Buried – Lebendig begraben (USA/E/F 2010)

buried-lebendig-begrabenKammerspiel ist wohl der passende Begriff. Wobei der Ort des Geschehens von „Buried – Lebendig begraben“ – dem Hollywood-Debüt des spanischen Regisseurs Rodrigo Cortés – deutlich unter der Größenordnung einer im Volksmund bekannten Kammer rangiert. Die Voraussetzungen des Films wirken nicht nur deshalb engagiert, aus den minimalen Gegebenheiten einen letztlich abendfüllenden Film zu machen. Doch trotz des überschaubaren Rahmens gelingt dies.

Als ehemaligen „Sexiest Man Alive“ kennt man Ryan Reynolds eigentlich in anderen Rollen. Seine Muskeln und sein charmantes Lächeln kann er sich hier sparen. Er spielt den im Irak tätigen LKW-Fahrer Paul Conroy, der sich – als er erwacht – in einer Kiste oder einem Sarg befindet. Um ihn herum ist nur Dunkelheit. Nach und nach erinnert er sich an die Geschehnisse. Ein Überfall, Explosionen, dann ist Schluss. Er findet ein Handy und versucht seine Familie und Hilfe zu erreichen. Dann der Anruf seines Entführers, der mehrere Millionen Dollar Lösegeld verlangt. Krampfhaft kämpft Paul um sein Leben und tatsächlich scheint Hilfe auf dem Weg zu sein. Doch eigentlich weiß er gar nicht, wo er begraben wurde. Zudem mangelt es ihm an Zeit, Luft und einem langen Akku.

Zuerst herrscht Totenstille, dann ist ein leichtes und kurze Zeit später verzweifeltes Stöhnen zu hören. Wieder verrinnen Sekunden, bis der Protagonist sich und dem Zuschauer mit einem Feuerzeug einen ersten Blick auf das Szenario gewährt. Man fühlt von Anfang an mit Ryan Reynolds („Blade: Trinity“, „Selbst ist die Braut“), für den die Dreharbeiten gewiss kein Zuckerschlecken waren. Trotz des unbequemen Einstiegs ändert Regisseur Rodrigo Cortés die Marschrichtung kaum, denn die Frage nach dem „Warum“ wird schnell beantwortet. Dem Zuschauer bleibt kaum etwas verborgen, er erhält die Informationen genauso schnell wie Reynolds sie in seinem ungewollten Gefängnis. Es gibt für das Geschehene keine tiefgreifenden Erklärungen, die in Rückblicken oder an parallel stattfindenden Orten Licht ins Dunkel bringen würden. Alles liegt auf der Hand, nur das hier der Protagonist komplett im Zentrum eines ganzen Films steht.

Der Überlebenskampf von Reynolds wirkt greifbar nahe, intensiv und glaubwürdig. Seine Bemühungen, all die Hoffnungen, aber auch die Verzweiflung und Resignation kann man förmlich fühlen. Andere Personen tauchen im Film nicht auf, von einer kurzen Sequenz abgesehen. Ansonsten ist es der Austausch via Handy, der die Stimmungslage von einer auf die andere Minute kippen kann. Die Gespräche mit den Entführern, aber auch mit der Heimat, mit Verantwortlichen und Helfern. Das Handy bekommt alles mit, Selbstverstümmelung inklusive. Was auf dem Papier nach sehr wenig Inhalt aussieht, entpuppt sich im Ergebnis als beängstigender Thriller auf engstem Raum. Dafür sorgt vor allem die Kameraarbeit von Eduard Grau („A Single Men“), der es versteht, das maximale aus dem Wenigen herauszuholen und immer wieder die schier ausweglose Situation aus verschiedenen Blickwinkeln einfängt.

Die Kritik am Politikapparat ist deutlich, wird jedoch nicht hervorgehoben, was dem Film wohl auch geschadet hätte. Gerade das Gespräch bezüglich seiner Versicherungsleistungen wirkt eher hinderlich als nützlich. An anderer Stelle soll der plötzliche Besuch einer Schlange wohl für etwas Action und Abwechslung sorgen, was es jedoch nicht zwingend gebraucht hätte. Auch ein paar inhaltliche Ungereimtheiten fallen auf, gerade was die technischen Mittel unter Tage angeht. Doch trotz kleinerer Schwächen ist „Buried – Lebendig begraben“ ein in erster Linie intensiver, bisweilen auch richtig spannender Thriller geworden. Auch wenn das Ende dann gewiss nicht mehr ganz so überraschend kommen mag.

Wertung: (7 / 10)

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