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Das Wunder von Bern

Review von Sabrina, 04.11.03


CoverRegisseur Sönke Wortmann träumte lange davon aus dem "Fußballwunder" von Bern einmal einen Kinofilm zu machen. Nach vielen Kinoflopps gelang es ihm dann, nach viel viel Vorbereitungszeit, „Das Wunder von Bern“ am 16.10.2003 in die deutschen Kinos zu bringen. Er drehte im Sommer 2002 an Plätzen in der Schweiz und natürlich im Ruhrgebiet, wo er mit wunderbaren Bildern das Arbeitermilieu der deutschen Nachkriegszeit und deren Probleme schilderte. In den ersten fünf bis fünfzehn Jahren nach dem Ende des 2.Weltkrieges war Deutschland im zwiegespaltenen Ausschwung, einerseits kümmerten sich die übrig gebliebenen Väter um die Politik und den Wiederaufbau, doch trugen die Frauen ihrer Zeit die Verantwortung für die Familien und deren Lebensunterhalt. Die Zeit der Trümmerfrauen. Frauen, die die Rollen der Väter übernahmen und sich mit den Fragen quälten, ob ihre Männer je wieder kehren würden.... So auch im Sommer 1954 in Essen. Frau Christa Lubanski lebt mit ihren 3 Kindern zusammen in einer Arbeitersiedlung, ist Betreiberin einer Kneipe um die Ecke mit ihrer Tochter Inge, kümmert sich um die Erziehung, kocht, führt den Haushalt und trägt Sorge um das weitere Geschehen in der Familie. Bruno der Älteste, Musiker einer Band und Vaterersatz, fühlt sich in seiner Rolle sehr wohl, doch da ist noch Matthias. Der jüngste Sohn, kennt seinen Vater nicht, denn er wurde im Krieg gezeugt, und ist das Maskottchen des Essener Fussballstürmer-Stars und Nationalspieler Helmut Rahn. Matthias bewundert Helmut sehr, sieht seinen Vater in ihm, will sein wie er und trägt ihm mit Begeisterung seine Tasche. Die WM in Bern steht aus, und Helmut darf mit in die Schweiz. Matthias, der sich als Glücksbringer sieht, weiß durch die Abschiedsworte Helmuts, daß die Elf nur gewinnen kann wenn Matthias in Bern ist. Bei den Lubanskis überschlagen sich die Ereignisse als ein Brief eintrifft der besagt, daß Herr Richard Lubanski aus der Kriegsgefangenschaft in Russland zurück kehren wird. Richard ist verschlossen, aggressiv, unterkühlt und kommt mit den Geschehnissen und den 11 Jahren Abwesenheit nicht zurecht und stiftet Chaos in der eingespielten Familienstruktur. Matthias, der ihn nie vorher sah, kann sich mit seinem Vater nicht identifizieren und Bruno, der seine Vaterrolle inne hat bekommt Probleme mit ihm, da er ihm nicht genügend Respekt entgegenbringt. Richard hat zu kämpfen um sich nicht völlig aus der Familie heraus zu manövrieren. Matthias leidet unter dem Kampf, denn ihm wird seine Liebe zu Helmut streitig gemacht und seine Verbundenheit zum Fußball belächelt. Eine Zeit bei den Lubanskis, die an keinem spurlos vorüber zieht. Parallel zu den Familiengeschichten trainieren die Elf für die WM. Völlig unerwartet feiern die Deutschen unter Sepp Herberger kleine Siege und schaffen es tatsächlich ins Finale gegen die Ungarn am 4 Juli 1954. Vater Lubanski sieht plötzlich die einzige Möglichkeit eine Verbesserung in der Familie zu erreichen, indem er mit Matthias nach Bern fährt, denn die Elf kann ohne ihn ja nun nicht gewinnen, wie Helmut äußerte. Und so nimmt „Das Wunder von Bern“ seinen Lauf...

Sönke Wortmann hat es geschafft ein pathetisches Stück Kino zu machen. Gefühlvoll setzt er die Familientragödie in Szene, so daß man teilweise vor Rührung vergeht. Gekonnt castete er Männer, die die Nationalelf in Perfektion verkörperten, nicht nur optisch sondern auch von ihrem spielerischen Können. Erzählerisch, als auch aufwändig historisch genau, setzt er das Spiel von Bern um und macht den ganzen Film zu keinem Männerklischeebiertrinkfußballspaß, sondern zu einem ganzheitlichem Kinovergnügen indem auch die Frauen auf ihre melodramatischen Kosten kommen. „Das Wunder von Bern“ zeigt eine realistische Arbeitermilleufamilie der nicht so braven 50er, ein Fußballspiel der Weltgeschichte, welches Glauben und Hoffnung wieder brachte und eine ehrliche Vater und Sohnbeziehung.


Autorwertung: 6.0 von 10 Punkten
Leserwertung: N/A von 10 Punkten

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