Doctor Strange (USA 2016)

doctor-strangeBenedict Cumberbatch hat es geschafft. Der etablierte Charakterdarsteller, der durch die BBC-Seriensensation „Sherlock“ zu Weltruhm gelangte, hat auch im Blockbuster-Segment Fuß gefasst. Nach der Schurkenrolle in „Star Trek: Into Darkness“ und Sprecherauftritten in „Der Hobbit“ und „Das Dschungelbuch“ markiert „Doctor Strange“ den ersten Hauptpart in einer Big-Budget-Produktion. Und das gleich als Superheld. Dabei zählt der titelgebende Doktor zu den weniger bekannten Comic-Heroen des Stan Lee’schen Marvel-Universums. Der Leinwandeinstand des 1963 erstmals in Erscheinung getretenen Magiers ist Teil der dritten Welle von Marvels selbst produzierten – und kommerziell geschickt verwobenen – Kino-Adaptionen. Die Rechnung geht einmal mehr auf. Wenn auch mit den mittlerweile (fast) üblichen Abstrichen.

Der weltbekannte Neurochirurg Stephen Strange (Cumberbatch) ist so genial wie arrogant. Doch ein schwerer Autounfall, bei dem seine Hände verkrüppelt werden, wirft ihn buchstäblich aus der Bahn. Die Schulmedizin bietet ihm keine Lösung an und so begibt er sich, Profession, Ansehen und die ihm zugeneigte Kollegin Christine Palmer (Rachel McAdams, „Spotlight“) verbittert zurücklassend, in Fernost auf die Suche nach Heil und Heilung. In Kamar-Taj, einer mysteriösen spirituellen Einrichtung, wird er fündig und von der glatzköpfigen Ältesten (Tilda Swinton, „Michael Clayton“) widerwillig als Schüler akzeptiert. Sie bietet Strange Einblicke in den ewigen Kampf Gut gegen Böse, der in diesem Falle auf einer astralen und übernatürlichen Ebene mit Magie ausgefochten wird. Für den rational getriebenen Intellektuellen eine schwer zu schluckende Pille.

Benedict Cumberbatch wirkt ideal besetzt. Die Egomanie der Figur macht er sich spielerisch zu Eigen und überzeugt auch bei den sporadischen humoristischen Anflügen. Abstriche gibt es hingegen beim altbackenen Äußerlichen zu verzeichnen, sieht sein Doctor Strange mit wehendem (und eigenständig agierendem) Umhang doch aus wie eine jugendliche Ausgabe von „Flash Gordons“ Imperator Ming. Durch die Älteste und den treuen Gefolgsmann Mordo (Chiwetel Ejiofor, „12 Years a Slave“) wird er standesgemäß ausladend unterrichtet und entpuppt sich bald als magisches Wunderkind. In der Konfrontation des durchtriebenen Kaecilius (Mads Mikkelsen, „Casino Royale“), der die Welt einem gottgleichen kosmischen Wesen zur Unterwerfung darbringen will, nimmt er damit eine Schlüsselrolle ein. Nur setzt sich gerade mit dieser Prämisse der Trend schablonenhafter Bösewichter und wenig eindrucksvoller CGI-getriebener Überwesen fort.

Visuell macht das von Scott Derrickson („Sinister“) gefertigte Fantasy-Spektakel einiges her, wenn farbenfroh fremde Welten erschaffen werden oder die Magier in einer Spiegel-Dimension das Stadtbild zwischen „Inception“ und „Tetris“ beliebig verändern. Neu wirken allerdings die wenigsten Ideen – ein absurdes Highlight ist der Kampf zwischen Scott Adkins („Expendables 2) und Stranges Umhang in „Die nackte Kanone 2 ½“-Manier – und der Showdown, besser der relative Verzicht darauf, sorgt auch nicht zwingend für Begeisterungsstürme. Trotzdem ist „Doctor Strange“ eine weitgehend gelungene Superhelden-Einführung, die mit Michael Stuhlbarg („Steve Jobs“), Benjamin Bratt („Catwoman“) und Benedict Wong („Prometheus“) bis in die Nebenrollen ansprechend besetzt ist. Die obligatorischen Abspann-Szenen schlagen durch einen Gastauftritt von „Thor“ Chris Hemsworth einmal mehr die kollegiale Brücke zum nächsten Franchise und bieten abschließend einen Ausblick auf Stranges nächsten Gegenspieler. Denn so viel steht fest: Der Doktor kehrt definitiv zurück.

Wertung: 7.0 Stars (7,0 / 10)

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