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Was das Herz begehrt

Review von Thomas, 25.03.04


CoverDas Konzept vom kalkulierten und am Reissbrett zusammengewerkelten Kassenschlager ging seltener derart schlüssig auf, als im Falle von "Was das Herz begehrt - Something´s Gotta Give", erbringt Nancy Myers ("Was Frauen wollen") doch in Personalunion von Autorin, Produzentin und Regisseurin neuerlich den Beweis, dass die Zugkraft namhafter Hollywoodsternchen jegliche Schwächen eines Skripts überwiegen kann. Wenn zudem noch der störrischste aller Schauspiel-Esel Jack Nicholson, immerhin mit drei Oscars in den Satteltaschen durch das staubige Ödland Kaliforniens trabend, in die Hauptrolle schlüpft, dann ist zumindest durch die physische Präsenz des diabolisch grienenden Mimen darstellerische Klasse garantiert. Ihm Gegenüber, bzw. zur Seite stehen mit Diane Keaton, zum ersten Male seit Warren Beattys "Reds" von 1981 gemeinsam mit Nicholson vor der Kamera aktiv, Frances McDormand, Keanu Reeves und Amanda Peet weitere Topakteure, wenngleich die beiden letztgenannten in äußerst undankbaren Nebenrollen agieren und regelrecht verheizt werden. Gleichwohl ist es Jack Nicholson hoch anzurechnen, dass er mit fortschreitendem Alter sein Image als Lebemann mit erhöhtem Frauenverschleiß auf derart amüsante Art zu persiflieren versteht, bildete doch bereits das grandiose Drama "About Schmidt" die eigenhändige Demontage seines Status als immergeiler Playboy. Einen solchen verkörpert Nicholson auch in "Was das Herz begehrt", begnügt sich die von ihm verkörperte Figur des Harry Sanborn doch einzig mit Frischfleisch unter 30 auf Erden gewandelten Jahren. Eben solche wie die attraktive Marin (Amanda Peet - "Spurwechasel", "Identität"), mit welcher der notorische Schwerenöter ein freizügiges Wochenende im Landhaus ihrer Familie verbringen möchte. So kommt es, dass Harry mit heruntergelassenen Hosen von der geschiedenen wie erfolgreichen Theaterautorin Erica Barry (Diane Keaton - "Der Stadtneurotiker", "Baby Boom"), Marins Mutter, sowie deren Schwester (Frances McDormand - "Fargo", "Almost Famous") bei der Plünderung des häuslichen Kühlschrankes ertappt wird. Nach ersten Auslotungen beschließt man, das Wochenende unter einem Dach, obschon getrennter Wege zu beschreiten, ist Harrys ausufernder Lebensstil der altersnahen Erica doch mehr als zuwider. Die Situation spitzt sich derweil zu, als Harry, den Koitus vor Augen, eine plötzliche Herzattacke überrumpelt und er auf Anraten des örtlichen Arztes Julian (Keanu Reeves - "Speed", "Matrix") eine erholsame Ruhephase abseits der Großstadt verordnet bekommt - im Hause der Barrys. Allen Unmutes zum Trotze kann die gutmütige Erica der Gesundung Harrys keinen Stein in den Weg rollen, so dass sie ihn wiederwillig in ihre Obhut übernimmt. Man schließt profanen Frieden und kommt sich zwischen Zankereien und grundsätzlichen Auffassungsdisparitäten allmählich näher. Komplikationen treten erst auf, als Erica eine Kostprobe von Harrys emotionsloser Auslebung der menschlichen Triebe durch die Zuneigung des sichtlich jüngeren Julian erhält...

Mit "Was das Herz begehrt" schraubt Regisseurin Nancy Myers einen weiteren amüsanten Schnellschuß in Sachen romantischer Komödie zusammen und folgt dabei strikt der mehrspurigen Autobahn aus Kitsch und Klischees zum programmierten Erfolg. Zwar entbieten die durchaus gepfefferten Wortgefechte der sympathischen Hauptakteure einen gewissen Biss, doch schwankt der Film im Winde der Vorhersehbarkeit unaufhörlich zwischen stimmiger Situationskomik und fadem Einheitsbrei. Bis zum offenkundig glücklichen Ausgang verliert sich Nancy Myers zusehends im Gestrüpp holpriger Nichtigkeiten und serviert gegen Ende eine wahre Halde überflüssiger Wendungen, die einzig inszenatorische Zähigkeit heraufbeschwören und das Sehvergnügen merklich trüben. Darüber hinaus verschwitzt es "Was das Herz begehrt" schlicht, die transparenten Nebenrollen mit Glaubwürdigkeit und Leben anzureichern und präsentiert statt dessen unbefriedigende Auswüchse am Rande eingeschobener Begebenheiten. So kann man sich in Gesellschaft der munteren Darstellerriege durchweg gut unterhalten fühlen, über das Standardrepertoire genretypischer Liebeskomödien reicht die Starbesetzung jedoch nicht hinaus. Neben einigen Zweifeln an der Nominierung Diane Keatons für den diesjährigen Oscar der besten weiblichen Actrice, welche wohl eher auf dankbares Kanonenfutter für die spätere Preisträgerin Charlice Theron hinausläuft, bleibt die solide Beteiligung des deutschen Kameramannes Michael Ballhaus ("Goodfellas", "Bram Stoker´s Dracula", "Air Force One", "Gangs of New York"), sowie das Aufkommen einiger unfreiwillig komischer Anschlußfehler zu erwähnen, die unter anderem Jack Nicholsons Hemd in der erwähnten Kühlschranksequenz je nach Einstellung wahlweise komplett zugeknöpft oder lässig geöffnet aufzeigen. Was das Herz wirklich begehrt, bekommt man in "Something´s Gotta Give" zwar nicht aufgetischt, doch für eine leicht verdauliche Zwischenmahlzeit reicht es allemal.


Autorwertung: 6.0 von 10 Punkten
Leserwertung: N/A von 10 Punkten

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