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The Bottrops (Interview Mai 2007)



TERROGRUPPE war früher, willkommen bei THE BOTTROPS. Das die TERRORGRUPPE für viele Jahre maßgeblicher Bestandteil der deutschen Punkrock-Szene war, ist unbestritten. Gleichzeitig polarisierte die Band wie vielleicht keine andere zu ihrer Zeit. Auftritte bei Arabella gehörten dazu, genauso alles ein wenig lockerer zu nehmen. Die TERRORGRUPPE gibt es nun nicht mehr, dafür aber THE BOTTROPS, entstanden aus den verbliebenen Aggro-Poppern Johnny Bottrop, Slash Vicious und Steve Maschine. Ersterer stand für vierzig Minuten zur freien Verfügung, ein Gespräch in dem es um viele Themen ging, natürlich auch um die TERRORGRUPPE. „Ich habe natürlich überhaupt keine Probleme damit, wenn man mich auf die TERRORGRUPPE anspricht, dass ist völlig O.K. Warum sollte ich die Vergangenheit verleugnen? Wir haben 13 oder 14 Jahre als Band existiert und polarisiert. Wir konnten unsere Klappe nie halten, waren frech und hatten immer ne große Schnauze. Nicht umsonst hatten wir ja mehrfach Post vom Anwalt im Haus. Jetzt gibt es aber THE BOTTROPS und das ist gut so. Wir spielen aber auf den Konzerten auch so zwei oder drei Stücke von der TERRORGRUPPE. Die Texte jetzt sind mehr geradeaus und konkret. Nicht mehr so ironisch und sarkastisch wie früher. Nicht mehr „Titanic“ auf Punklevel.“

Das Debütalbum wird ältere Fans der Vorgängerband vielleicht etwas überraschen, denn bestachen TERRORGRUPPE-Songs vor allem durch ihre musikalische Leichtigkeit und witzige Texte, bei denen kein Blatt vor den Mund genommen wurde, so sind THE BOTTROPS ernster und wirken vor allem musikalisch um Längen reifer. „Das war damals einfach eine andere Zeit, so 1992-1993 preschten wir rein in eine selbstverliebte HC-Szene, wo entweder Straight Edge oder vertrackte Jazzimprovisationen die Diskussion bestimmte. Dann gab es noch die Parolendrescher-Punkbands, die wir auch nicht so mochten. Wir wollten dem einfach was Entgegensetzen, wir wollten böse Späße machen, mit sarkastischen Texten und einer großen Portion Selbstironie. Wir hätten nie gedacht das das was werden konnte, aber genau dadurch kam dann wohl der Erfolg, denn wir waren nun mal einfach anders.

Heute ist das wieder was ganz anderes, denn irgendwann in den 90-ern kam ja die Entwicklung zur sogenannten Spaßkultur mit Leuten wie Stefan Raab und solchem Schrott. Jeder macht jetzt plötzlich irgendwie böse Späße, jeder ist sarkastisch oder ironisch. Das passt für uns heute einfach nicht mehr. Wir wollen jetzt geradeaus gehen, Texte formulieren die was echtes aussagen, aus dem wirklichen Leben. Guck dir die anderen Szene-Leute mal an von heute, die ganzen Emos und Indie-Rocker, die nur auf ihre Füße gucken, die ganzen Heulsusen, die sind super jung und könnten alles erreichen und stattdessen reflektieren die nur ihre kleinen Mikro-Problemchen. Das wollten wir auch nicht. Wir wollten zurück zu unseren Wurzeln, auch möglichst fern jeglicher Mode und Style-Symbolik. Nimm doch mal die ganzen Flammenhemden, Eiserne Kreuze um den Hals hängen oder Klamotten, auf denen immer nur Würfel, Flammen oder Black Jack Logos wiederholt werden. Oder noch blöder: Maschinengewehre und Handgranaten. Keiner von denen, die heute völlig inflationär so ne Designs verwenden, hat ein Maschinengewehr zu Hause, das ist hoffnungsloses Gepose. Damals so 1979 bis 1981, da haben auch viele Bands solche Symbole benutzt, Transparente und Fahnen auf die Bühne gehangen, meist aus der Hausbesetzer-Bewegung, Kreuzberg, Gropiusstadt, KZ36, der erste selbstverwaltete Laden hier in Berlin. Aber der Unterschied halt, dass diese Leute wirklich militant für ihre Häuser und Läden eingetreten sind, auf der Straße gekämpft haben. Heute wirkt so vieles nur noch wie Kindergarten oder bloße Mode-Accessoire und Styling Frage. Noch mal zurück zur Spass-Frage: Wir wollen auch nicht auf dieses Level hin, wo keiner mehr richtige Statements macht, wo kein Text ein echtes Thema aufgreift, wo alles nur noch ironisch oder lustig ist. und keine eigenen Inhalte hat. Wir wollten zurück zu unseren Wurzeln. Punkrock im klassischen Sinne, auch bei den Texten.“

Das alles hat weniger mit Verbitterung zu tun als es den Anschein macht, im Gespräch kamen die mehr als ausführlichen Bekundungen zur aktuellen „Szene“ mehr als amüsant rüber. Es wäre auch schade gewesen, wenn der Witz der TERRORGRUPPE nicht auch noch in gewisser Hinsicht bei THE BOTTROPS zu finden wäre. Man muss nur den Newsletter abonnieren, um mal wieder für einige Minuten herzlich lachen zu können „Ja klar, Fun gehört für uns natürlich weiterhin dazu. Wir wollen uns vier Personen jetzt auch nicht zu ernst nehmen. Und wenn unser Drummer Cris Crise ne Lungenentzündung hat und wir deshalb ein Konzert absagen müssen, schreiben wir halt er sei ne faule Hypochonder-Sau. Das gehört einfach dazu“. Doch nicht nur ausgefallene Konzerte werden in amüsanter Art und Weise schriftlich übermittelt, auch das ein oder andere Verfahren wegen Körperverletzung wird im Rhythmus weniger Tage verarbeitet. Der nach Selbsterkenntnis „wie ein punkender Versicherungsvertreter im 77-er Stil" aussehende Johnny Bottrop hat viel zu sagen, vor allem auch zum neuen Album.

Das Debütalbum ist gelungen, braucht an manchen Stellen vielleicht ein paar Durchläufe mehr, weiß an anderer Stelle seine Klasse aber auch sofort auszuspielen. Der Witz ist subtiler, Themenvielfalt überwiegt. Hits hat die Band zwangsläufig mit im Gepäck, wie das funktioniert weiß man nach vielen Jahren. Dennoch sind diese nicht so offensichtlich, wie zu früheren Zeiten. „Reduziert“ jedoch bleibt sofort hängen, ebenfalls „Nicht wie im Fernsehen“. Zurück zu den Wurzeln, dies wird vor allem bei „Kleingarten BRD“ deutlich. „MALE, KFC, HANSAPLAST, FEHLFARBEN oder ABWÄRTS haben uns mitgeprägt, so wollten wir auch ein bisschen auf dem Album klingen. Jeder Song hat seine eigene kleine Geschichte, „Anders“ zum Beispiel handelt davon auf der falschen Party zu sein. Bei „Und Sie sagte…“ geht es einfach nur um den Kapitalismus als solchen, während „Hochhausgirl“ von der Baupolitik der 60er/70-er handelt. Und der erste Song „4 Akkorde“ handelt einfach von der Musik, mit allem was dazu gehört“.

Wie es auch laufen wird, ihren Stellenwert haben THE BOTTROPS schon jetzt. Vielleicht weniger krawallig und polarisierend als früher, dafür nun geradliniger. Und vielleicht braucht man heutzutage wirklich mal eine Band, die sich auf wesentliche Dinge beschränkt und keinen Trend als Lebensinhalt umfunktioniert.

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