Hoch/Tief – Detroit → Stuttgart (2017, Arctic Rodeo Recordings)

Wer bei HOCH/TIEF allein an Baustellenbetrieb denkt, verpasst etwas. Indie-Rock zum Beispiel, der in seiner klanglichen Vielfalt an eine Mischung aus alter Vagrant-Schule und Grand Hotel Van Cleef erinnert. Dass die drei Schwaben seit vielen Jahren gemeinsam Musik machen, ist ihrer zweiten Platte „Detroit → Stuttgart“ unschwer anzuhören. Dazwischen standen jedoch andere Bands und Projekte. Geblieben ist die Lust, auf einen Sound, der heute fast ein wenig retrospektiv anmutet.

Damals war „Emo“ noch kein Schimpfwort und der Rock eroberte über Alternative und Grunge seine Schmutzkruste zurück. Inspirationsgrundlage der acht Songs bilden Reisen in die USA. Relevante Stationen dieser Visiten und daran geknüpfte Erlebnisse fanden offenkundig Verwendung in den Texten. Titel wie „Detroit“, „Chicago“, „San Francisco“ oder „L.A.“ stecken dabei eine Route ab, die von variationsreichen Melodien untermalt wird – und der zunächst etwas gewöhnungsbedürftigen, bisweilen leicht quakigen Stimme von Stephan Trinkl. Der singt weitgehend auf Deutsch, flechtet aber auch stimmige englische Gesangschnipsel ein.

Auf der von Derek von Krogh (Nena, THE BOSSHOSS) produzierten Scheibe schwingt Fernweh und auch ein bisschen Sehnsucht mit. Doch geht es HOCH/TIEF nicht um Verklärung, jeder Lichtblick birgt auch seine Schattenseite. So wie in „Hurricane“, das den gelungenen Schulterschluss zwischen Indie und kernigem (Alternative-)Rock offenbart. „Detroit → Stuttgart“ ist ein angenehm bodenständiges Werk, das vielleicht nicht zu Begeisterungsstürmen verleitet, aber durchweg gut ins Ohr dringt und die Leidenschaft seiner Urheber jederzeit erfahrbar macht.

Wertung: 7.0 Stars (7,0 / 10)

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