Cannibal Ferox – Make Them Die Slowly (I 1981)

cannibalferoxAus dem Dschungel in den Dschungel. Tauchen wir zuerst in den der Großstadt ein, genauer jenen New Yorks, der italienische Filmemacher der 70er und 80er gern zu mehr Weltoffenheit trieb. Hier machen wir die kurze Bekanntschaft mit einem Junkie, der, frisch aus der Entzugsklinik entlassen, zwecks Drogenversorgung seinen Freund Mike aufsucht. In dessen Wohnung trifft er aber lediglich zwei Gangster an, die ihn kaltblütig umlegen. Nicht von ungefähr, hat sich besagter Mike doch mit einem stattlichen Sümmchen aus dem Staub gemacht.

Für die eigentliche Handlung hat dieser Vorlauf, nicht nur gemessen an Schnurbart und Haarmode des blonden Gehilfen, keine Relevanz. Zwar weist er den Gesuchten als waschechten Strolch aus, für diese Erkenntnis hätte es den Abstecher in den Big Apple (es soll nicht der letzte gewesen sein) aber nicht gebraucht. Bevor der Zuschauer jedoch Zeuge von Mikes durchtriebenem Charakter wird, wendet sich Umberto Lenzi, als Regisseur auch für „Mondo Cannibale“ verantwortlich, Anthropologie-Doktorandin Dina (Lorraine De Selle, „Der Schlitzer“), ihrem Bruder Gary (Danilo Mattei) und Reisebegleiterin Pat (Zora Kerova, „Man-Eater“) zu.

Für ihre Dissertation folgt Dina der Theorie, Kannibalismus sei eine Erfindung weißer Kolonialisten, bis in die entlegenen Winkel des südamerikanischen Urwalds. Dort begegnet das Trio besagtem Mike (Giovanni Lombardo Radice, „Asphalt-Kannibalen“) und seinem Kompagnon Joe (Walter Lucchini), die vor rachsüchtigen Wilden fliehen. Zur Unterbringung des verletzten Joe nistet sich die Zweckgemeinschaft im Dorf der Kannibalen ein und bewegt sich in der fremden Kultur wie der Elefant im sprichwörtlichen Porzellanladen. Die Falsifikation von Dinas These scheint da nur eine Frage der Zeit.

„Cannibal Ferox“, alternativ auch „Make Them Die Slowly“ oder „Die Rache der Kannibalen“ betitelt, nimmt aufgrund seiner expliziten Wunddarstellung – insbesondere bei der genitalen Verstümmelung – eine Sonderstellung im italienischen Exploitationkino ein. Im Sub-Genre des Kannibalenfilms hoben sich erzählerische und dramaturgische Konventionen auf. Narratives Tempo und eine flüssige Handlung wurden vernachlässigt, der voyeuristischer Triebbefriedigung dienliche Blick auf exotische Schauplätze und zivilisationsfremde Bräuche nachhaltig zum Kernkonzept erhoben.

Damit einher gehen auch bei Lenzis berüchtigtem Splatter-Schocker die Tötungen echter Tiere. Joe kann Dina in diesem Kontext nur ein „Bist du im Tierschutzverein, du Ziege?“ entgegen raunen. Abseits plakativer Ekelszenen bleibt der Film aber flach und vorhersehbar, mindert die Wirkung durch die Einfalt des Skripts gar nachhaltig. Mike bandelt erst mit Pat an und markiert mit dem Revolver in der Hand den harten Mann, während in Rückblenden seine wahren Motive entblößt werden. Die Vergeltung der Eingeborenen scheint nur recht und billig, Mitleid erübrigt sich bei solch strohdoof geschriebenen Figuren sowieso. Auf seine Art legendär, im Rückblick aber nur mehr wegen der harschen Gewaltdarstellung erwähnenswert.

Wertung: 4.0 Stars (4,0 / 10)

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