Die Erbschaft (Staffel 1) (DK 2014)

die-erbschaft-staffel-1Manchmal ist Familienleben Krieg. Missgunst und Übervorteilung, Egoismus und Rivalität sind in Kino und TV bewährte Zutaten für eskalierende Verwandtschaftskonflikte. Die dänische Fernsehserie „Die Erbschaft“ wirft einen unbequemen Blick auf die familiären Zerwürfnisse, die im Zuge eines Todesfalls und der daran geknüpften Nachlassregelung über die Protagonisten hereinbrechen. Zur leicht verdaulichen Kost wird das exzellent gespielte Ensemble- und Sitten-Drama damit kaum. Doch wurde auf der Mattscheibe selten mit größerer Intensität der Haussegen in Schieflage gebracht.

Die exzentrische Veronika Grønnegaard (Kirsten Olesen) gilt als Dänemarks Vorzeigekünstlerin. Sie lebt auf einem ländlichen Gut und arbeitet mit großem Eifer an der eigenen Legende. Die vier Kinder von drei verschiedenen Männern haben ein gespaltenes Verhältnis zu ihr – wobei die junge Floristin Signe (Marie Bach Hansen) nicht einmal ahnt, wer ihre wahre Erzeugerin ist. Als Veronika Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, sucht sie Signes Nähe und vermacht ihr in einem Brief gar das Anwesen. Doch entbrennt unter den Geschwistern nach ihrem kurz darauf folgenden Tod ein erbitterter Kampf um Haus und Grund.

Veronikas Tochter Gro (Trine Dyrholm, „Das Fest“) will ihre Wirkungsstätte zu einem Museum umfunktionieren. Nur hat die Mutter nie die Papiere unterschrieben, die zur Gründung einer eigens dafür vorgesehenen Stiftung führen. Frederik (Carsten Bjørnlund, „The Thing“), erfolgreicher Anwalt und ältester Spross von Veronika, pocht auf sein Recht und will samt Frau Solveig (Lene Maria Christensen, „Brothers“) und Kindern dort einziehen. Sein Vater erschoss sich einst in der Scheune. Ein Trauma, das Frederik nie verwunden hat. Der letzte im geschwisterlichen Bunde ist sein jüngerer Bruder Emil (Mikkel Boe Følsgaard, „Erbarmen“), der in Thailand ein Ferienressort errichtet.

Für die Finanzierung der Urlaubsanlage hat er neben üppigen Zuschüssen der Mutter Geld von einem dubiosen Geschäftsmann geliehen. Als sich die Rückzahlung verzögert, wird Emil selbst in der alten Heimat von dessen Gefolge aufgesucht. Die Figuren haben eine Menge Ballast zu tragen, den Serienschöpferin Maya Ilsøe („Der Pakt“) glaubhaft und ohne übertriebene Dramatik herausarbeitet. Signe gerät über die plötzlich auf den Kopf gestellte Familienzusammengehörigkeit in Konflikt mit ihrem Vater, dem Handballtrainer John Larsen (Jens Jørn Spottag, „Park Road“), sowie dessen Frau Liese (Anette Katzmann), die sie doch eigentlich immer für ihre Mutter hielt.

Die von Veronika stets vereinnahmte Gro hat ein Verhältnis mit Robert (Trond Espen Seim, „Varg Veum“), einem verheirateten Vertrauten der Mutter. Auch die Ehe von Frederik und Solveig gerät in Gefahr. Er verrennt sich neben der Arbeit in den aufflammenden Rechtsstreit und sie kommt zögerlich Emil näher. In der Summe wirkt das fast zu viel. Doch werden Probleme und Konflikte auf eine ausreichende Zahl die Geschichte tragender Schultern verteilt. Zu denen gehört auch Thomas (als Regisseur und Darsteller beteiligt: Jesper Christensen, „Casino Royale“), Gros auf dem Anwesen lebender Vater. Um seine Situation zu bewahren, torpediert der freigeistige Alt-Hippie gar die Pläne der eigenen Tochter.

So geht es hin und her, bis die Sache zur Mitte der 10 Episoden vor Gericht verhandelt wird. Hinsichtlich einer rechtlichen Klärung bleiben keine Zweifel übrig. Um seiner Tochter Beistand zu leisten, riskiert John seine Ehe und Signes Verhältnis zu Handballer Andreas (Kenneth M. Christensen) leidet in der Folge ebenfalls. In seiner komplexen Ausprägung entspricht der Plot damit dem kunstvollen Vorspann. Der zeigt in Zeitlupe die Sprengung einer Blumenvase und steht damit sinnbildlich für das Anhäufen von Scherben und die Zerstörung eines nach außen heilen Gefüges. Auserzählt ist die in Dänemark immens erfolgreiche Geschichte schlussendlich allerdings nicht. Eine zweite Staffel ist bereits abgedreht. So wird das Leid der Figuren auch Weiterhin zur klasse geschriebenen und stark gespielten Freude des Zuschauers.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

scroll to top