächste und kostenintensivste Glied der sozialen Kette deutschlands in Form eines Rudels, möglicherweise Stammes niedersozialer Subjekte, allesamt dezent alkoholisiert und den Eindruck vermittelnd, man sähe sich hier mit mindestens 150 Jahren Knast und 350 Jahren Arbeitslosigkeit konfrontiert. Zumindest brachten diese Abfallprodukte der Gesellschaft so viel Anstand mit nur ihre eigenen, wohlgemerkt nicht angeleinten Köter übereinander herfallen zu lassen! Den ersten Vorstoss in Richtung Bühne wagten wir, als DEADSMART aus Duisburg die leichte, mit Steinplatten verzierte Anhöhe erklommen, die den Bands als Spielwiese dienlich sein sollte. Noch vor kurzem stand uns die mittlerweile auf die beschauliche Anzahl von drei geschrumpfte Kapelle für ein überaus ausführliches Interview zur Verfügung, und gerade nach ihrem wirklich sehr guten Debütalbum "Come and get your poisoned progressive shit" war ich schon sehr gespannt auf die sehr sympathischen Jungs aus dem Ruhrpott. Doch schon zu Beginn stach die extrem schlechte Akkustik hervor, die der obendrein sowieso im Gesamtbild des Programms herausfallenden Band erste Missgunst beim Publikum einbrachte. Hinzu gesellte sich noch der Eindruck, dass der Stil DEADSMARTS etwas Hardcore-lastiger ausgefallen war und mich persönlich eher an die guten alten MIOZÄN erinnerte. Um es kurz zu machen, der Auftritt war schwächerer Natur, wenngleich bei weitem nicht so schlecht, wie ihn das Publikum machte. Denn neben allerhand Pfiffen musste dann zu allem Unglück noch "Conan-Der Barbar" in Gestalt einer unkengleichen, vollgesoffenen weiblichen Pissbirne, selbstverständlich vorhin erwähntem "Stamm" zugehörig, die Bühne entern und unverständliches Zeug in die Umwelt grunzen. Aber so ist das wenn man sich erst zwei Stufen vor dem aufrechten Gang befindet und das Leben nicht unbedingt gut zu einem war. Von der "Asi-Barbie" aber später mehr! Wie dem auch sei, trotz etwas kläglichem Konzert von DEADSMART erkannte ich immerhin klasse Songs wie "Freakshow", "Ordinary Narcosis" und "Jukebox" wieder. Wie die Band verlauten liess, sei man aber wieder auf der Suche nach einem zweiten Gitarristen. Wer also diesbezüglich Interesse bekundet und bereit ist einer wirklich guten Band, die bei Konzerten mit bestimmter Sicherheit noch ´ne ordentliche Schippe draufzulegen in der Lage ist musikalisch unter die Arme zu greifen, der melde sich doch einfach unter folgender E-Mail-Adresse bei DEADSMART: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst Weiter im Programm ging´s anschliessend mit den BELMONDOS aus Düsseldorf, einer wirklich sehr sympathischen und vor allem musikalisch ausgereiften Punk-Band. Akkustisch verschob sich der Pegel deutlich ins Positive und auch die vollgesoffenen "Stammesbrüder" in vordester Front schien die sehr gute Show im Dauerdelirium zufriedenzustellen. Das zumindest liessen die kläglichen Pogoversuche und das putzige übereinanderfallen der Kellergeister, die im übrigen allesamt die 30 weit hinter sich gelassen hatten (!) erahnen. Was solls, die BELMONDOS rockten äusserst ansprechend ihr gutes Programm runter und hatten obendrein noch viele kostenlose Promo-Eps dabei, worüber sich besonders einige peinliche Nachwuchs-Asseln in der Prä-Pubertät, die sich kurz zuvor noch ihrer einem Iro-Schnitt im Wege stehenden Haare im Publikum mit einem Bartschneider entledigt hatten freuten. Überhaupt schien ein Grossteil der Besucher an diesem Tage Haft- oder Heimurlaub zu haben. Für das meiste Amüsement am Rande sorgte jedoch keiner der lustigen Prolls, sondern vielmehr die echt niedliche Tochter von BELMONDOS-Drummer "DeeDee". Ob die Band THE BREWERS nun vor oder nach den BELMONDOS gespielt hat entzieht sich im Moment meiner Kenntnis, denn so oder so nervte der lächerliche RAMONES-Ableger mit seinem Akkordgenauen Klau der grossen Vorbilder. Ironischerweise kam gerade dieser dämliche Raubbau des Erbes von Joey Ramone und Konsorten bei der asozialen Pogo-Fee, obendrein in solchem Maße in der Fresse gepierct, dass es schien als wäre ihr Gesicht mit ´nem Pfund Nägel hausieren gegangen und ihren Getreuen noch am besten an. Trash as trash can eben! Wo in diesem Zusammenhang die Gruppe TASCHAKOR geblieben ist kann ich mir auch nicht erklären, denn irgendwann im Anschluss fand mit dem Auftritt von EVEREST aus Darmstadt bereits unser letztes Konzert an diesem Tage statt. EVEREST, bereits im Vorprogramm von THE STEREO sehr überzeugend zeigten sich auch in Oberhausen von ihrer besten Seite, auch wenn das Publikum mit ihrer Mischung aus College-Rock und Emo-Punk offentsichtlich nicht allzuviel anzufangen wusste. Zwar wirkte das Keyboard beizeiten reichlich laut und dröhnend, aber der Sound hätte kaum besser sein können. Ob sich an diesem frühen Samstagabend überhaupt jemand für EVERESTS sehr gutes Debütalbum "The road less traveled" interessierte wage ich einfach mal in Frage zu stellen, aber diese Band sollte man sich definitiv mal zu Gemüte führen. Von Zeit zu Zeit wirkte der Auftritt ein bißchen posig, aber die fünf Jungs wissen sich durchaus überzeugend zu präsentieren und lieferten eine sehr ansprechende Show ab. Danach ging´s auch schon daran, die Heimreise antzutreten, während all das illustre Volk weiterhin darum bemüht war die individuelle Hirnmasse per Alkohol auf Mindestmass zu stutzen. Mit Tempo 500 ging´s auf die Bahn Richtung Düsseldorf, während mein Leben in vereinzelten Bildern an mir vorbeizuziehen schien. Unterbrochen wurde die eilige Heimreise nur durch einen zwanzigminütigen Stau, der "Ollie Knoxville" natürlich nicht daran hinderte nach dessen Auflösung erneut durch die rheinische Tiefebene zu fliegen. Angekommen sind wir trotzdem, sogar in einem Stück. Hurra, wir leben noch! 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On Stage