In 3 Tagen bist du tot 2 (A 2008)

in3tagenbistdutot2Wie können die Überlebenden von Slasherfilmen die ihnen widerfahrenen Grausamkeiten verarbeiten? Dem Gesetz des Kinos entsprechend idealerweise mit einer Fortsetzung. Allerdings winkt lediglich flach figurierten Protagonisten die Chance auf Erlösung. Schließlich sollen sie, wenn schon keine Vor-, so doch zumindest Abbilder sein, mit denen sich das Publikum identifizieren kann. Tough müssen sie sein und die Schwere der seelischen Last schultern, ohne von ihr erdrückt zu werden. Bloß gut, dass dies filmisch konstruierte Ideal zumindest zeitweise unterlaufen wird. Nur die simple numerische Reihung des Titels wirkt bei „In 3 Tagen bist du tot 2“ überflüssiger denn je.

Zwangsläufig suggeriert wird die neuerliche Aufbereitung des Altbekannten, die Rückkehr des totgeglaubten Killers und die Vertagung des Showdowns mit der Hauptfigur. Dass Regisseur und Co-Autor Andreas Prochaska („Der Elefant – Mord verjährt nie“) anderes im Sinn hat, wird dem Zuschauer gleich zu Beginn vorgeführt, wenn Fischern die verquollene Leiche der Mörderin Erika Haas ins Netz geht. Nina (Sabrina Reiter, „Braunschlag“), Überlebende der Mordserie, lebt mittlerweile in Wien. Als sie vom grausigen Fund in Ebensee erfährt, scheint die Vergangenheit besiegelt. Aber die Schatten des Durchlebten holen die junge Frau ein, als sie eines Nachts der telefonische Hilferuf von Leidensgenossin Mona (Julia Rosa Stöckl, „Das jüngste Gericht“) ereilt.

Unverzüglich bricht Nina, von Visionen der geschundenen Freundin geplagt, nach Ebensee auf und folgt der Spur von Monas verzogenem Vater ins verschneite Tirol, direkt auf den abgelegenen Kogler-Hof. Dort lebt die alternde Patriarchin Gerti (Barbara Weber, „Verkaufte Heimat“) mit ihren drei Söhnen. Von ihnen erhofft sich Nina Hinweise. Doch was sie findet, ist lediglich die Fortsetzung ihres ganz persönlichen Alptraums. Dabei hat die Geschichte mit dem konventionellen Slasher des Erstlings wenig gemein. Vielmehr ergeht sich vor allem das erste Drittel, das die Begrifflichkeit der schleichenden Spannungserzeugung ein bisschen zu wörtlich nimmt, in düsteren Vorahnungen und Motiven klassischer Krimis.

Kleine Längen sind nicht von der Hand zu weisen, doch versteht es Kameramann David Slama („Herr der Diebe“) erneut atemlose Direktheit mit der trügerischen Anmut der eindrucksvollen Naturkulisse zu verknüpfen. Dass es entsprechend dauert, bis sich die Gefahr für Nina manifestiert, egalisiert Prochaska über die zunehmend beklemmende Stimmung und das wiederum zurückhaltende Spiel der guten Darsteller. Die abermals überzeugende Sabrina Reiter erhält unverhofften Beistand von Alpen-Inspektor Kogler (Andreas Kiendl, „Die Vaterlosen“), der schon im Erstling die markanteste Nebenfigur blieb und Nina auf Drängen der besorgten Mutter ins frostige Tirol folgt.

Auch ihn erwartet der blanke (Backwood-)Horror, wenn die isolierte Sippschaft ihr wahres Gesicht entblößt. Zum Ende hin zieht Prochaska Tempo und Spannungsschraube gehörig an und entlädt das aufgestaute Unbehagen in einem blutig brutalen Todeskampf, bei dem sexueller Missbrauch mit einer abgebissenen Penisspitze beantwortet wird. Psychischer Terror mündet in physische Gewalt, deren Auswirkungen das Maß des Originals weit übertrifft. Vor allem die Überlebenden dürften Traumata davontragen, die auch mit einer weiteren Fortsetzung nicht aufgearbeitet werden können. Zwar wirkt der finale Kniff um Monas Verbleib etwas kalkuliert, verfehlt in der nachhaltig tragischen Tonalität aber nicht seine Wirkung. Ein insgesamt willkommen eigenständiger Horror-Nachschlag.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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