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About a Boy

Review von Thomas, 25.06.03


Cover"No man is an island", trällerte einst US-Rocker Jon Bon Jovi. Auf den 36-jährigen Will, wohnhaft in London trifft dies allerdings nicht zu, denn Will ist Single, Star seiner ganz persönlichen "Will Show" und sehr wohl eine Insel, auf seine ganz spezielle Art und Weise. Will ist sein eigener Herr, sein eigenes Reich, "I´m fucking Ibiza" heisst es an einer Stelle, doch zu diesem Zeitpunkt ist jenes Standbild egozentrischer Weltanschauung längst in seinen Grundfesten erschüttert. Der britische Schauspielstar Hugh Grant verkörpert Will in "About a boy", der kongenialen Verfilmung des gleichnamigen Romans aus der Feder von Kult-Autor Nick Hornby und offenbart sich dem Zuschauer als Mann, der sich partout weigert erwachsen zu werden, geschweige denn Verantwortung zu tragen. Eine Rolle, die dem heute 41-jährigen wie auf den Leib geschrieben zu sein scheint, denn Grant überzeugt seinem Image des Softies zum Trotz in jedweder Hinsicht und vollführt jene erstaunliche wie notwendige schauspielerische Kehrtwendung, die bereits mit der Rolle des machohaften Daniel Cleaver in der Verfilmung von Helen Fieldings Kult-Roman "Bridget Jones´s Diary" ihren Anfang genommen hatte. Abseits der Schublade des liebenswerten Trottels, der Bürde die Grant seit Jahren wacker durch leicht verdauliche Komödienkost wie "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", "Nine month", "Mickey blue eyes" oder "Notting Hill" trägt, mimt der smarte Brite obendrein äusserst glaubwürdig den nur auf sich selbst fokusierten Arroganzbolzen. Doch ist Will nicht das einzige Kind in "About a Boy", der Reifeprüfung der "American Pie"-Macher Chris und Paul Weitz, da ist noch der 12-jährige Marcus (Nicholas Hoult), in der Schule von allen gehänselt, im Leben von niemandem beachtet. Der vaterlose Junge, durch sein schmuddeliges Hippie-Outfit zum lachhaften Abbild der depressiven Mutter (Toni Collette) verkommen scheint genau die Abart von Mitmensch zu sein, die man allein aufgrund ihrer mangelnden physischen Präsenz mit Freude in Grund und Boden stampfen würde. Über Umwege kreuzen sich die Pfade der beiden Lebenskünstler, denn Will entwickelt eine sportliche Vorliebe für alleinstehende Mütter, erfindet kurzerhand einen zweijährigen Sohn und nimmt fortan an den Treffen einer überwiegend von sitzengelassenen Frauen bevölkerten Selbsthilfegruppe zu diesem Thema teil. Bei einem gemeinsamen Ausflug der Gebrochene-Herzen-Fraktion ist auch Marcus zugegen, doch endet das erste Aufeinandertreffen der beiden grundverschiedenen Eigenbrötler damit, dass Will, Marcus und Susie, enge Freundin von Marcus Mutter Fiona, eben jene mit den Überresten einer Überdosis Schlaftabletten bekotzt auf der heimischen Couch vorfinden. Im Laufe der Geschichte kommen sich Will und Marcus näher, eher aus Kalkül des Jungen denn aus Einflussnahme des ausgewachsenen Faulenzers. Denn Will tut nichts, rein gar nichts, streicht Tantiemen ein für ein bekanntes Weihnachtslied, welches sein Vater einst verfasste und lebt sorglos in jeden neuen Tag seines Snobismus hinein. Doch plötzlich sticht Will nie dagewesenes Verantwortungsbewusstsein. Er nimmt Marcus unter seine Fittiche, nichts ahnend das dieser Anflug zwischenmenschlicher Fürsorge sein ganzes Leben auf den Kopf stellt und den Einzelgänger endlich dazu veranlasst, der harten Realität des Erwachsenwerdens und der charakterlichen Weiterentwicklung ins Auge zu blicken.

Gottlob gänzlich frei von Kitsch inszeniert zieht sich unterschwellige Melancholie wie ein roter Faden durch "About a boy". Denn es ist nun wahrlich nichts komisches an der Tatsache zu finden, mit Mitte dreissig in seinem Leben rein gar nichts erreicht oder bewegt zu haben. Aber sowohl die beiden Regisseure, als auch ihr herausragender Hauptdarsteller meistern diese Gradwanderung zwischen Gefühl und Humor mit Bravour und lassen sich den Zuschauer darüber hinaus immer wieder in den Handlungsräumen der exzellenten Darsteller wiederfinden, nicht zuletzt weil Will und Marcus den Betrachter durch fortwährende Offsetkommentare an ihrem Gefühlsleben teilhaben lassen. Doch die beiden Ich-Erzähler stehen dem Voranschreiten der Geschichte nie im Wege, und auch wenn dieses ungewöhnliche Stilmittel mancheinem Kinogänger etwas überfrachtet vorkommen mag, so spiegelt es dennoch den Geist der Vorlage vortrefflich wieder. Diese wurde denn auch bis auf einige kleine Eingriffe erfrischend getreu für die Leinwand adaptiert. Wohlwollend aufgenommen wurde in diesem Zusammenhang vor allem der Verzicht auf das unentschlossen und unausgereift anmutende Ende der Vorlage, welches in der filmischen Version des Stoffes nun einem Finale gewichen ist, dass Hauptaugenmerk auf die charakterlichen Wandlungen der Figuren legt. Die vortreffliche Besetzung indes steuert den wohl grössten Teil zum Gelingen und Wirken von "About a Boy" bei, allen voran natürlich der unübertreffliche Hugh Grant. Aber auch Nicholas Hoult ("Intimate Relations"), Toni Collette ("Muriels Hochzeit", "The Sixth Sense", "Shaft") und Rachel Weisz ("Emma", "Die Mumie", "Enemy at the Gates") verleiten zeitweise zu manch schwärmerischem Begeisterungssturm. Die Gebrüder Weitz haben den Spagat zwischen emotionaler Hintergründigkeit und Humor gekonnt gemeistert und obendrein Abschied genommen von flachen Teenagerzoten. Das sie dabei auch noch Hugh Grant vor einer endgültigen Karrierestagnierung bewahrt haben bleibt ihnen hoch anzurechnen. Doch trotz alledem steht "About a Boy" für grosses Unterhaltungskino, welchem man sich nur schwerlich entziehen kann. Wer allerdings nach dem Besuch des Films noch immer nicht genug hat, dem sei an dieser Stelle wärmstens die Romanvorlage empfohlen. Denn dort gibt es noch einiges mehr zu entdecken.


Autorwertung: 8.0 von 10 Punkten
Leserwertung: N/A von 10 Punkten

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