Head Hunter (USA/D 1993)

Wenn die Originaltitel von US-Filmwerken für das teutonische Publikum zu kompliziert erscheinen, greifen hiesige Verleiher gern auf simplifizierte Alternativnamen zurück. Im Falle von „Bounty Tracker“ führte das in den frühen Neunzigern zu „Head Hunter“. Die Bedeutung, ein Hinweis auf den Berufsstand des Kopfgeldjägers, ist dabei dieselbe. Ob der übergeordneten Verständlichkeit mit dem Griff in die Synonymkiste jedoch Genüge getan wurde, bleibt zumindest diskutabel. Keine zwei Meinungen kann es hingegen zum Titelvorspann geben, der mit weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund nicht nur akut langweilig daherkommt, sondern durch stroboskopartig verzerrte Einblendungen überdies Augenkrebs fördert.

Glücklicherweise erlaubt dieser einleitende Ausfall keinen Rückschluss auf die Tauglichkeit des Gesamtstreifens. Denn der wurde von Kurt Anderson („Martial Law II“), gemessen an den B-Standards des ausklingenden letzten Jahrtausends, ansprechend flott in Szene gesetzt. In der Hauptrolle tummelt sich mit Lorenzo Lamas („The Swordsman“) ein bewährtes Videotheken-Sternchen, das zumindest anno dazumal sein Publikum vor die Flimmerkiste zu locken verstand. Heute haut die sparsam budgetierte Action-Peitsche zwar niemanden mehr vom Hocker, dank Kurzweil, ansehnlichem Routine-Rabatz und munteren Hauptantagonisten macht die simple Rache-Geschichte aber ausreichend Laune. Dass die Plotte kalter Kaffee aus der Gründerzeit des Genres ist, steht dem moderaten Vergnügen dabei keineswegs hinderlich entgegen.

Lamas ist Kopfgeldjäger Jonathan Damone. Für die Geschichte hat das keine Relevanz, fördert aber eine amüsant übertriebene Einleitung, bei der sich der gewitzte Recke mit Nerd-Verkleidung und aufgesetztem britischem Akzent in eine von Schwarzen frequentierte Bar begibt, um einen gesuchten Gangster zur Strecke zu bringen. Die eigentliche Story kommt in Fahrt, als Ex-Soldat und Miet-Mörder Erik Gauss (Matthias Hues, „Karate Tiger 2“) samt Gefolge (u. a. Kampfamazone Cindy Pass, „Scanner Cop“) unliebsame Zeugen aus dem Weg räumt, die einem inhaftierten Verbrecher den anstehenden Prozess verhageln könnten. Einer davon ist Jonathans Bruder, den Gauss mit Kugeln spickt und den schlagkräftigen Hinterbliebenen dazu nötigt, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen.

Durch die Tätowierung eines Komplizen fällt die Identifizierung des Unholds nicht weiter schwer. Bis zum Showdown wollen trotzdem noch die Knochen diverser anderer Randgestalten verbogen werden. Die Choreographien der sporadischen Martial-Arts-Einlagen bedienen einen ansprechenden Standard und bei den Shootouts werden diverse Blutbeutel zum Platzen gebracht. Übertrieben brutal geht es dabei zu keiner Zeit zu, was die deutschen Sittenwächter aber nicht davon abhielt, beträchtliche Kürzungen einzufordern. Im Abseits der Actionszenen darf Jonathan noch den Samariter für ein paar Straßen-Kids geben und Gauss mit deren Hilfe nachstellen. Gebraucht hätte es diesen Nebenschauplatz sicher nicht, bedeutend schlechteres Genre-Naschwerk als „Head Hunter“ gab es in den fetzigen Neunzigern aber zweifelsfrei zu bestaunen. Ganz zu schweigen von der Vita des Lorenzo Lamas.

Wertung: 5.0 Stars (5,0 / 10)

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