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Das Urteil - Jeder ist käuflich

Review von Thomas, 21.04.04


Cover"Gerichtsurteile sind zu wichtig, um sie Geschworenen zu überlassen."

Mit "Das Urteil - Runaway Jury" bereichert Hollywood das Genre des Justiz-Thrillers um eine weitere Adaption des amerikanischen Bestsellerautors John Grisham ("Die Firma", "Die Akte", "Der Klient", "Die Kammer") und versammelt unter der soliden Regie des versierten Thriller-Spezialisten Gary Fleder ("Das Leben nach dem Tod in Denver", "Sag kein Wort") eine bis in die kleinste Nebenrolle prominent besetzte Riege renommierter Akteure, um einmal mehr das Zünglein an der Waage der Justitia zu verkörpern. Dabei zeigt sich Fleder bemüht, im Kern seines Filmes die Frage aufzuwerfen, wie gerecht sich das amerikanische Justizsystem in Wahrheit präsentieren kann, wenn Konzerne als Automatismus millionenschwere Polster für unsinnige Prozesse hinterlegen und Anwälte durch prestigeträchtige Verhandlungen beinahe wöchentlich Starstatus erlangen. Über alledem thront jedoch als Exekutivorgan der Demokratie die Jury der Geschworenen, per Zufallsprinzip ausgewählte und staatlich befähigte Normalbürger, die im Gerichtsaal letzten Endes über Schuld oder Unschuld eines jeden Angeklagten zu entscheiden haben. Oder gibt es etwa unsichtbare Strippenzieher im Hintergrund, die Einfluss und Macht auf die Entscheidungsfindung jener Jurys ausüben? Aller Spekulationen und Verschwörungstheorien zum Trotze existieren solch dubiose Mittelsmänner zumindest auf der Leinwand; Männer wie der zwielichtige Jury-Berater Rankin Fitch (Oscarpreisträger Gene Hackman - "Fench Connection", "Erbarmungslos"), der im Auftrag eines großen Waffenkonzerns deren Anwalt (Bruce Davison - "Willard", "X-Men") bei Gericht fernab offenbarender Blicke tatkräftig zu unterstützen weiß. Und Fitchs Hilfe scheint dringend erforderlich, verklagt die zweifache Mutter Celeste Wood (Joanna Going - "Nixon", "Heaven") jenes industrielle Unternehmen doch über den aufrichtigen Anwalt Wendall Rohr (Oscarpreisträger Dustin Hoffman - "Die Reifeprüfung", "Moonlight Mile") auf Schadenersatz, weil ihr Ehemann (Dylan McDermott - "M.A.R.K. 13 - Hardware", "In the line of Fire") in den Wirren eines Amoklaufes durch eine Handfeuerwaffe des Konzerns getötet wurde. Mittels einer geheimen Überwachungszentrale manipulieren Rankin Fitch und sein Gefolge im Vorfeld die Auswahl der zur Pflicht berufenen Geschworenen, sehen sich im Laufe des Prozesses jedoch mit ungeahnten Schwierigkeiten konfrontiert. Nick Easter (John Cusack - "High Fidelity", "Identität"), Jury-Mitglied Nummer 9, hat sich nämlich entgegen der konspirativen Pläne in die Reihen der Geschworenen geschmuggelt und versucht diesen Umstand nun zu seinem Vorteil zu nutzen. So wird den differenten Parteien durch Nicks mysteriöse Komplizin Marlee (Rachel Weisz - "Enemy at the Gates", "About a Boy") unmissverständlich ins Bewusstsein gebrannt, dass der Prozess in jede beliebige Richtung geführt werden kann. Doch haben Nick und Marlee nicht mit der Skrupellosigkeit Fitchs und seiner Untergebenen gerechnet...

Frei nach der These "Jeder ist käuflich" spinnt Gary Fleder einen über weite Strecken packenden Justiz-Thriller um Korruption, Manipulation und die Suche nach Gerechtigkeit und beleuchtet in diesem Bestreben eher die Vorgänge abseits des Gerichtsaales, als den Prozess selber. Dialoglastig und passagenweise arg konstruiert, überzeugt "Das Urteil" durch eine stimmungsvolle Inszenierung und unterschwellig knisternde Spannung. Der interessante, wenngleich nicht zwingend glaubwürdige Plot wird untermauert durch gelungene Wendungen und durchweg zurückhaltende Ensembleleistungen. Zwar bleiben Dustin Hoffman und Grisham-Veteran Gene Hackman bei ihrem ersten gemeinsamen Leinwandauftritt eher blass, doch bürgt das stargespickte Vehikel für überwiegende Fleißarbeit auf hohem Niveau. Neben bereits angeführten Darstellern komplettieren Jeremy Piven ("Judgement Night", "Grosse Point Blank"), Bruce McGill ("Cliffhanger", "The Insider"), Cliff Curtis ("Ghost Ship", "Whale Rider"), Leland Orser ("Alien 4", "Resurrection"), Bill Nunn ("New Jack City", "Trespass"), Luis Guzman ("Carlito´s Way", "Punch Drunk Love") und Orlando Jones ("Evolution", "Die Zeitmaschine") das namhafte Ensemble. Somit ist "Runaway Jury" grundsolides Spannungskino, wohl inszeniert und überragend besetzt, doch am Grunde seiner mitunter langatmigen Existenz einzig für Grisham-Puristen und hartgesottene Thriller-Freunde von Interesse.


Autorwertung: 6.0 von 10 Punkten
Leserwertung: N/A von 10 Punkten

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