Buffalo SoldiersReview von Thomas, 25.06.03 Es fällt nicht gerade schwer, sich in den Gemütszustand eines in Deutschland stationierten US-Soldaten zur Zeit des Falles der Berliner Mauer hineinzuversetzen. Im Rücken die tief im Bewußtsein verankerte Schmach des desaströsen "Polizeieinsatzes" in Vietnam, vor Augen den Zerfall der Sowjetunion und das damit verbundene Ende des hitzig geführten "kalten Krieges". Was also bleibt der geschundenen amerikanischen Seele fernab der Heimat ohne Feindbilder und Perspektiven zu tun? Die bitterböse Militär-Groteske "Buffalo Soldiers", eine Verfilmung des großartigen Romanes gleichen Namens aus der Feder des amerikanischen Autoren Robert ´O Connor, zeigt sich bemüht, auf diese Frage eine unkonventionelle wie ungeschönte Antwort zu geben. Denn auf dem nahe Mannheim gelegenen Armeestützpunkt der 57. Bataillon im Jahre 1989 gilt Frieden lediglich als die legitimierte Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Das Leben auf der Basis kommt einem schieren Drahtseilakt gleich, beherrscht wird die Szenerie von offenem Rassismus, blühendem Drogenhandel, Gewalt und Hehlerei. Inmitten dieses lodernden Schmelztiegels steht der sonderbar aufrechte Kompanieschreiber Ray Elwood (Joaquin Phoenix), welcher sich im Gefolge des einfältigen Lagerkommandanten Berman (Ed Harris) ein sorgenfreies Leben gestaltet. Um sich fortwährende finanzielle Unabhängigkeit zu gewährleisten, dealt Elwood mit Heroin und betreibt nebenbei einen äusserst florierenden Markt für unrechtmäßig erworbene Waren aller Art. Doch plötzlich taucht ein neuer Spieß auf, der beinharte Vietnamveteran Sgt. Lee (Scott Glenn), welcher es sich auf die Fahne geschrieben zu haben scheint, Rays kriminelle Machenschaften zu durchkreuzen und den Willen des jungen Soldaten um jeden Preis zu brechen. Um seinen neu aufgetanen Wiedersacher noch mehr gegen sich aufzubringen, beginnt Elwood eine Beziehung mit dessen Tochter Robyn (Anna Paquin). Doch im ständig wechselnden Machtgefüge der Kriminellen Armyangehörigen und der schonungslosen Überlegenheit Lees läuft die Sache allmählich aus dem Ruder und gipfelt letztlich in eine Katastrophe...Mit britischen und deutschen Geldern finanziert, mit namhaften amerikanischen Darstellern besetzt, auf deutschem Boden gedreht und von einem australischen Regisseur inszeniert, erlebte "Buffalo Soldiers" seine Weltpremiere am 9. September des Jahres 2001 in Toronto. Doch sorgte die Tragödie des 11. September für das vorzeitige Verschwinden des Filmes aus dem amerikanischen Bewußtsein, der offen zur Schau gestellte Anti-Militarismus genügte schlicht dem beinahe hurrapatriotischen Gebahren in Medien, Politik und Bevölkerung dieser Zeitspanne nicht. Und so entwich "Buffalo Soldiers" in die Versenkung der amerikanischen Filmindustrie und erlebte zumindest im "alten Europa" seine Aufführung, obgleich hierzulande unter dem Titel "Army go home!". Auf dem diesjährigen "Sundance Festival" wurde erneut der Versuch unternommen, dem amerikanischen Publikum "Buffalo Soldiers" näher zu bringen, doch mündete auch dieses Unterfangen in den Eklat einer völlig verpatzten Pressekonferenz. Dem Film selbst wird dieser Rummel indes kaum gerecht, denn worüber Amerika sich pikiert zeigt entlockt hierzulande garantiert niemandem Worte des Unverständnisses. Wohltuend nah an der Vorlage inszeniert sperrt Regisseur Gregor Jordan ("Two Hands", "Ned Kelly") aus nachvollziehbar kommerziellen Gründen den konsequent bitteren und stetig bedrückenden Grundton des Buches aus, das nihilistische Finale der literarischen Quelle leider mit eingeschlossen. Somit halten sich die zahlreichen exzessiven Handlungsschnipsel in der Tradition von Irvine Welshs "Trainspotting" zwar in Grenzen, doch genügt der übernommene Torso der Geschichte noch immer für eine mitunter tragikomische Militärfarce nach bestem "Catch 22"-Gebahren. Dafür tragen allein die munter agierenden Darsteller Sorge, allen voran der charismatische Joaquin Phoenix ("Clay Pigeons", "Gladiator") und der fast beängstigend gute Ed Harris ("Im VOrhof der Hölle", "Pollock"). Eine ebenfalls gute Figur machen dabei auch Scott Glenn ("Night of the running man", "Absolute Power"), Oscarpreisträgerin Anna Paquin ("Das Piano", "X-Men"), Elizabeth McGovern ("Es war einmal in Amerika", "Die Flügel der Taube") und Dean Stockwell ("Die Mafiosi-Braut", "Air Force One"). Somit ist "Buffalo Soldiers" eine zu Unrecht kaum beachtete Mixtur aus galliger Komödie und ätzender Satire, welche obendrein einen der besten Independentfilme der letzten Jahre stellt. Ob sich die fällige Würdigung der hier aufgezeigten dekonstruktion stumpfer wie stupider Armeetraditionen in Übersee in einer Ära nach Kriegstribun George W. Bush noch einzustellen vermag, bleibt indes nicht nur abzuwarten, sondern auch anzuzweifeln. Autorwertung: 7.0 von 10 Punkten Leserwertung: N/A von 10 Punkten Only registered users may post a comment. There are currently no user submitted comments.
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Es fällt nicht gerade schwer, sich in den Gemütszustand eines in Deutschland stationierten US-Soldaten zur Zeit des Falles der Berliner Mauer hineinzuversetzen. Im Rücken die tief im Bewußtsein verankerte Schmach des desaströsen "Polizeieinsatzes" in Vietnam, vor Augen den Zerfall der Sowjetunion und das damit verbundene Ende des hitzig geführten "kalten Krieges". Was also bleibt der geschundenen amerikanischen Seele fernab der Heimat ohne Feindbilder und Perspektiven zu tun? Die bitterböse Militär-Groteske "Buffalo Soldiers", eine Verfilmung des großartigen Romanes gleichen Namens aus der Feder des amerikanischen Autoren Robert ´O Connor, zeigt sich bemüht, auf diese Frage eine unkonventionelle wie ungeschönte Antwort zu geben. Denn auf dem nahe Mannheim gelegenen Armeestützpunkt der 57. Bataillon im Jahre 1989 gilt Frieden lediglich als die legitimierte Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Das Leben auf der Basis kommt einem schieren Drahtseilakt gleich, beherrscht wird die Szenerie von offenem Rassismus, blühendem Drogenhandel, Gewalt und Hehlerei. Inmitten dieses lodernden Schmelztiegels steht der sonderbar aufrechte Kompanieschreiber Ray Elwood (Joaquin Phoenix), welcher sich im Gefolge des einfältigen Lagerkommandanten Berman (Ed Harris) ein sorgenfreies Leben gestaltet. Um sich fortwährende finanzielle Unabhängigkeit zu gewährleisten, dealt Elwood mit Heroin und betreibt nebenbei einen äusserst florierenden Markt für unrechtmäßig erworbene Waren aller Art. Doch plötzlich taucht ein neuer Spieß auf, der beinharte Vietnamveteran Sgt. Lee (Scott Glenn), welcher es sich auf die Fahne geschrieben zu haben scheint, Rays kriminelle Machenschaften zu durchkreuzen und den Willen des jungen Soldaten um jeden Preis zu brechen. Um seinen neu aufgetanen Wiedersacher noch mehr gegen sich aufzubringen, beginnt Elwood eine Beziehung mit dessen Tochter Robyn (Anna Paquin). Doch im ständig wechselnden Machtgefüge der Kriminellen Armyangehörigen und der schonungslosen Überlegenheit Lees läuft die Sache allmählich aus dem Ruder und gipfelt letztlich in eine Katastrophe...