Dus (IND 2005)

dusBollywood und der Actionfilm. Eine Beziehung wie auf Sand gebaut. „Dus“ ist ein weiterer Versuch, der für Hochglanzoptik und stilisierte Coolness steht. Im Zentrum ringt eine Antiterroreinheit in den letzten Tagen vor der regierungsbeschlossenen Auflösung mit der Verhinderung eines groß angelegten Attentats. Das Ziel ist unbekannt. Die Zeit drängt. Zumal Top-Terrorist Jambhal der Strippenzieher der Aktion ist. Kaum jemand hat ihn je zu Gesicht bekommen, wie ein Schatten legt er sich über Untergebene und Gegner. Nicht von ungefähr erinnert der Superschurke an Keyser Soze, den großen Unbekannten aus „Die üblichen Verdächtigen“.

Die Brüder Siddhant (Sanjay Dutt, „Mission Kashmir“) und Shashank (Abhishek Bachchan, „Dhoom“) nehmen mit ihren Kollegen Aditya (Shilpa Shetty, „Babel“) und Aditi (Zayed Khan, „Du hast mein Herz geraubt“) die Fährte Jambhals auf. Eine heiße Spur erstreckt sich in Kanada. Ein Kontaktmann des Terroristen, der Geldwäscher Himmat (Pankaj Kapur, „Ram Jaane“), ist von der örtlichen Polizei verhaftet worden. Gemeinsam mit dem kanadischen Ordnungshüter Danish (Sunil Shetty, „Und unsere Träume werden war“) bewegen sie Himmat zur Kooperation. Doch der verfolgt ganz andere Pläne.

Produzent Nitin Manmohan („Ghost House“) und Regisseur Anubhav Sinha („Tathastu“) liefern das indische Pendant zu den Filmen Jerry Bruckheimers („The Rock“). Split-Screens, Zeitlupen im „Matrix“-Stil und Kampfhandlungen ohne jede realistische Bodenhaftung machen „Dus“ zum überproduzierten Actionspektakel. Gebadet in der liebgewonnenen Trivialität Bollywoods ist die unterschwellige Melodramatik ebenso fester Bestandteil der Erzählung wie peripherer Gefühlsreigen. Gesangs- und Tanzeinlagen sind selten, werden als obligates Treibgut dennoch nicht außer Acht gelassen.

Die maßlos übersteigerte Action rangiert nah am Rande der Parodie, wenn die unerschrockenen Helden übermenschliches Leisten, platzierte Faustschläge meterweit an des Gegners Gesicht vorüberziehen oder Schurken ihre Panzerfaust auf Dauerfeuer umstellen. Die belächelnswerte Dramaturgie, die Geschwätzigkeit der abstrusen Dialoge, nährt die Banalität des überlangen Films. Natürlich sind dies Charakterzüge des modernen indischen Kinos. In Kombination mit den Musicaleinlagen verdeutlicht aber gerade dies die Problematik von „Dus“. Bollywoodfans – in der Regel weiblichen Geschlechts – wollen Herzschmerz statt Todestanz, Actionfreunde Bleigewitter statt Singsang. Wirklich zufriedengestellt wird hier demnach niemand.

Wertung: (4 / 10)

 

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