Day of the Dead: Bloodline (USA/BG 2018)

„You are… mine.“ – Von amourösen Gefühlen getrieben: Zombie-Max

Zwischen 1968 und 1985 definierte George A. Romero das Zombie-Subgenre und veränderte den modernen Horror damit maßgeblich. Seine klassische Untoten-Trilogie, bestehend aus „Night of the Living Dead“, „Dawn of the Dead“ und „Day of the Dead“, gilt als thematische Blaupause. Alles, was danach (oder dazwischen) kam, beruft sich auf sein Oeuvre. Über die Jahre gesellten sich zu den unzähligen Epigonen auch verschiedene Remakes. Deren jüngstes ist „Day of the Dead: Bloodline“, mit dem Regisseur Hèctor Hernández Vicens („Die Leiche der Anna Fritz“) und die Autoren (darunter „House at the End of the Street“-Regisseur Mark Tonderai) Romeros Erbe mit Füßen treten und eine Ansammlung platter Klischees auftischen. Der Versuch, Klassik und Moderne zusammenzubringen, scheitert somit kläglich.

Der Auftakt taucht gleich in den Aufstand der geschwind umhereilenden Untoten ein. Zentrale Figur ist Medizinstudentin Zoe (Sophie Skelton, „Outlander“), die erst durchs urbane Chaos streift, ehe ein Rückblick wenige Stunden zuvor den eigentlichen Startschuss zur Apokalypse gibt. Der Zeitsprung, der allein dem Zweck dient, ohne Verzögerung Blut zu verspritzen, wirkt erzählerisch ungelenk – vor allem, da kurz darauf fünf Jahre in die Zukunft geblickt wird. Benötigt wird der Prolog vorrangig, um Max (Johnathon Schaech, „Marauders“) einzuführen, dem Zoe in der Uni regelmäßig Blut abzapft und damit sein Herz erweicht. Da sie die Zuneigung nicht erwidert, fällt er über sie her, wird dabei jedoch von einer auferstandenen Leiche gebissen.

In der (eigentlichen) Gegenwart können weder Endzeit-Ambiente noch Ressourcenknappheit Zoe das gepflegte Äußere verhageln. Sie ist Teil einer Gruppe Überlebender, die in einer umzäunten militärischen Forschungseinrichtung Quartier bezogen hat und Daten über die „Rotters“ genannten Wiedergänger erhebt. Das Kommando hat Offizier Miguel Salazar (als Joseph-Pilato-Ersatz eine Lachnummer: Jeff Gum, „Primal“) inne, dessen Bruder Baca (Marcus Vanco, „The Shannara Chronicles“) mit Zoe liiert ist. Das erinnert in seinen Grundzügen tatsächlich an Romeros Vorlage. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass die pessimistische Grimmigkeit des Originals einer handzahm hoffnungsvollen Ableitung weicht. Statt Abgründigkeit setzt es Standard-Schocks, während das poliert anmutende Setting nicht einmal vor frisch gefegten Straßen halt macht.

Die weitgehend handgemachten Gore-Effekte bilden noch das positivste Moment des u. a. von Avi Lerner („The Expendables“) und James Glenn Dudelson (Regisseur des bereits unsäglichen Romero-Nachbaus „Day of the Dead: Contagium“) produzierten Films. Der Rest ist eher zum Abgewöhnen. Das liegt auch an Hauptprotagonistin Zoe, die wiederholt über Miguels Kopf hinweg Entscheidungen trifft und damit den Tod verschiedener Mitstreiter begünstigt. Bei einem Abstecher zur Medikamentenbeschaffung an die alte Wirkungsstätte muss sie feststellen, dass Max zwar selbst zum Zombie mutiert ist, sich jedoch gewisse menschliche Züge bewahrt hat – und immer noch auf sie abfährt. Nachdem er sich in die Militär-Basis geschlichen hat und in Gefangenschaft geraten ist, versucht Zoe aus seinem Blut einen Impfstoff gegen das Untoten-Virus herzustellen. Wohin das führt, bleibt so absehbar wie akut uninteressant. Der finale, durch pure Dummheit begünstigte Ansturm der Leichenhorden kann da auch nichts mehr retten. Die Überschrift „Day of the Dead“ hätte es für diesen ideenlosen Weg des geringsten Widerstands wahrlich nicht gebraucht.

Wertung: (3 / 10)

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