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One Hour Photo

Review von Christian, 01.07.03


CoverIm Grunde hat die Welt ja schon sehnlichst darauf gewartet, dass Robin Williams endlich mal einen negativen Charakter auf der Leinwand darstellt. Leichte Unterhaltung wie "Birdcage", "Mrs. Doubtfire" oder "Jumanji" hat der doch sehr gute Darsteller reichlich abgeliefert und auch einen Platz im Himmel als Denzel Washingtons weisses Gegenbild hat er mit Filmen wie "Jacob der Lügner" oder "Der 200 Jahre Mann" sicher. Nun also gibt es den Oscar-Gewinner mal von seiner bösen Seite und eigentlich stimmt an Williams fast alles, wäre da nicht das ganze um ihn herum. Williams spielt den alleinstehenden und von der Gesellschaft abgeschotteten Seymour Parrish, der als Entwickler in einem kleinen Express-Fotoshop arbeitet. Parrish hat keine Familie, keine Freunde und im Grunde niemanden mit dem er sich unterhält, ausser seine Kunden. Zu denen hat er in seiner Einsamkeit innerlich ein so inniges Verhältnis aufgebaut, dass er die Fotos die bei ihm abgegeben werden, auch für sich gleich mit abzieht und zu Hause an einer großen Wand aufhängt. Zu seinen Lieblingskunden gehört die Familie Yorkin, bestehend aus Vater Jakob Yorkin (Dylan Smith), seiner Frau Nina (Connie Nielsen) und Sohn Will (Michael Vartan). Gerade zu den Yorkins fühlt sich Seymour sehr hingezogen und in seinen Gedanken und Träumen lebt er als "Onkel Sey" glücklich mit den Yorkins zusammen. Doch der unscheinbare und immer freundliche Seymour kommt beim Geschäftsführer des Einkaufstempels, zu dem Seymours Fotoladen gehört, nicht gut an und nachdem dieser Wind von Seymours "Mehrproduktion" in eigener Sache erfährt, schmeisst er den völlig überrumpelten und niedergeschlagenen raus. Für diesen bricht eine Welt zusammen und als er durch Zufall erfährt, dass seine Traumwelt in Form von Familie York zu platzen droht, da Jakob seine Frau Nina betrügt, rastet "Onkel Sey" aus.

Regiesseur Mark Romanek hat mit Spielfilmen bisher nicht sonderlich viel am Hut gehabt, sondern hat die Lieder von Menschen wie Lenny Kravitz, Madonna, R.E.M. oder David Bowie ins rechte Licht gerückt. Auch dort muss man mit visueller Kraft die ein oder andere Schwäche eines Songs verdecken und nicht viel anders hält es sich auch mit seinem Psycho-Portrait "One Hour Photo". Zwar hat Romanek mit Robin Williams neben der gelungenen Optik auch noch einen zweiten Lichtblick zu verzeichnen, doch das war es dann auch schon wieder. Aus der Story hätte man viel mehr rausholen können, dies wird vor allem anhand der Darstellung von Robin Williams deutlich, doch Romanek geht mit dieser nicht weit genug und legt Hauptaugenmerk eben auf die äussere Verpackung. Der Film ist, so muss man es einfach sagen, über weite Strecken langweilig. Man wartet förmlich das etwas passiert, doch die kurzen Anwandlungen die im Bereich des Begriffs "Spannung" anzusiedeln wären, verpuffen schnell und stattdessen geht es weiter mit unsinnigen Dialogen noch unsinnigerer Schauspieler. Auch der Schluss, in der Williams lediglich darauf bedacht ist Fotos des Betrügers Yorkin zu schiessen, entbehrt jeglicher Logik und wenig mehr Zynismus oder Tempo hätte dem Film sehr gut getan. Es wäre interessant zu sehen, was ein Fincher auf dem Regiestuhl vollbracht hätte, aber das sind alles Spekulationen. Der Film wird definitiv von seinem Hauptdarsteller getragen, nämlich Robin Williams. Dieser gibt einen solch distanzierten Charakter, wie man es wohl von ihm noch nie gesehen hat, gibt er doch meist den grinsenden Komödianten. Hier wird das lächeln nur für Kundschaft aufgesetzt, ansonsten verschwindet es hinter einer undurchsichtigen Maske, hinter der sich Williams seine Traumwelt fabriziert. In dieser geistigen und sozialen Leere in der Williams sich im Film befindet, passt dann wieder die Optik. In sterilen und klaren Bildern gehalten, passt Romanek die Umgebung seiner Figur an. Die üblichen Darsteller verblassen da in jeglicher Hinsicht, gibt die Story ihnen aber auch nicht die Möglichkeit groß in Vorschein zu treten und mangelt es ihnen auch definitiv an Ausstrahlung. Ein Film von dem ich mehr erwartet hätte wie ich gestehen muss und den man nur aufgrund der begeisternden Performance von Robin Williams bis zum Ende schauen kann. Ansonsten gesellt sich Freund Langeweile zu einem.


Autorwertung: 4.0 von 10 Punkten
Leserwertung: N/A von 10 Punkten

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