Harry Potter und der Feuerkelch (USA/GB 2005)

harry-potter-und-der-feuerkelchEinen Roman zu verfilmen, vor allem einen so populären wie den vierten Band der rekordbrechenden Reihe von Joanne K. Rowling, ist sicherlich immer eine Herausforderung für einen Regisseur. Einerseits muss die eigene Interpretation durchgesetzt werden, andererseits dürfen die Erwartungen der enthusiastischen Fans nicht allzu sehr enttäuscht werden. In der Reihe der „Harry Potter“-Filme ist dies bislang äußerst unterschiedlich gelungen. Standen am Anfang die beinahe sklavischen Adaptionen eines Chris Columbus, wies der dritte Teil unter der Regie von Alfonso Cuarón schon in eine deutlich eigensinnigere Richtung. Das machte „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ einerseits zum finanziell bislang am wenigsten erfolgreichen Film der Reihe, zum anderen aber auch zum filmisch und künstlerisch besten. Jetzt kommt mit „Harry Potter und der Feuerkelch“ die neueste Verfilmung eines „Harry Potter“-Buchs in die Kinos.

Die Welt der Zauberer ist in heller Aufregung. An der Zauberschule Hogwarts soll nach Jahrhunderten wieder einmal das Trimagische Turnier stattfinden, ein Wettstreit von drei Zauberern der Schulen Hogwarts, Dumstrang und Beuxbatons, bei dem es die Teilnehmer mit lebensgefährlichen Aufgaben zu tun bekommen. Um Tode von Schülern möglichst zu vermeiden, dürfen keine Zauberer unter 17 Jahren teilnehmen. Umso größer ist die Überraschung, als neben den Auserwählten der drei Schulen auch Harry Potter (Daniel Radcliffe, „Der Schneider von Panama“) vom magischen Feuerkelch ausgewählt wird. Dadurch bekommt es der 14jährige nicht nur mit Drachen und anderem Getüm zu tun, sondern auch sein bester Freund Ron (Rupert Grint, „Thunderpants“) neidet ihm die Teilnahme. Doch ganz allein ist Harry dann doch nicht. Sowohl seine beste Freundin Hermine (Emma Watson) und der neue Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste Moody (Brendan Gleeson, „Braveheart“) stehen dem jungen Zauberer mit Rat und Tat zur Seite…

Den deutlichen Trend in Richtung düster setzt „Harry Potter und der Feuerkelch“ konsequent fort. Noch härter als sein Vorgänger präsentiert sich der vierte Teil der Reihe um den Zauberlehrling aus England. Schlangen, Drachen, Skelette und Tote – spätestens jetzt hat sich die Serie von den Kinderfilmen verabschiedet. Um die sechs bis zwölfjährigen dennoch nicht ganz aus den Kinosälen zu verbannen, gönnt sich der Film etwa zur Mitte hin eine etwas längere Episode der Entspannung. Der Humor kommt im Film zwar nicht zu kurz, dominiert wird er aber durch die dunklen Elemente. 636 Seiten galt es für Regisseur Mike Newell („Donnie Brasco“) auf 157 Minuten herunterzubrechen. Insgesamt meistert er diese Aufgabe sehr gut, nur die ersten 10 Minuten wirken sehr gehetzt. Lockere 150 Seiten werden in diese kurze Zeitspanne hereingezwängt. In dieser Sequenz können sich kaum Charaktere entwickeln oder Handlungsstränge entfalten. Der Anfang des Films ist gehörig misslungen.

Gottseidank bleiben dann ja noch 147 Minuten übrig – und die präsentieren sich äußerst gelungen. Die pubertierende Hogwarts-Jugend um Daniel Radcliffe präsentiert sich als eingespieltes Team, das die Geschichte des Harry Potter gut gelaunt weiter erzählt. Dabei stellt sich stellenweise ein Sarkasmus ein, der in seiner Intensität besonders in den ersten beiden Teilen der Serie nicht möglich gewesen wäre. Dieser Part lebt vor allem auch von seinen Nebendarstellern. Brendan Gleeson spielt äußerst intensiv, aber seiner Rolle sehr passend den paranoiden Lehrer und Jäger schwarzer Magier Auch der Schulleiter Dumbledore, zum zweiten mal von Michael Gambon („Open Range“) verkörpert, gibt einmal mehr nicht den weise lächelnden und herzensgütigen älteren Herrn, den Vorgänger Richard Harris noch spielte, sondern einen durchaus hibbeligen und impulsiven Oberlehrer.

Die eindeutig beste darstellerische Leistung des Films wird allerdings von einem anderen geliefert. Ralph Fiennes („Der Englische Patient“) spielt in diesem Film erstmals Lord Voldemort, den durch und durch bösen Erzfeind von Harry Potter und allem was sonst noch gut und schön ist in dieser Welt. Sein Auftritt mag kurz sein – an Intensität ist er nicht zu übertreffen. Wenn es mit dünner Stimme und schlangenhaftem Gesicht seinen Monolog hält, kann es einem schon kalt den Rücken runter laufen. Newell orientiert sich deutlich mehr an Cuarón als an Columbus – und daran tut er gut. Im Interesse der filmischen Umsetzung stellt er Handlungsverläufe um und ließ andere völlig unter den Tisch fallen. So verzichtet er sowohl auf Harrys Menschenfamilie, die Dursleys, als auch auf die unsäglichen Hauselfen, die Jar Jar Binks von Hogwarts.

Und auch einige Figuren spart Newell komplett aus. Puristen mögen sich an der Abwesenheit von Ludo Bagman und ähnlichen stören, dem Film tut es nur gut. Denn was passiert, wenn der Regisseur alles mögliche auf zu wenig Raum zwängen will, sieht man in den ersten zehn Minuten des Films. Von diesen mal abgesehen ist Mike Newell mit „Harry Potter und der Feuerkelch“ einer der besten Filme der Reihe gelungen. Gerade zum Ende hin wird er deutlich besser, als man es nach dem Anfag erwarten konnte. Sobald die Schüler in Hogwarts angekommen sind, findet der Film seine Linie – zwischen eigentlich zu düster auch für sechsjährige in Begleitung und etwas jungendgerechteren Humoreinlagen. Am Ende verlässt man das Kino potentiell gut gelaunt und ärgert sich, dass es noch zwei Jahre sind, bis der nächste Film der Reihe die Leinwände dieser Welt erstürmt. Aber wenigstens haben wir ja noch die Bücher.

Wertung: 8.0 Stars (8,0 / 10)

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