Hundredth – Rare (2017, Hopeless Records)

And now for something completely different…

Bands verändern sich, manche schrittweise, manche radikal. Ein aktuelles Beispiel für die zweitgenannte Kategorie sind HUNDREDTH. Nach drei Langspielern hatten die Jungs aus South Carolina keine Lust mehr auf Hardcore. Ihre musikalische Entwicklung schien zu stagnieren, der kreative Vorwärtsdrang auf die Wiederholung der ewig gleichen Elemente beschränkt. Also wagten sie den Neuanfang. Tabula rasa. Das Resultat dieser Veränderung ist „Rare“. Statt geschriener Vocals setzt es darauf entrückt beiläufigen, streckenweise ein wenig kraftlos wirkenden Gesang in Shoegaze-Manier. Die Instrumente servieren dazu einen Mix aus Prog-Pop und Alternative-Rock. Oder New Wave und Post-Punk.

Unterschwellig, bei Gitarre(n) und Schlagzeug, blitzen ihre Wurzeln auf. Wer Hardcore erwartet, wird jedoch bitter enttäuscht. Man muss sich mit „Rare“ beschäftigen, die Songs wirken lassen – für sich und im Kontext des Gesamtwerks. Das fällt mal leicht, wie bei „Suffer“ und „Grey“, verliert sich bisweilen aber auch in einer dezent verschachtelten Monotonie. Dahingehend vollzog sich die vergleichbar umfassende Metamorphose von Bands wie CRIME IN STEREO vielseitiger. Trotzdem gelingt das Experiment. Mit verspielter Melancholie erschließen HUNDREDTH neue Ufer, spielen mit psychedelischen Nuancen, bringen partiell die Synthie-Orgel ein (das finale „Departures“ könnte glatt dem Soundtrack von „Drive“ entstammen). Begeistern muss die Platte mitnichten. Die Konsequenz, mit der sich ihre Urheber neu erfinden, verlangt dennoch Respekt.

Wertung: 6.5 Stars (6,5 / 10)

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