Hardcore (RUS/USA 2015)

„All you got to do, is break in there, kill him, open up his ribcage, take out his beating heart, and fucking eat it! I’m kidding! I’m kidding, you don’t have to fucking eat his heart!“ – Jimmy

Ein Actionfilm im Stile eines Ego-Shooters. Das bedeutet 90 Minuten Wackelkamera und Nonstop-Rabatz. Die Blaupause für Hardcore entwickelte Regisseur Ilya Naishuller mit einem Videoclip für seine Band ‘Biting Elbows‘. Mit Unterstützung von Produzent Timur Bekmambetov („Darkest Hour“) wurde daraus ein schwindelerregender Kino-Trip, der allein auf der Idee fußt, die normierten Sehgewohnheiten des Publikums auszuhebeln. Das funktioniert grundlegend ordentlich und hält auf den Spuren von „Crank“ zudem einige abgefahrene Ideen parat – und einen Kurzauftritt von Tim Roth („The Hateful 8“).

Die Sache hat nur einen entscheidenden Haken: Die kinetische Novität, den Zuschauer unmittelbar ins Geschehen zu werfen, nutzt sich bald ab. Übrig bleibt ein temporeiches Pulp-Gemetzel, das als schauspielerischen Trumpf den ebenfalls produzierenden Sharlto Copley („Elysium“) auffährt. Im eigentlichen Zentrum steht jedoch Henry (führte bereits durch Naishullers Kurz-Vorgänger: Andrei Dementiev), jener gesichtslose „Ich-Erzähler“, der in einem Laborkomplex erwacht und feststellen muss, dass sein zerfetzter Körper mit technischer Unterstützung zur Kampfmaschine aufgemotzt wurde.

Seine Frau Estelle (Haley Bennett, „Girl On the Train“) animiert ihn zur Flucht vor den Häschern des telekinetisch befähigten Superschurken Akan (Danila Kozlovsky, „Viking“). Während der wartet gleich die erste Überraschung auf den unfertigen Henry: Das Labor befindet sich in luftiger Höhe, genauer gesagt in einem Zeppelin. Der harten Landung auf einer Straße in Moskau folgt ein sich beständig wiederholendes Szenario von Flucht und Kampf. In das greift der durchgeknallte Wissenschaftler Jimmy (Copley) mit bisweilen absurd verkleideten Surrogaten ein, die sich meist jedoch opfern, um Henry der Konfrontation mit Akan ein Stück näher zu bringen.

Dass „Hardcore“ seinem Titel alle Ehre macht, verdeutlich bereits der Vorspann, der in Zeitlupe zeigt, wie Körper mit Stichwaffen oder Knüppeln blutig malträtiert werden. Doch das ist erst der Anfang. Beinahe pausenlos wird der ohne aktiviertes Sprachprogramm von der Leine gelassene Henry in Scharmützel verwickelt. Denen fehlt es nicht nur im haltlos übertriebenen, in Sachen grotesker Splatter-Action alles in die Waagschale werfenden Showdown buchstäblich an Bodenhaftung. Der mit grimmiger Ironie und manch gelungenem Spiel mit der Erwartung des Zuschauers (siehe das kurze Pferde-Intermezzo samt angespieltem Soundtrack von „Die glorreichen Sieben“) aufwartende Streifen wirkt über die volle Distanz dezent ermüdend. Spaß bereitet das höchst eigensinnige Nebeneinander von grobem Unfug und akuter Reizüberflutung aber zweifelsfrei.

Wertung: 6.0 Stars (6,0 / 10)

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