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Atlantis

Review von Thomas, 25.06.03


CoverDie Konkurrenz des Trick-Imperiums "Disney" ist in den vergangenen Jahren in gehörigem Maße erstarkt, Erfolgsdruck und Anspannung in der Chefetage der "Maus" nicht erst durch vermehrte finanzielle Misserfolge und "Dreamworks" Meisterstück "SHREK" stark angestiegen. So muss sich "Disney" erstmals in der Geschichte seines Bestehens eingestehen, dass auch andere Leute gute Trickfilme machen können, wobei die ungeahnten Möglichkeiten des vielseitigen Einsatzes von Computern ihren übrigen Teil dazu beisteuern. Bereits in den Neunzigern hatte Don Bluth versucht am Denkmal von Micky & Co. zu kratzen, heimste aber im Endeffekt nicht mehr als manchen Achtungserfolg ein und stolperte letztendlich über das ambitionierte "TITAN A.E."-Projekt, welches die Trickfilmunterhaltung in eine andere Richtung lenken und obendrein Publikumsschwerpunkte bei älteren Zuschauern setzen sollte. Aufgrund der Tatsache, dass "Disney" selbst in der Zwischenzeit gezwungen scheint, Wege dieser Art einzuschlagen, können die ehemals sorglosen Tage, in denen es ausreichte jedes Jahr an Weihnachten einen Potentiellen, fast konkurrenzlosen Hit auf die Leinwand zu bannen, als gezählt betrachtet werden. Bestes Beispiel für diese Entwicklung bildet "ATLANTIS - DAS GEHEIMNIS DER VERLORENEN STADT", "Disneys" nunmehr 41. abendfüllender Spielfilm, bei dem die Pioniere des Trickfilms sichtlich bemüht schienen, Abstand vom traditionellen Konzept ihres Schaffens zu gewinnen. So wurde bei der Realisierung von "ATLANTIS" nicht nur auf die bewährten Songeinlagen verzichtet, sondern auch auf die putzigen Nebenfiguren, welche in der Vergangenheit immer wieder für den nötigen kindgerechten Klamauk sorgten. Sprechende Küchenuntensilien, Wasserspeier oder andere Mistviecher sucht man hier vergebens. Statt dessen setzen Gary Trousdale und Kirk Wise, die Regisseure des Films auf Realfilmdramaturgie und einen Abenteuerplot in der düsteren Tradition der "INDIANA JONES"-Spektakel.

In diesem ist der junge Wissenschaftler Milo, im Original mit der Stimme von Michael J. Fox versehen, davon überzeugt, dass die sagenumwobene Stadt Atlantis tatsächlich existiert. Mit Hilfe eines geheimnisvollen Buches hofft er den Weg in das versunkene Königreich bewältigen zu können und schliesst sich einer illustren Söldnertruppe an, die mit einem gewaltigen Unterseeboot die gefahrvolle Reise im Jahre 1914 antritt. Doch die waghalsige Expedition verläuft anders als geplant, so dass nach dem Angriff eines gigantischen metallischen Wächters weniger als die Hälfte der knapp 200-köpfigen Crew die Expedition fortführen kann. Doch schliesslich und endlich wird die Gruppe fündig, und zur Überraschung aller lebt Atlantis. Tief unter der Meeresoberfläche hat sich die Zivilisation und die Kultur der mächtigen Stadt erhalten. Doch Atlantis schwebt in grosser Gefahr und einzig der gutherzige Milo ist in der Lage das Geheimnis um die mystische Energiequelle, die die einstige Metropole und seine Bewohner am Leben hält zu lösen. Doch haben die Reisebegleiter Milos andere Pläne im Sinn, so dass der Bücherwurm einzig mit Hilfe der Königstochter Kida den drohenden Untergang von Atlantis zu verhindern versucht.

Ausnahmsweise kein unbeschwertes Filmvergnügen aus dem Hause "Disney"! "ATLANTIS" bietet vielmehr eine klassische Abenteuergeschichte mit Jules Verne-Flair. Mit viel Magie umgesetzt, begeistert der Film formal insbesondere durch die erwartungsgemässe tricktechnische Vollkommenheit, die von Beginn an mit grandiosen Bilder und atemberaubenden Effekten aufwartet. Der sonst für den Erfolg von "Disney" so immens wichtige Humorfaktor wurde auf ein Mindestmaß reduziert, bildet nur eine Facette im Abwechslungsreichen Spektrum von "ATLANTIS". Dem Film selbst schadet dieser recht ungewöhnliche Schritt in keinster Weise, versucht man hier doch eher Spannung und Atmosphäre zu kreieren. Darüber hinaus bieten die überaus schrulligen Charaktäre genug Raum für humoristische Einlagen, die allerdings niemals den Standards einstiger Werke gerecht werden. Notwendig wäre dies aber auch nicht gewesen, hätte der Wirkung des Films wahrscheinlich eher geschadet als genützt, erklärt aber andererseits auch das erneute finanzielle Zurückbleiben hinter den Erwartungen von "ATLANTIS". Hinzu gesellt sich noch die Tatsache, dass das aufwändig gestaltete Trickspektakel jüngere Zuschauer schlicht überfordern dürfte, da "ATLANTIS" im Schlussdrittel esotherische Züge im Stile von "FINAL FANTASY" beinhaltet und obendrein durch die für einen Film aus dem Hause "Disney" ungewöhnlich gewaltreiche Umsetzung kaum kindgerechte Unterhaltung wiederspiegelt. Selbstverständlich werden Szenen dieser Art in der Hauptsache nur angedeutet, aber der für einen "Disney"-Film extrem hohe Bodycount und bereitwillige Tötungsakte rechtfertigen die Freigabe ab 6 jeder Zeit. Alles in allem ein faszinierendes, wenngleich ziemlich ungewöhnliches Stück Trickfilmarbeit, welches die Altersstufe der Zielgruppe deutlich über den sonstigen "Disney"-Standard setzt.


Autorwertung: 7.0 von 10 Punkten
Leserwertung: N/A von 10 Punkten

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