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Die Unglaublichen

Review von Christian, 20.03.05


CoverKaum hat "Pixar" die ganzen Geldsäcke eingesammelt und zur Hausbank gebracht, die mit ihrem vorangegangenen Blockbuster "Findet Nemo" verdient wurden, da beglückt das Animationsstudio seine treue wie immer wieder gern begeisterungswillige Kundschaft mit neuer Ware. Für die Regie verantwortlich ist diesmal jedoch nicht Mastermind Andrew Stanton, der z.B. schon "Toy Story" und "Findet Nemo" Weltruhm brachte, sondern Brad Bird, der bereits Erfahrungen mit Animationen im kommerziellen Flop "Der Gigant aus dem All" oder den „Simpsons“ sammeln konnte. War "Findet Nemo" noch ein Gagfeuerwerk ohne Gleichen, so darf man sich nicht dem Trugschluss hingeben, daß einem ähnliches auch bei "Die Unglaublichen" erwartet. Bird nahm sich mehr Zeit für die Geschichte und konzipierte den Film nicht als "echten" Kinderfilm, denn eine Vielzahl von Anspielungen und Gags wird doch eher ein älteres Publikum ansprechen, wenn natürlich auch kleinere Gesellen durchweg ihren Spaß an „Die Unglaublichen“ haben werden.

In der modernen Welt von „Die Unglaublichen“ gibt es etliche Superhelden, zu denen die Bevölkerung aufschaut und der beliebteste unter ihnen ist Bob Paar, auch „Mr. Incredible“ genannt. Doch es herrscht Aufruhr, denn nach einigen Missgeschicken bröckelt die Fassade der Superhelden und es kommt Klage auf Klage auf die Beteiligten zu. Dies verleitet die Regierung dazu, dass Projekt „Superhelden“ ad acta zu legen und Leute wie Bob Parr samt seiner Familie, müssen nun einer normalen Arbeit nachgehen und das Leben einer Spießbürgerfamilie fristen. Bob Parr würde seiner neuen Rolle als Versicherungsvertreter nur allzu gerne entfliehen und da kommt ihm ein mysteriöses Angebot gerade richtig, welches ihn auf eine gefährliche Mission führt. Doch anfängliche Euphorie weicht schnell Entsetzen, denn hinter seinem Gastgeber befindet sich sein Erzfeind, der sich an Mr. Incredible rächen will und bald ist auch die komplette Familie des Superhelden in den Kampf involviert.

Seriöser hat man das Animationsstudio wohl bislang noch nicht erlebt, als es bei „Die Unglaublichen“ der Fall ist, gleichzeitig wird aber durch etliche auf das jüngere Publikum gezielte Action-Szenen auch dieses nicht vernachlässigt. Eine Gratwanderung die Regisseur Brad Bird ganz hervorragend gelungen ist, vielleicht hat er aus seinem Kommerz-Flop „Der Gigant aus dem All“ die entsprechenden Lehren gezogen. Die Story ist überdies sehr vielschichtig und gerade in den Szenen, in denen das normale Leben der Titelfigur Mr. Incredible gezeigt wird, dürften sich die älteren Semester angesprochen fühlen. Gelangweilt vom Alltag und ehelichen Pflichten, beraubt durch die Möglichkeit der Selbstverwirklichung als Superheld, vegetiert dieser nur noch von Tag zu Tag vor sich hin. Gleiches überträgt sich auch auf seine Familie, die erst, nachdem es gemeinsam in neue Abenteuer geht, wieder richtig zu leben scheint. Die Gagquote hält sich in diesen Momenten auch in Grenzen und erst in der zweiten Hälfte drückt der Film wieder auf´s Tempo, wenn auch zwischendurch der ein oder andere Schenkelklopfer zu verzeichnen ist. Tricktechnisch ist „Die Unglaublichen“ wieder über jeden Zweifel erhaben und vor allem zum Schluss kommen Action-Fans im Animationsbereich voll auf ihre Kosten, wenn Familie Parr gemeinsam gegen den Feind mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vorgeht. Der beste und unterhaltsamste Part ist dabei allerdings nicht dem Hauptprotagonisten zugeteilt worden, sondern der Rest seiner Sippe hat zumindest in meinen Augen einen leichten Vorteil gegenüber dem vermeintlichen Familienoberhaupt. Hier gibt es Verfolgungsjagden, Superhelden-Kräftemessen und sogar wild gewordene Roboter ohne Ende und der zuvor gestaltete ernstere Part wird komplett in den Hintergrund gedrängt.

Brad Bird bietet in seinem Kassenschlager einen kompletten Gegensatz zur knallbunten und Gagreichen „Findet Nemo“ Welt, was sich zwar nicht in einem besseren Einspielergebnis bemerkbar machte, doch muss sich „Pixar“ auch m.E. nicht mit jedem Film überbieten. Die Kritiken geben „Die Unglaublichen“ recht und letztlich belegt „Pixar“ mit diesem Film, dass man der Konkurrenz einfach in Punkto Abwechslung und Ideenreichtum mindestens eine Länge voraus ist.


Autorwertung: 8.0 von 10 Punkten
Leserwertung: N/A von 10 Punkten

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