Hard Target 2 (USA 2016)

Als Hongkong-Kultregisseur John Woo anno 1993 seinen Hollywood-Einstand feierte, brannte die Leinwand. Zwar ist sein Menschenjagd-Actioner „Harte Ziele“ in der Gesamtbetrachtung kein herausragender Film, stilisierte Bleiballette und furioses Slow-Motion-Blutvergießen hinterlassen aber auch heute noch bleibende Eindrücke. Hinzu kommt, dass Hauptdarsteller Jean-Claude Van Damme wohl nie besser in Szene gesetzt wurde. Die späte Fortsetzung versucht der formalen Hypothek des Vorgängers zwanghaft gerecht zu werden. Doch nicht allein, wenn weiße Tauben bar jeder Relevanz in Zeitlupe durchs Bild flattern, stößt das sichtliche Bemühen von Regisseur und Kameramann Roel Reiné („Death Race 2 + 3“), Woos Stilismus adaptieren zu wollen, unweigerlich an seine Grenzen.

Als Van Damme-Nachfolger konnte mit Scott Adkins („Undisputed 2-4“) einer der aktuell gefragtesten B-Recken verpflichtet werden. Auch er darf bevorzugt in Zeitlupe zur Tat schreiten. Den Eindruck eines preisbewussten Abklatsches kann er jedoch nicht entkräften. Damit sein Wes Baylor ins Visier von Jagdveranstalter Aldrich (Robert Knepper, „Prison Break“) geraten kann, muss er während eines MMA-Titelkampfes im Ring versehentlich den besten Freund töten. Monate später fristet er ein Dasein als versoffenes Wrack in Bangkok und lebt seinen Selbsthass bei Untergrundkämpfen aus. Die Chance zur Rehabilitation sieht er gekommen, als ihm Aldrich und Partner Madden (Temuera Morrison, „Green Lantern“) einen lukrativen Auftritt in Myanmar vermitteln. Was Baylor nicht ahnt: Er soll die Beute einer Jagdgesellschaft (u. a. Rhona Mitra, „Doomsday“) sein, die sich die barbarische Freizeitertüchtigung viel Geld kosten lässt.

„Hard Target 2“ hätte ein gefälliger Heimkino-Klopper werden können. Adkins macht als gebrochener Kampfkünstler eine solide Figur und darf wiederholt ansehnlich Visagen verbeulen. Im Gegensatz zum Original konzentriert sich die Action dabei nicht auf Schusswechsel, sondern fährt in der Hauptsache Martial-Arts-Einlagen auf. Das würde als Kontrast routiniert funktionieren, wäre da nicht die grundlegend billige Anmutung und das verhaltene Erzähltempo. Schon der Erstling hatte mit Leerlauf zu kämpfen, die Versuche, dem Körpereinsatz einen Hauch von Drama zu verleihen, gehen allerdings gehörig nach hinten los. Dafür steht insbesondere das Auftauchen von Tha (Ann Truong, „Sonnigsburg“). Sie trifft auf Baylor, als der vor seinen Häschern durch den Dschungel in Richtung Grenze flieht. Unfreiwillig wird auch sie Teil der Treibjagd. Da passt gut ins Bild, dass ihr Bruder ebenfalls von Aldrich durch die Botanik gehetzt wurde.

Anspielungen auf Teil eins sollen die Fans milde stimmen. Sei es nun die Einblendung des Titels in der Flugbahn eines Pfeils oder die neuerliche Verwendung der einst von Lance Henriksen benutzten Ein-Patronen-Pistole, an Querverweisen wird nicht gespart. Selbst die finale Verfolgungsjagd zwischen Boot und Hubschrauber, als Idee im Original verworfen, wird als Hommage in die Waagschale gelegt. Nur nutzt es einfach nichts. Adkins Opponenten bleiben farblos, das ungleiche Vater-Sohn-Gespann gar dem „Harte Ziele“-Nachbau „Surviving the Game“ entliehen. Dass sich eigene Impulse rarmachen, wäre angesichts knalliger Action zu verschmerzen. Aber selbst dahingehend ist „Hard Target 2“ lediglich zweite Wahl. So bleibt es bei B-Radau von der Stange, nicht gänzlich misslungen, gemessen am Titel jedoch eine mittlere Enttäuschung.

Wertung: 4.5 Stars (4,5 / 10)

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