Distance in Embrace – The Worst is Over Now (2016, Horror Business Records)

Das Schlimmste ist überstanden. Wenn musikalische Trendgespenster verblassen, bleiben die Bands übrig, denen es ums Herzblut geht. Eine davon ist DISTANCE IN EMBRACE. Die Mindener sind seit den frühen 2000ern unterwegs und gelten als heimische Post-Hardcore-Verfechter der ersten Stunde. Damals waren die von ihnen bedienten Motive noch weit davon entfernt, in ewiger Wiederholung der Nichtigkeit anheimzufallen. Inzwischen sind Screamo, Emo und Metal-Hardcore bis zur Belanglosigkeit ausgereizt. Für den Vierer ist das jedoch kein Grund, vom ursprünglich eingeschlagenen Weg abzurücken.

Das kann klingen wie ein letztes Aufbäumen, die aus der Zeit gefallene Verwaltung bewährter Soundelemente, oder wie „The Worst is Over Now“. Auf ihrer jüngsten EP beweisen DISTANCE IN EMBRACE eindrucksvoll, dass das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht ist. Gegenüber früheren Veröffentlichungen wurde der Metal-Anteil erhöht. Die Melodien wirken dadurch komplexer, tiefgründiger und atmosphärischer. Der Härtegrad leidet darunter nicht, dafür sorgen wuchtige Riffs und vereinzelt eingebrachte Breakdowns (siehe „A Leap of Faith“). Die Vocals werden noch immer wahlweise barsch geschrien oder aber klar gesungen. Im Gegensatz zu vielen artverwandten Combos wirkt dies bewährte Nebeneinander jedoch stets homogen, allein schon, weil die harmonische Stimmlage nicht nur bei den Refrains zum Tragen kommt.

Das halbe Dutzend Tracks erhält den notwendigen Raum zur Entfaltung. „The Worst is Over Now“ wirkt nie gehetzt, immer durchdacht. Das melancholische Stimmungsbild, das beim famosen „Summer of 99 (All Our Friends Are Dead)“ seinen Höhepunkt findet, wird von Emotionen ausstaffiert, die nie ausgestellt erscheinen. DISTANCE IN EMBRACE erschaffen Klangwelten, die ob ihrer Bodenständigkeit und der konsequenten Verweigerung von Klischees zeitlos wirken. Dass sie es dennoch schaffen, sich im abgesteckten Rahmen an Reiz nachhaltig eingebüßter Genres weiterzuentwickeln, muss ihnen hoch angerechnet werden. Bleibt nur zu hoffen, dass EP und Urheber die Aufmerksamkeit erhalten, die sie ob dieser Leistung verdienen!

Wertung: 8.0 Stars (8,0 / 10)

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