A Single Shot – Tödlicher Fehler (USA/GB/CAN 2013)

a-single-shotWas ein einzelner Schuss bewirken kann, weiß ein Jäger gut einzuschätzen – fatal wird es erst, wenn dieser nicht gewünschtes Wild trifft, sondern einen Menschen. Diese Erfahrung muss der arbeitslose Wilderer John Moon (Sam Rockwell) machen, der mit dem Leben ohnehin nicht auf gutem Fuß steht. Nach dem Verlust seiner verschuldeten Farm im Hinterland Upstate New Yorks, versucht der Einzelgänger seine Familie mit verschiedenen Fabrikarbeiten zu versorgen, welche er aber alle nicht lange behält, da die abgeschotteten Räume ihn beklemmen. Nachdem ihn auch noch seine Frau Jess (Kelly Reilly) mit dem frisch geborenen Sohn verlässt, weil sie sich vom Leben mehr erhofft hat als eine ärmliche Hütte in den Bergen, ereignet sich der tragische Jagdunfall, bei dem er anstatt eines Hirsches eine junge Frau erschießt.

Mit diesem schnell eintretenden Ausgangspunkt entfaltet Regisseur David M. Rosenthal („Janie Jones“) einen atmosphärischen Hillbilly-Thriller der besonderen Art. Außer einem Brief und dem Foto ihres Freundes hat sie nichts Weiteres bei sich. Von Panik ergriffen schleift Moon die Fremde zu einem nahe gelegenen Steinbruch und entdeckt dort ihren notdürftigen Unterschlupf, wie auch eine Pistole und eine Geldkassette gefüllt mit tausenden Dollars. Kurzerhand lässt er die Leiche dort und nimmt das kleine Vermögen mit – doch wo immer viel Geld auftaucht, da gibt es auch jemanden, dem es gehört oder zumindest einen Anspruch darauf erhebt. Es vergeht nicht viel Zeit, bis die ersten Menschen in seinem Umfeld bemerken, dass er zu etwas Geld gekommen ist, hinzu taucht der Freund des Mädchens plötzlich in dem Provinzkaff auf. Als Moon dann noch eine erste anonyme Drohung erhält, von jemandem, der zu wissen scheint, was im Wald vorgefallen ist, entgleitet ihm die Situation zunehmend weiter.

In Kritiken und Bewertungen hat die Adaption des gleichnamigen Romans von Matthew F. Jones, der auch das Drehbuch zum Film verfasst hat, nur mittelmäßige Resonanzen erfahren. Zumeist wegen des Vorwurfes einer vorhersehbaren Handlung, was aber ungerechtfertigt ist, denn in der erzählten Geschichte breitet sich schnell ein Netz von Möglichkeiten aus, da es an verzweifelten, verarmten oder zwielichtigen Bewohnern in dem Städtchen nicht mangelt und jeder bringt ein denkbares Motiv mit; sei es der versoffene und langjährige Freund, der sein Dach mit Hühnern und Schweinen teilt, der billigste Anwalt vor Ort, der mit großen Scheinen bezahlt wird, um Moons Scheidung heraus zu zögern oder die Tochter des neuen Besitzers von Johns alter Farm, welche sich eine kometenhafte Karriere erträumt.

Zwei Faktoren machen den Film unbedingt sehenswert: die schauspielerischen Leistungen und die erzeugte Atmosphäre. Für Ersteres ist nicht nur Sam Rockwell verantwortlich, der sich hier wieder einmal von seiner besten Seite zeigt und schon längst einen Oscar verdient hätte („Confessions of a Dangerous Mind“, „Moon“, „Lawn Dogs“), sondern auch das Ensemble von Nebendarstellern, die ihm zur Seite gestellt werden. Herausragend sind William H. Macy („Magnolia“, „Fargo“), als vielfach beeinträchtigter Anwalt Daggard Pitt, Jeffrey Wright („Broken Flowers“), der Moons heruntergekommenen Freund Simon spielt und Joe Anderson („Control“, „Across the Universe“), der bei seinem Können nicht lange in der zweiten Reihe bleiben wird, als plötzlich heimkehrender Ex-Häftling Obadiah.

Zweiteres wird neben einer stillen Erzählstruktur von dem kargen Hintergrund und einem unterstreichenden Soundtrack getragen. Als Drehort suchte sich Rosenthal das Hinterland von Vancouver (British Columbia) aus, das in seiner ganzen Trostlosigkeit erscheint. Mit der Untermalung des Komponisten Atli Örvarrson, der sich in den transportierten Emotionen solch ungastlicher Landschaften auszukennen scheint, bildet das Ganze eine Szenerie, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Wesentlich mehr als nur mittelmäßig!

Wertung: 7.5 Stars (7,5 / 10)

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