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Insomnia

Review von Christian, 25.06.03


CoverAn den Arsch der Welt, genauer gesagt ins tiefste Alaska führt der neue Fall die beiden Detectives Will Dormer (Al Pacino) und Hap Eckhart (Martin Donovan) aus Los Angeles. Dort ereignete sich ein grauenvoller Mord an einer 17-jährigen, der die dortigen Behörden vor einige Probleme stellt und die beiden Kollegen aus der Großstadt sollen die dortigen Ermittlungen leiten. Doch ganz auf die neue Aufgabe können sich die langjährigen Partner Dormer und Eckhart nicht konzentrieren, verfolgt sie doch ständig in Gedanken die innere Abteilung in ihrer Heimat, die sie vor einen Untersuchungsausschuss zwängen möchte, in dem Eckhart gegen seinen Parnter aussagen soll. Relativ schnell kommen sie jedoch dem Mörder der jungen Schülerin auf die Schliche und stellen diesem in den vernebelten Wäldern der Umgebung eine Falle. Dieser kann jedoch im dichten Nebel flüchten. Dormer verfolgt ihn, erschießt jedoch versehentlich seinen Partner Eckhart, den er für den Mörder gehalten hat. Trotz gehöriger Schuldgefühle gesteht Dormer nicht die Tat, sondern schiebt dem gesuchten Mörder die Schuld zu. Die junge Polizistin Ellie Burr (Hillary Swank), die viel für den berühmten Dormer übrig hat, wird mit dem Mord an Eckhart betraut und stößt schnell auf diverse Ungereimtheiten in der Aussage von Dormer und Indizien am Tatort. Dieser, von Visionen und Schlaflosigkeit geplagt, kommt dem gesuchten Täter auf die Spur und kann ihn identifizieren. Dabei handelt es sich um den Schriftsteller Walter Finch (Robin Williams), der allerdings Zeuge war wie Dormer seinen Kollegen erschossen hat und der nun Dormer erpresst.

Nach seinem innovativen wie vielschichtigen „Memento“ hat sich Regisseur Christopher Nolan nun für eine konventionellere Inszenierung und Erzählweise seines neuen Films entschlossen und bietet mit „Insomnia – Schlaflos“ prominent besetzte, aber eher dröge anmutende Thriller Unterhaltung. Im Vordergrund von „Insomnia“ soll das Psychoduell zwischen der Ikone Al Pacino („Heat“, „Der Pate“) und Robin Williams („One Hour Photo“, „Good Will Hunting“) stehen, dieses beginnt aber erst nach knapp einer Stunde, nachdem Robin Williams das erste (!) mal ins Geschehen eingreift und auf der Bildfläche auftaucht. Im Vorfeld dieser Begegnung erzählt Nolan von der Vergangenheit der beiden Cops aus L.A., dem tragischen Unfall und ersten Versuchen von Pacino, den von ihm verübten Mord jemand anderem in die Schuhe zu schieben und der unter akuter Schlaflosigkeit leidend durch die kühle und zu 24 Stunden am Tag helle Kleinstadt mitten in Alaska stolpert. Pacino agiert dabei souverän bis überzeugend und leicht übertrieben dargestellt wie man es vom Oscar-Gewinner erwartet und nicht anders gewohnt ist. Schlafsuchend wird er von Bildern seines Partners gequält, sein vergeblicher Kampf gegen die dauernde Helligkeit der Umgebung und die dauerhafte Verstrickung in Lügen und Schwindel fordern nicht nur ihren körperlichen Tribut. Sein Widersacher kommt erst spät und ich sage direkt einmal zu spät ins Bild. Auch Robin Williams kann in seiner Rolle überzeugen, doch fehlt es einfach an gemeinsamen Szenen mit Pacino. Die wenigen und vor allem späten Szenen können die lahme Erzählweise des Films nicht mehr wettmachen und das angekündigte Psychoduell ist im Grunde leider nicht mehr als ein laues Lüftchen. Zu den beiden Herren, die einen oder mehrere Goldjungen im heimischen Regal stehen haben, gesellt sich die ebenfalls mit einem Oscar ausgezeichnete Hillary Swank („Boys don´t cry“, „The Gift“), die es ihren männlichen Mitstreitern nachmacht und ebenfalls eine solide bis ansprechende Leistung abgibt, im direkten Vergleich aber neben Pacino häufig etwas blass wirkt. In unspektakulären Bildern erzählt Nolan in gemächlichem Erzählstil die Geschichte, langweilt aber damit häufig, denn die ein oder andere Wendung als auch straffere Erzählweise hätte dem Film wohl gut getan. So schleppt sich nicht nur Pacino schlafsuchend durch die Gegend, auch der Zuschauer muss sich den ein oder anderen Moment am Riemen reissen um die knappen zwei Stunden ohne wegzunicken zu überstehen. Ein nicht schlechter Film, dem für meinen Geschmack aber das gewisse Etwas fehlt und der aufgrund der ausserordentlichen Besetzung vor und hinter der Kamera doch ein wenig enttäuscht hat. Was aber weniger an den Leistungen der Darsteller liegt, sondern eher an der Inszenierung.


Autorwertung: 5.0 von 10 Punkten
Leserwertung: N/A von 10 Punkten

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