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Inside Man

Review von Christian, 09.10.06


CoverSpike Lee hat sich in Hollywood einen Namen gemacht, allerdings weniger mit Werken vom Schlage eines „Inside Man“. Der engagierte Filmemacher bewies mit politischen Filmen a la „Malcolm X“ oder dem Drama „25 Stunden“ seine Klasse, muss aber dennoch manchmal künstlerische Pfade zugunsten einer kommerzielleren Ausrichtung verlassen. Da ist er nicht die einzige Person in Hollywood, keiner pendelt wohl mehr zwischen Anspruch und Kommerz als bspw. George Clooney. Spike Lee bemüht sich seinem Film dennoch eine anspruchsvolle Note zu verleihen, Bemühung alleine reicht aber nicht immer aus, wie „Inside Man“ leider zeigt.

New York an irgendeinem Tag in einer x-beliebigen Bank. Vier maskierte Personen – als Maler getarnt – stürmen bewaffnet in die Bank und nehmen knapp 50 Menschen als Geiseln, Angestellte wie Kunden. Die Türen werden verrammelt, den Geiseln ebenfalls Maleranzüge und Masken angezogen. Die schnell anrückende Polizei fährt schweres Geschütz auf, doch der Kopf der Bande - Dalton Russell (Clive Owen) - lässt sich nur schwer beeindrucken. Ihm gegenüber sitzt der erfahrene Detective Keith Frazier (Denzel Washington), der angeblich Geld unterschlagen haben soll und insgeheim auf eine Beförderung hofft. Als unterstützende Maßnahme wird ihm die mysteriöse Madaline White (Jodie Foster) zur Seite gestellt, die im Auftrag des Bankdirektors (Christopher Plummer) handelt und den Inhalt eines bestimmten Schließfaches sicherstellen soll, bevor dieser wie eine Bombe einschlagen könnte. Viele unterschiedliche Interessen prallen aufeinander, lediglich Dalton Russell scheint aber inmitten des Säbelrasselns vollkommen unbeeindruckt.

Es scheint nur schwer vorstellbar, dass Spike Lee einen „normalen“ Kommerzfilm drehen könnte. Trotz aller offenkundigen Tendenzen Richtung Mainstream kann Lee natürlich nicht alle eigenen Ideale über Bord werfen und bemüht sich, dem Film sein eigenes Gesicht zu verleihen. Dies gelingt ihm allerdings nur bedingt, vor allem weil es Figuren wie Jodie Foster gibt, die in diesem Film völlig am Geschehen vorbeiläuft. Die politische wie geschichtliche Brisanz des Films steht dem wohl eigentlichen Zweck von „Inside Man“ schlichtweg im Weg.

Spike Lee und Denzel Washington, eine Mischung die nicht erst seit „Malcolm X“ funktioniert. Beide haben sich in Hollywood etabliert, Washington selbst gilt zu Recht als ausgezeichneter – weil vor allem wandlungsfähiger – Schauspieler. In „Inside Man“ liefert er allerdings eine für ihn vielleicht nur solide bis gute Darstellung, denn sein Charakter wirkt häufig zu überhitzt und angesichts der Situation nicht angemessen sachlich. Clive Owen („King Arthur“, „Sin City“) als sein Gegenüber ist routiniert gut, er verleiht seiner Figur die nötige Abgeklärtheit und Souveränität. Willem Dafoe („Der blutige Pfad Gottes“, „Spiderman“) hält sich auffallend zurück, was hier schade ist. Jodie Foster („Nell“, „Das Schweigen der Lämmer“) spielt ihren Stiefel zwar ordentlich runter, jedoch ist ihre Figur einfach überflüssig und will sich in den ganzen Film nicht so wirklich pressen lassen. Was genau ihre Aufgabe ist, was sie tut, macht und denkt, spielt im Endeffekt keine Rolle, dennoch hat sie ohne Frage den größten Einfluss aller Beteiligten.

Was genau „Inside Man“ nun eigentlich sein möchte, bleibt offen. Für einen Thriller ist er erstaunlich spannungsarm, für großes Schauspiel-Kino nicht anspruchsvoll genug. Lee postiert seinen Film ungewollt irgendwo in der Mitte. Da hätte sicherlich mehr draus werden können.


Autorwertung: 5.0 von 10 Punkten
Leserwertung: N/A von 10 Punkten

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