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Shaolin Soccer

Review von Thomas, 24.09.03


CoverFußball ist Krieg...

Es ist soweit, endlich wird auch unsere mehr oder minder fußballverwöhnte Nation heimgesucht vom erfolgreichsten jemals in Hong Kong produzierten Filme aller Zeiten. Dieser erweist sich bei genauerer Betrachtung jedoch nicht als wüst choreographierte Ballerorgie aus der Schmiede des mittlerweile in den Konventionen der amerikanischen Kinoindustrie befangenen Regisseures John Woo, sondern erstaunlicherweise als irrwitzige Rasensport-Komödie rund um die Freuden des genähten Leder-, bzw. Kunststoffballes. Doch was heisst erstaunlicherweise, denn immerhin zeichnet sich Stephen Chow, seines Standes erfolgreichster und beliebtester Komödiant des ehemaligen Stadtstaates für "Shaolin Kickers", welcher bereits seit geraumer Zeit in Gestalt importierter Original-Dvds auch in unseren Breitengraden unter dem Titel "Shaolin Soccer" bei einer überschaubaren Zahl eingeweihter Filmfreaks uneingeschränkten Kultstatus geniesst, für diesen kommerziellen wie künstlerischen Siegeszug verantwortlich. Ausserhalb Asiens blieb Chow, welcher sich allein an 5 der 10 erfolgreichsten Produktionen Hong Kongs beteiligt zeigt, der internationale Durchbruch jedoch bislang verwehrt. Ob dieser Umstand durch den deutschen Kinostart des bereits 2001 entstandenen "Shaolin Kickers" eine Änderung erfährt, bleibt derweil abzuwarten. Fest steht allerdings, dass der in mehr als 50 Filmen als Darsteller ("Just Heroes", "All for the Winner", "From Beijing with Love") und Regisseur ("God of Cookery", "King of Comedy") in Erscheinung getretene Stephen Chow mit diesem furiosen Mix aus Sportfilm, Komödie, Eastern und Romanze auch die Tür zur westlichen Welt ein weites Stück aufgestossen hat. Aufgrund dieser Voraussetzungen dürfte es den kreativen Possenreisser auch nur leidlich stören, dass sein Werk lediglich in einer gemessen am "Director´s Cut" gehörig gestutzen Version den Weg in die hiesigen Lichtspielhäuser antritt.

Zwanzig Jahre sind ins Land gegangen, seit der ehemalige Fußballstar "Golden Leg" Fung (Ng Man-Tat - "The Big Brawl", "God of Gamblers 2", hier einmal mehr an der Seite Chows) nach einem getürkten Entscheidungsspiel von einem wütenden Mob zum Krüppel geschlagen wurde. Nun, am gesellschaftlichen Bodensatz angekommen, macht Fung die Bekanntschaft des Shaolin-Meisters Sing (Stephen Chow), welcher mehr schlecht als recht darum bemüht ist, diese beinahe in Vergessenheit geratene Kunst des Kampfes zu neuerlicher Popularität zu führen. Nach anfänglichen Querelen raufen sich die beiden schliesslich zusammen und kreiren eine akrobatische Mischung aus Fußball und Kung Fu. Mit neu gewonnenem Selbstvertrauen scharen die beiden Sings ehemalige Glaubensbrüder um sich, um letzten Endes beim hochdotierten "China Supercup" ihr ganzes Können unter Beweis zu stellen und obendrein Fungs Erzfeind Hung und sein "Evil Team" in ihre Schranken zu verweisen. Nebenbei gewinnt Sing die Gunst der ärmlichen Bäckerin Mui (Vicky Zhao - "Das Duell in der verbotenen Stadt", "So Close"), der aufgrund ihrer höchsteigenen Fähigkeiten des Tai-Chi letzten Endes eine ganz besondere Rolle im Team der ballspielenden Mönche zuteil wird... Schräge Charaktäre, witzige Sporteinlagen, ein Schuß Romantik und possierliche Computereffekte bestimmen die Beschaffenheit von "Shaolin Kickers", der obendrein geprägt ist von beinahe klassischen Eastern-Einlagen und einer Fülle an Zitaten, welche unter anderem eine gelungene Huldigung des unvergessenen Bruce Lee bereit halten. Obwohl herrlich albern und überdreht, weisen zotige Witze eher Seltenheitswert auf und verbleiben in überschaubaren Grenzen, im Vordergrund steht eindeutig das skurrile Element des auch auf visueller Ebene überzeugenden Geschehens. So verwundert in Anbetracht der Mitarbeit des Altmeisters Ching Siu-Tung ("Duel to the Death", "A Chinese Ghost Story", "The East is Red") auch nicht die passagenweise auftretende Artverwandtschaft zum Effektegewitter "Matrix", sorgte der fulminante Regisseur doch bei "Shaolin Kickers" einmal mehr für die Choreographie der übermütigen Martial-Arts- und Akrobatikeinlagen. In Personalunion des Regisseures, Produzenten, Schnittverantwortlichen, Co-Autoren und des Hauptdarstellers kreirt das Multitalent Stephen Chow eine ganz eigentümliche Art der Komödie und entführt den Zuschauer in eine optisch kühn bebilderte und ansprechend photographierte Welt jenseits physikalischer Gesetze und bestehender Logik. Sinn macht dies sicherlich nicht, aber den munteren Darstellern bei ihrem persönlichen Kampf um einen festen Platz im Leben zuzuschauen bereitet indes einen Heidenspaß. Schade nur, dass der Wortwitz der Originalfassung in diesem Zusammenhang einmal mehr der unbefriedigenden deutschen Synchronisation zum Opfer fällt.


Autorwertung: 7.0 von 10 Punkten
Leserwertung: N/A von 10 Punkten

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