Free State of Jones (USA 2016)

„You cannot own a child of God.“ – Newton Knight

Die Entwicklung von Matthew McConaughey („Dallas Buyers Club“) zählt zu den bemerkenswertesten Kapiteln der jüngeren Hollywood-Geschichte: Nach Anlaufschwierigkeiten mauserte er sich binnen weniger Jahre vom Comedy-Beau zum Oscar-geadelten Charakterdarsteller. Seine Darbietungen gewannen dabei massiv an Größe, während die Dimensionierung der Projekte meist beständig abnahm. Dass die Verkörperung des Newton Knight und mehr noch die Herangehensweise von Regisseur Gary Ross („Seabiscuit“) sein Interesse weckte, liegt gemessen an der karrieristischen Neuorientierung auf der Hand. Genutzt hat es trotzdem wenig: Nachdem der Film in den USA kommerziell floppte, erschien er hierzulande gleich fürs Heimkino.

„Free State of Jones“ ist ein schroffes Werk mit kantigen Figuren, das der Bauart des Independent-Kinos entspricht. Der auch als Autor und Produzent in Erscheinung tretende Ross verarbeitet darin ein unbekanntes Kapitel der US-amerikanischen Historie und rückt mit deutlichem Anklang an aktuelle Entwicklungen einen Mann in den Mittelpunkt, der sich der Unterdrückung und Entrechtung der Schwarzen vehement entgegenstellt. Nur ist jener Newton Knight kein Bürgerrechtler in einer aufgeklärten Gesellschaft, sondern ein im Süden der Vereinigten Staaten, der Hochburg der Sklaverei, lebender Farmer zur Zeit des US-amerikanischen Bürgerkriegs.

An der Front, als Sanitäter, erlebt Knight 1863 die Gräuel des Krieges hautnah mit: in Fetzen geschossene junge Männer, mit Blut getränkte Schlachtfelder. Als auch sein Neffe an die Front berufen wird und stirbt, desertiert Knight und kehrt mit dessen Leiche ins heimatliche Jones County in Mississippi zurück. Dort wird er Zeuge, wie die Armee des Südens den verbliebenen Familien, meist sind es Frauen und Kinder, die kargen Reste ihres Hab und Guts streitig macht. Als er gegen diese Willkür aufbegehrt, wird er zum Gesetzlosen und flieht in die Sümpfe. Ob der drohenden Konsequenzen wendet sich seine Frau (Keri Russell, „Planet der Affen: Revolution“) von ihm ab und verlässt die Gegend.

In der Einöde schließt sich Knight mit entkommenen Sklaven – darunter Oscar-Preisträger Mahershala Ali („Moonlight“) – sowie anderen Deserteuren zu einer schlagkräftigen Miliz zusammen und zettelt seinen eigenen Krieg an. Das Ziel: eine unabhängige Enklave, in der Menschen jeder Hautfarbe gleichberechtigt koexistieren. In Sklavin Rachel (Gugu Mbatha-Raw, „Die Erfindung der Wahrheit“) findet er eine neue Liebe und zeugt mit ihr ein Kind. Sie und seine Werte zu verteidigen, wird nach dem Ende des Krieges schwerer denn je. Die Auswirkungen bleiben bis in die Gegenwart des Jahres 1948 spürbar: In einer wenig stimmig in die eigentliche Geschichte eingebetteten Nebenhandlung kämpft Knights Nachfahre Davis (Brian Lee Franklin, „Godless“) um das Recht, mit einer weißen Frau verheiratet zu bleiben.

Das u. a. mit Thomas Francis Murphy („12 Years a Slave“) und Sean Bridgers („Deadwood“) bis in die Nebenrollen gut besetzte Plädoyer für Gleichberechtigung lässt sich Zeit. Der Beginn verdeutlicht die Sinnlosigkeit des Krieges, während das folgende Rebellionskapitel den meisten Produzenten als eigentlicher Handlungsschwerpunkt genügt hätte. Doch Ross‘ Intention führt deutlich weiter, so dass nach dem abrupten Ende der Kampfhandlungen und der Niederlage des Südens der schier unmögliche Weg zur gesellschaftlichen Einheit steht. Konventionellen Erzählstrukturen entzieht sich das visuell an schmucklose TV-Produktionen vor der Jahrtausendwende erinnernde Charakterbildnis eines militanten Gutmenschen mit bemerkenswerter Konsequenz. Die hehre Botschaft und starke Darstellerleistungen wiegen manche Länge und die insgesamt inkohärente Erzählung auf. Sehenswert bleibt der Film daher vor allem für die Arthouse-Klientel.

Wertung: (7 / 10)

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