Blood Father (F 2016)

Gänzlich rehabilitiert hat sich Mel Gibson seit seinem skandalträchtigen Absturz nicht. Natürlich gab es die Oscar-Nominierung als Regisseur für das Anti-Kriegs-Drama „Hacksaw Ridge“ (2016), als Schauspieler ist der Australier jedoch weiterhin selten zu sehen. Doch seine Auftritte haben immer noch Wucht. Das beweist der 62-jährige auch mit „Blood Father“, einem sympathisch überschaubar dimensionierten Thriller-Drama, bei dem Gibson als Ex-Knacki die Vorsätze eines geordneten Lebens ignorieren muss, um seine unverhofft auftauchende Tochter vor brutalen Verbrechern zu schützen.

Die vor Jahren von zu Hause ausgerissene Lydia (Erin Moriarty, „Captain Fantastic“) hat mit Kartellspross Jonah (Diego Luna, „Star Wars: Rogue One“) angebandelt. Als der sie zwingen will, zur Mörderin zu werden, jagt sie ihm versehentlich eine Kugel in den Hals und wendet sich auf der Flucht an Vater Link (Gibson). Der bewohnt, wie einst Gibsons Paraderolle Martin Riggs aus der „Lethal Weapon“-Reihe, einen Wohnwagen in der Abgeschiedenheit. Nur diesmal eben nicht am Strand von Los Angeles, sondern im kalifornischen Hinterland. Dort verdingt er sich als Tätowierer und versucht mit seinem Vertrauten und Trailer-Park-Nachbarn Kirby (William H. Macy, „Shameless“), dem Alkohol fernzubleiben.

Die unvermittelte Rückkehr von Lydia in sein Leben ist zunächst ein Schock. „Public Enemy No. 1“-Regisseur Jean-François Richet nimmt sich Zeit, diese Aspekte herauszuarbeiten. Die Geschichte braucht sie als dramaturgische Stützpfeiler. Flach ist die daran geknüpfte emotionale Entwicklung nie. Im Detail stellenweise höchstens unglaubwürdig. Die Drogensucht der 17-jährigen wird nur kurz behandelt und danach schlicht vergessen. Im Film funktioniert der kalte Entzug eben in Sekundenschnelle. Doch die Story überzeugt trotz ihrer Schwächen. Dafür sorgen Gibson und Moriarty, die ihre kaputten Figuren mit der erforderlichen Menschlichkeit versehen.

Damit auch die kernige, eher nebensächliche Action zum Zuge kommt, tauchen bald Jonahs Handlanger auf. Die schießen den Wohnwagen in Stücke (das kennt man aus „Lethal Weapon 2“) und zwingen Link, gegen seine Bewährungsauflagen zu verstoßen und mit Lydia zu fliehen. Hilfe erhofft er sich von alten Biker-Kumpanen (darunter Michael Parks, „Red State“) und als seine Tochter in die Hände der Gangster fällt, steht einem ruppigen Showdown nichts mehr im Wege. Ein herausragendes Werk ist „Blood Father“ keineswegs. Aber der physisch topfitte Gibson macht eine gute Figur und die Erzählung macht aus der schmalen Geschichte nie mehr als ein in karge Farben getauchtes, mit partieller Härte durchgezogenes Thriller-Drama. In Gibsons Spätwerk fügt sich der unaufdringliche Film damit wie die Faust aufs Auge.

Wertung: 6.0 Stars (6,0 / 10)

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