Ein (un)möglicher HärtefallReview von Thomas, 02.06.04 Nachdem die filmschaffenden Gebrüder Joel und Ethan Coen, welche bereits seit ihrem ´84er Debütwerk "Blood Simple" erhöhtes
Ansehen in Kritikerkreisen genießen, das Skript zu "Intolerable Cruelty" für die Universal-Studios verfassten, mussten erst
neun lange Jahre vergehen, ehe die erste Klappe der Produktion fiel. Den Auslöser für das plötzliche Interesse an einer Verfilmung
des Stoffes markierte niemand geringeres als George Clooney, der nachdem er von dem Drehbuch erfuhr unverzügliches Interesse
an der Verkörperung des männlichen Hauptparts bekundete und den Stein des Anstoßes somit ins Rollen brachte. Denn Clooney,
der drei Jahre zuvor bereits die tragende Rolle im durchwachsenen Coen-Erzeugnis "O´ brother where art thou?" inne hatte,
brannte auf eine erneute Zusammenarbeit mit den brillianten Gebrüdern, welche bislang in geradezu unnachahmlicher Manier den
Spagat zwischen Kunst und Kommerz zu beherrschen wussten.Der charismatische wie knallharte Scheidungsanwalt Miles Massey (George Clooney - "Three Kings", "Safecrackers") ist der beste seiner Zunft, ein auf unbedingte Siegermentalität geeichter Gewinnertyp. So bewahrt der wortgewandte Winkeladvokat mit bewährt juristischem Fintenreichtum auch den Millionär Rex Rexroth (Edward Herman - "Reds", "The Purple Rose Of Cairo") vor horrenden Unterhaltungszahlungen an seine zukünftige Ex-Ehefrau, die ebenso schöne wie hintersinnige Marylin (Oscarpreisträgerin Catherine Zeta-Jones - "High Fidelity", "Chicago") und zieht auf diesen Pfaden weit mehr als nur deren Unmut auf sich, plante die latente Heiratsschwindlerin doch bereits ihren vorzeitigen Ruhestand auf wohl situiertem Polster. In voller Blüte kann Miles Massey seinen neuerlichen Triumph derweil allerdings nicht auskosten, hat sich der charismatische Charmeur doch unvermittelt in Marylin verliebt. In diesem Falle scheint dem wortgewandten Rechtsverdreher das Glück jedoch weniger hold, präsentiert die Angebetete doch bereits kurze Zeit später die nächste potentielle Altersvorsorge, den redseligen Ölbaron Howard Doyle (Oscarpreisträger Billy Bob Thornton - "One False Move", "The Man who wasn´t there")... Stars der ersten Garde, ein für die Verhältnisse der Coens immenses Budget von fast 60 Millionen Dollar, fast scheint es als würden die genialen Gebrüder dem Mainstream verfallen. Und wenn der Schein auch über weite Strecken trübt, so ist "Ein (un)möglicher Härtefall" doch das bislang schwächste Produkt der hochgelobten Autorenfilmer. Die Nuancen zwischen affektiertem Schauspieltum und authentischer Inszenierung erscheinen verwaschen, die zahlreichen Dialoggefechte trotz zum Teil brüllend komischem Wortwitz unausgegoren und ohne die zu erwartende Klasse. George Clooney gelingt es zwischen den Eckpfeilern seiner umwerfenden Performance zwar den Schein des übermütigen darstellerischen Glanzes zu wahren, doch erweist sich der Sympathiewert der Figuren, in der Hauptsache der des von Catherine Zeta-Jones verkörperten snobistischen Luders, als weitesgehend verschwommen und schlicht zerrissen zwischen Zynismus und Romantik. So meistern die Gebrüder Coen den Drahtseilakt des hochfundamentierten Hollywoodkinos trotz gelungener Wendungen und dem Spiel mit der Erwartungshaltung des Publikums nur auf halber Strecke ohne ins Wanken zu geraten und servieren eine zweifelsohne unterhaltsame wie augenzwinkernde, obschon ebenso nichtige Komödie auf den Spuren legendärer Screwball-Klassiker. Mit Oscarpreisträger Geoffrey Rush ("Shine", "Fluch der Karibik") und Cedric the Entertainer ("Big Mamas Haus", "Barbershop") bis in kleinere Nebenrollen stimmig besetzt, schlägt Clooneys greiser Vorgesetzter (John Bliss - "Vengeance", "Big Time") in seinem offenkundig von jüdischen Klischees zerfressenen Aufkeimen eine der wenigen Brücken zum gewohnt hintersinnigen Stil der individualistischen Filmemacher. Doch bleiben solch tragende Lichtblicke in ihrer Präsenz eher sporadisch und hinter dem Schleier der Gewohnheit verborgen. Die Hoffnung auf eine Besinnung von Joel und Ethan Coen, die das Skript zu "Ein (un)möglicher Härtefall" erstmals in Kongruenz mit anderen Autoren, in diesem Falle dem Gespann Robert Ramsey und Matthew Stone ("Lebenslänglich", "Nichts als Ärger"), erarbeiteten, auf ihre unabhängigeren Wurzeln bleibt nach dem kommerziellen Misserfolg von "Intolerable Cruelty" Jedoch bestehen. Nicht zuletzt aufgrund des Umstandes, dass sich der neueste Streich der Independent-Auteure, die ebenfalls hochbudgetierte Komödie "The Ladykillers" mit Tom Hanks in der Hauptrolle, als ebensolcher Flop erwies wie "Ein (un)möglicher Härtefall". Autorwertung: 6.0 von 10 Punkten Leserwertung: N/A von 10 Punkten Only registered users may post a comment. There are currently no user submitted comments.
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Nachdem die filmschaffenden Gebrüder Joel und Ethan Coen, welche bereits seit ihrem ´84er Debütwerk "Blood Simple" erhöhtes
Ansehen in Kritikerkreisen genießen, das Skript zu "Intolerable Cruelty" für die Universal-Studios verfassten, mussten erst
neun lange Jahre vergehen, ehe die erste Klappe der Produktion fiel. Den Auslöser für das plötzliche Interesse an einer Verfilmung
des Stoffes markierte niemand geringeres als George Clooney, der nachdem er von dem Drehbuch erfuhr unverzügliches Interesse
an der Verkörperung des männlichen Hauptparts bekundete und den Stein des Anstoßes somit ins Rollen brachte. Denn Clooney,
der drei Jahre zuvor bereits die tragende Rolle im durchwachsenen Coen-Erzeugnis "O´ brother where art thou?" inne hatte,
brannte auf eine erneute Zusammenarbeit mit den brillianten Gebrüdern, welche bislang in geradezu unnachahmlicher Manier den
Spagat zwischen Kunst und Kommerz zu beherrschen wussten.