Alice: The Darkest Hour (D 2017)

B-Filme aus deutscher Produktion haben Seltenheitswert. Die restriktive heimische Förderung unterstützt anspruchsarme Genre-Unterhaltung fast ausschließlich im komödiantischen Segment. Entsprechend bleiben Action, Horror und selbst Thriller fahrlässig unterrepräsentiert. Umso erfreulicher mutet da ein unabhängig gefertigtes Werk wie „Alice: The Darkest Hour“ an. Zumindest auf dem Papier. Denn der von Michael Effenberger („Seekers“) in Kooperation mit Thomas Pill („Die Boten des Todes“) gedrehte Mystery-Schocker auf den Spuren des Kinderbuchklassikers „Alice im Wunderland“ verharrt trotz vielversprechender Ansätze in zäher Belanglosigkeit. Da helfen auch prominente Gastakteure wie Claude-Oliver Rudolph („James Bond 007: Die Welt ist nicht genug“) oder Sven Martinek („Der Clown“) nicht weiter.

Als Einstimmung dient eine Hetzjagd durch die blühende Botanik. Eine junge Frau rennt in Todesangst vorweg, zwei schurkische Klischee-Handlanger mit flatternden Ledermänteln hinterdrein. Die Konsequenz ist blutiges Messertraktat mit wirkungsvoller Explikation. Nur erscheint fraglich, ob das allein bereits zum Tode führt. Das Opfer jedenfalls ist kein Einzelfall. Ins Täterprofil passt auch Vollwaise Alice (Carolina Hoffmann, „Illusion“), die von unheimlichen Visionen und fiesen Kommilitoninnen geplagt wird und bei ihrem einstigen Vormund („Löwenzahn“-Regularie Helmut Krauss) lebt. Der wird von Privatschnüffler John Tusk (Peter Bosch, „Der Bibelcode“) aufgesucht, der den mysteriösen Morden nachgeht. Als Alice zu einer nächtlichen Party eingeladen wird und die passende Garderobe in einer Kiste vor der Haustür vorfindet, werden ihre Alpträume Realität.

Die Zielgruppe wird mit Anleihen bei Slasher und Backwood-Horror geschickt geködert. Vor allem im Mittelteil tritt der Low-Budget-Streifen jedoch zäh auf der Stelle. Die fragile rehäugige Außenseiterin Alice erhält samt ihrer peinigenden Wahnvorstellungen mehr Raum, als es dem Betrachter im Sinne einer flotten Erzählweise lieb sein könnte. Dabei spielen die zarten Märchen-Anlehnungen, u. a. repräsentiert durch eine menschgroße, überzeugend maskierte Katze mit Tarot-Kartendeck und eine blutrünstige Gestalt im Hasenkostüm, die eigentümlichen Reize sicher aus. Neben den gefälligen Kamera-Drohnenflügen darf auch Alice-Darstellerin Hoffmann als Pluspunkt gewertet werden. Allerdings dominieren insgesamt die Schattenseiten, getrieben von teils hölzernen Dialogen, schwachen (Neben-)Darstellern und gedehnten Szenenfolgen.

Dass Kamera und Ausleuchtung nicht durchweg professionell anmuten, bleibt verzeihlich. Weniger hingegen, dass Alices Trip in ein abseitiges Landhaus nach Sado-Maso-Andeutungen zum albernen Kostümfest verkommt, bei dem der lustlose Rudolph Latein schwätzt und seinem Zirkel kurioser Spießgesellen – darunter Anouschka Renzi („Forsthaus Falkenau“) mit Hang zum zügellosen Overacting – durch Menschenopfer den Zugang in bessere Sphären ermöglichen will. Martinek bürgt in zweckfreier Randrolle zwar für Präsenz, Stimmung will allerdings erst aufkommen, als der blasse Tusk zur Rettung naht und diverse Schurkenvisagen blutig mit Kugeln spickt. Da aber auch das bereinigende Umdrehen des sprichwörtlichen Spießes kein freudvoll exploitatives Ende herbeiführt, bleibt es bei hehrer Ambition und einem letztlich unbefriedigenden Ergebnis. Schade eigentlich.

Wertung: 4.0 Stars (4,0 / 10)

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