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Ein Sommer in New York - The Visitor

Review von Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst , 01.12.10


Cover In „Ein Sommer in New York - The Visitor“ erzählt Autor und Regisseur Tom McCarthy eine berührende Geschichte über das Fremdsein. Die beginnt mit Universitäts-Professor Walter Vale (Oscar-nominiert: Richard Jenkins, „Burn After Reading“), der sich und seiner Umwelt seit dem Tode der Frau zunehmend fremd geworden ist. Die Lebenslust hat er verloren und die Verbindung zur verschiedenen Gattin, die das Klavierspielen liebte, versucht er selbst am Flügel aufrecht zu erhalten. Mit mäßigem Erfolg. Eine Wendung erfährt Walters Leben, als er für einen Vortrag nach New York reist und in seiner Zweitwohnung auf ein fremdes Paar trifft.

Wie sich herausstellt wurde die Wohnung ohne sein Wissen vermietet. Nach anfänglichem Zögern lässt Walter den Syrer Tarek (Haaz Sleiman) und dessen senegalesische Freundin Zainab (Danai Gurira) aber weiterhin bei sich wohnen. Die beiden halten sich illegal in den USA auf. Tarek verdingt sich als Musiker, Zainab verkauft auf Straßenmärkten selbst gefertigten Schmuck. Es entspinnt sich eine zaghafte Freundschaft, die Walter ein Stück weit auftauen lässt. Von Tarek erhält er Unterricht im Trommelspiel, bis dieser in der U-Bahn von Polizisten aufgegriffen und in Abschiebehaft gesteckt wird.

Die Produktion von McCarthys Drama geht auf die präsidiale Amtszeit George W. Bushs zurück. Deutlich bezieht der Filmemacher Stellung gegen ein System rücksichtsloser Abschiebung, das illegal eingereiste Fremde entrechtet und sie bis zur Ausweisung wie Verbrecher einsperrt. Aus diesem Szenario spricht deutlicher Zorn über die aus Regierungskreisen geschürten Vorurteile gegen die arabische Welt in der von Paranoia geprägten Ära nach 9/11. Durch Walter wendet sich McCarthy gegen die Illegalität des Menschen. Der amerikanische Gelehrte setzt sich für Tarek ein und besorgt ihm einen Anwalt. Ohne Erfolg.

Neben diesem Kapitel widmet sich „The Visitor“ der Wiedergeburt Walters. Der steif wirkende Dozent fasst im musizierenden Kreise afrikanischer Migranten neuen Mut und trommelt sich buchstäblich den Frust von der Seele. Als nach Tareks Festnahme seine Mutter Mouna (Hiam Abbass) vor Walters Tür steht, wagt er sich auch emotional aus der selbst auferlegten Isolation heraus. Die ruhige Erzählung gewährt den Figuren den notwendigen Raum zur Entfaltung, ohne in die Klischees standardisiert gutmenschlicher Tränendrücker abzudriften. Das sensible Stück Arthousekino bleibt nah am Leben und zeigt mit bedrückender Klarheit die Hilflosigkeit gegenüber rigiden staatlichen Durchsetzungsmechanismen. Da bleibt auch Walter am Ende nur das lautstark protestierende Trommeln an der U-Bahn-Station.


Autorwertung: 8.0 von 10 Punkten

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