Die Dorks – Duschen auf Staatskosten (2014, SN-Punx)

die-dorks-duschen-auf-staatskosten„Stempel mich ruhig als Asi ab, doch ich trag‘ die Lederjacke bis ins Grab. BRD, korrupter dreckiger Staat, ich bin und bleib‘ deine dreckige Saat…“

Aufgeschlossenheit ist ein Segen. Ohne sie würde eine Band mit Namen DIE DORKS vermutlich achtlos beiseite gewischt. Nur ist das, was auf der Verpackung steht, nicht nur Schall und Rauch, sondern im Grunde auch scheißegal. Das verdeutlicht „Duschen auf Staatskosten“, der vierte Langspieler der fünf Bayern, mit bemerkenswerter Wonne. Den Beweis tritt gleich der Opener „Dreckige Saat“ an, der idyllisch klimpernd beginnt und den Schein einer heilen Welt mit Regenbögen, Einhörnern und Gratis-Softeis erweckt. Vom kommenden Krachlevel kündet einzig der weibliche Gesang, der zwar stets klar daherkommt, seinen spöttischen Unterton aber kaum verbergen kann. Nach dem absehbaren Übergang in melodischen Punk-Rock gibt es nur noch eine Richtung. Doch kurz gehaltener Standard-Knüppelsound ist mit den Süddeutschen glücklicherweise nicht zu machen.

Lediglich drei der insgesamt 14 Songs dauern unter vier, der längste veranschlagt gar nahezu acht Minuten. Eilig haben es DIE DORKS also nicht. Auch das beweist „Dreckige Saat“, der immer noch eine Strophe draufsetzt und die Individualität des non-konformen Lederjacken-Punks feiert. Das könnte in der Gesamtheit plump und billig wirken, geht hier aber mit ungebremster Spielfreude und (weitgehend) gelungenen Texten einher. Das häufig eingebrachte Augenzwinkern ist zwar willkommen (u.a. beim Titeltrack oder „Alzheimer Armee Fraktion“), deutlich besser ist die Band aber, wenn sie sich ernsthaft mit den Abgründen von Staat, System und Welt auseinandersetzt (siehe „Gegen die Resignation“, „Im Namen des Individuums“, „Mit Bier gefüllte Deutsche“ oder „Der Schmutz unserer Straßen“).

Ausgenommen bleiben die beiden Coverversionen: Der NENA-Evergreen „Irgendwie Irgendwo Irgendwann“ wird zur Ode auf das „Flaschenpfand“ und das ausufernde Finale „4 of the Dork“ lässt wohl nur eingefleischte IRON MAIDEN-Jünger schmerzerfüllt aufheulen. Ungewaschen, ungebeugt und unperfektionistisch treten DIE DORKS für ihre Ideale ein und hinterlassen neben sympathischem Chaos vor allem einen Haufen überraschend vielseitiger Hits. Was zählt ist neben der überzeugend zelebrierten Auflehnung und „einer Flasche Pennerglück“ die überraschend positive Grundeinstellung. Aber wie heißt es so schön: Fröhlich geht die Welt zugrunde. Den passenden Soundtrack hat sie mit „Duschen auf Staatskosten“ jedenfalls gefunden. Nicht zwingend niveauvoll, dafür eigenwillig und gelungen.

Wertung: (7 / 10)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.