7 Psychos (GB/USA 2012)

7-psychos„You can’t let the animals die in a movie… only the women.“ – Die (Meta-)Weisheit in Person: Billy

Sieben Psychopathen, ein erfolgloser Drehbuchschreiber und ein entführter Chizu sorgen in Martin McDonaghs Grotesk-Thriller „7 Psychos“ für Turbulenzen und kalte Körper. Nachdem der britische Autor und Regisseur mit seinem Langfilmdebüt „Brügge sehen… und sterben“ für Aufsehen gesorgt hatte, folgte er für sein Zweitwerk dem Ruf Hollywoods. Zumindest für die Ausrichtung des Settings. Denn der von Colin Farrell gespielte Marty hofft in der Traumfabrik auf den Durchbruch als Skriptlieferant. Aber im Gegensatz zum morgendlichen Kater, bedingt durch übermäßigen Alkoholkonsum, bleiben zündende Ideen rar gesät.

Abhilfe weiß Kumpel Billy (Sam Rockwell, „Moon“), der mit dem eleganten Halstuchträger und bekennenden Katholiken Hans (Christopher Walken, „Catch Me If You Can“) Hunde entführt, um bei Rückgabe die ausgeschriebenen Belohnungen kassieren zu können. Er bringt Marty auf die Idee, sein Konzept der 7 Psychopathen voranzutreiben. Eine an etwaige interessante Vorbilder gerichtete Zeitungsausschreibung liefert er gleich mit. Mehr noch ruft er den durchgeknallten Gangster Charlie (Woody Harrelson, „The Messenger“) auf den Plan, als er ahnungslos dessen heißgeliebten Chizu kidnappt (oder besser: dognappt). Rabiate Rettungsversuche lassen da nicht lange auf sich warten.

Daraus resultiert eine mal skurrile, mal melancholische Gewaltspirale, die nur scheinbar den ausgetretenen Pfaden von Tarantino & Co. folgt. Zwar wird der nicht selten um zwei Ecken gedachte Plot nebst konstruierten Wendungen standesgemäß ironisch zerredet, mit der Flucht von Marty, Billy und Hans in die Wüste nimmt McDonagh aber die Ausfahrt Richtung eigensinnig versponnener Metaebene. Dabei diskutieren die Flüchtigen neben dem Skriptentwurf der 7 Psychopathen sinnbildlich auch die sie umgebende Filmhandlung an sich. Das zeigt sich etwa an Hans‘ Einwand, Marty würde Frauenrollen keine Relevanz beimessen und sie hastig aus der Geschichte tilgen.

Auf eben diese Weise verfährt auch McDonagh mit den drei (un-)wesentlichen weiblichen Charakteren. Als Hans‘ kranke Gattin gerät Linda Bright Clay an Harrelsons Psychopathen, Bond-Girl Olga Kurylenko („Ein Quantum Trost“) darf in ihrem Kurzauftritt die dunkle Seite Billys zum Vorschein bringen und Abbie Cornish („Sucker Punch“) wird als Martys Freundin einfach links liegen gelassen. Auch die Herleitung – und konsequente Aushebelung – des Showdowns folgt diesem hintersinnigen Muster. Zumal der glänzend aufspielende Rockwell, dessen Billy wie der fromme Hans herrlich soziopathische Züge offenbaren darf, beim abendlichen Plausch seine ganz eigene Version des finalen Shootouts unterbreitet.

Überhaupt wird der amüsante Dialogreichtum von sehenswert aufspielenden Stars getragen. Neben Rockwell, Walken und Harrelson steht der etwas unterforderte Farrell, der bereits in McDonaghs Vorgänger mitgewirkt hatte, allerdings außen vor. Die Show stiehlt ihm nämlich auch Musiker und Gelegenheitsschauspieler Tom Waits („Das Kabinett des Doktor Parnassus“), der dem Psychopathen-Reigen seinen ganz eigenen Stempel aufdrückt. So ist „7 Psychos“ zwar nicht zwingend kohärent erzählt, unterhält zwischen rachsüchtigem Quäker, bedingungsloser Hundeliebe und cleverer Selbstbetrachtung aber so sehr, dass die Schwächen schlussendlich kaum negativ ins Gewicht fallen.

Wertung: 7.0 Stars (7,0 / 10)

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