Sophie Scholl - Die letzten TageReview von Christian, 02.10.05 Der Geschichtsunterricht in TV und Kino war wohl selten so präsent wie in den vergangenen zwei Jahren, in denen jeder geschichtsträchtigen Person zur Zeit des dritten Reiches eine Sondersendung oder gar Mehrteiler gewidmet wurde. Sicherlich zu Recht, angesichts wieder einmal verstärkt aufkeimender rechter Tendenzen, vor allem an den Schulhöfen des Landes, in denen munter Rekrutierungs-CD´s verteilt werden. Nachdem vor allem der m.E. überschätzte „Der Untergang“ für Schlagzeilen, auch auf internationaler Ebene, sorgen konnte, findet nun der ebenfalls prämierte und ergreifendere „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ seinen Weg in die Videotheken und erscheint zudem als DVD-Deluxe Edition mit feinem Bonusmaterial.Als langjähriger Schüler des Düsseldorfer „Geschwister-Scholl-Gymnasiums“ ist die Geschichte um die Widerstandsgruppe „Die weisse Rose“ durch den gleichnamigen Film von ´82 mehr als bekannt, schließlich wurde dieser mehrfach als eine Art „Lückenfüller“ kurz vor den Sommerferien genutzt. Beschrieb „Die weisse Rose“ noch einen größeren Zeitraum vom Anfang bis Ende der „Weissen Rose“, so legt der von Regisseur Marc Rothemund in Szene gesetzte Film Hauptaugenmerk auf Sophie Scholl und zeigt sie während ihrer letzten Tage, nach ihrer Verhaftung bis zum Gang zur Guilitine. Nach einer groß angelegten Verteileraktion von Flugblättern in ihrer Münchener Universität werden die beiden Geschwister Hans (Fabian Hinrichs) und Sophie (Julia Jentsch) von einem dem Regime treu ergebenen Hausmeister der Polizei übergeben, die beide umgehend verhaftet. Sophie kann ihren Vernehmungsbeamten Mohr (Alexander Held) mit viel Mühe und Not davon überzeugen, dass sie und ihr Bruder nur versehentlich mit den Flugblättern in Verbindung gekommen seien. Kurz vor der Unterzeichnung der Entlassungsurkunde wird sie jedoch noch einmal in das Zimmer von Mohr geführt, der weitere belastende Beweise der jungen Frau vorlegt und ihr Bruder bereits ein Geständnis unterschrieben hat. Auch Sophie gesteht ihren Widerstand und ihre Mitgliedschaft in der „Weissen Rose“, schlägt aus Überzeugung für ihre Sache aber alle Versuche Mohr´s, ihr Leben irgendwie zu retten, aus. Mit dem Gewinn von zwei Silbernen Bären und Auszeichnungen beim Deutschen Filmpreis, sowie über einer Million Kinobesucher war „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ vollkommen verdient einer der erfolgreichsten Filme des letzten Kinojahres aus Deutschland, der Dank seiner ausgezeichneten Darsteller und einer feinfühligen wie nie mahnenden Inszenierung unterm Strich deutlich besser dasteht als „Der Untergang“. Großes leistet Julia Jentsch („Die fetten Jahre sind vorbei“, „Schneeland“), die sich mit ihrer couragierten wie facettenreichen Darstellung der Sophie Scholl in die heimische Oberliga spielte, dort gilt es sich allerdings nun zu beweisen. Den Tod vor Augen scheint ihr nach ihrem Geständnis ein Stein vom Herzen zu fallen und im Anschluss werden die Verhöre mit Alexander Held nach und nach zu ihrem eigentlichen „Triumphzug“, von dem sich selbst ihr Widersacher in zurückhaltender Art und Weise beeindruckt zeigt. Julia Jentsch zeigt Sophie Scholl als feinfühlige, aber für ihre Sache friedlich kämpfende Regime-Gegnerin, die lieber in den Tod gehen würde, als das sie ihr Gewissen verrät. Dies glaubhaft darzustellen gelingt der Schauspielerin mehr als eindrucksvoll und die Verhöre mit Alexander Held („Der Untergang“, „Die Musterknaben“) sind gleichzeitig faszinierend wie lehrreich. Fabian Hinrichs („Die Bluthochzeit“) als Hans Scholl wird während der langen Verhöre und während der Untersuchungshaft nur kurz auf dem Gang gezeigt, er zeichnet sich darstellerisch vornehmlich vor Gericht aus, bei dem jedoch bei aller begründeten Ehrlichkeit der Angeklagten die Rolle des menschenverachtenden Richters Roland Freislers, gespielt von André Hennicke („Antikörper“) alles überragt. Dieser verkörpert als dem Führer und Regime bedingungslos Untergebener Scharfrichter das, wofür das Dritte Reich stand, so bedrohlich und beängstigend, dass ein mahnender Zeigefinger nicht nötig wird. „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ ist großes deutsches Kino, welches auf seiner gesamten Länge von knapp zwei Stunden fesselt und bewegt. Nicht nur wegen der Thematik, sondern vor allem dank seiner Schauspieler und der an den richtigen Stellen feinfühligen Inszenierung. Autorwertung: 8.0 von 10 Punkten Leserwertung: N/A von 10 Punkten Only registered users may post a comment. There are currently no user submitted comments.
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Der Geschichtsunterricht in TV und Kino war wohl selten so präsent wie in den vergangenen zwei Jahren, in denen jeder geschichtsträchtigen Person zur Zeit des dritten Reiches eine Sondersendung oder gar Mehrteiler gewidmet wurde. Sicherlich zu Recht, angesichts wieder einmal verstärkt aufkeimender rechter Tendenzen, vor allem an den Schulhöfen des Landes, in denen munter Rekrutierungs-CD´s verteilt werden. Nachdem vor allem der m.E. überschätzte „Der Untergang“ für Schlagzeilen, auch auf internationaler Ebene, sorgen konnte, findet nun der ebenfalls prämierte und ergreifendere „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ seinen Weg in die Videotheken und erscheint zudem als DVD-Deluxe Edition mit feinem Bonusmaterial.