29.07.2016 – Samiam / The Dial Ups – Aachen, Musikbunker

Endlich wieder SAMIAM! Früher gastierten die kalifornischen Indie-Punks nahezu im Jahresturnus in Deutschland. Mittlerweile sind die Gigs des Klassikers in unseren Breiten seltener geworden. Von üppigeren Anfahrtswegen sollte man sich daher nicht schrecken lassen. Weil das unmittelbare Rheinland diesmal nicht angesteuert wurde, musste es eben Aachen sein; eine Distanz, die bei schönem Wetter und freier Autobahn auch nicht mehr Zeit beansprucht als ein Ritt nach Köln im Feierabendverkehr. Und dass es sich lohnen würde, stand ohnehin von vorneherein fest.

Der Musikbunker war bereits beachtlich gefüllt, als der lokale Support THE DIAL UPS pünktlich um acht Uhr zum Tanze bat. Das Quartett bot eine Mischung aus knackigem Drei-Akkorde-Punk und Indie-lastigeren Stücken. Weibliche Begleitung an der Orgel gab es auch. Nur ging deren Klang im Raum weitgehend unter. Beim OPERATION IVY-Cover „Knowledge“ stieg die Stimmung, der Rest animierte zum munteren Mitwippen. Eine solide Darbietung mit Kurzweilgarantie – insbesondere, weil das Vorprogramm bereits nach 23 Minuten beendet war.

Um kurz nach neun dann SAMIAM. Im Club drängten sich die Enddreißiger in heller Vorfreude, der Band stand die Wonne über den Zuspruch in die Gesichter geschrieben. Konzerte in Deutschland sind für die Veteranen (fast) immer Selbstläufer. So auch diesmal. Der Auftakt zementierte mit „80 West“, „Sunshine“ und „Wisconsin“ die routinierte Begeisterungsfähigkeit. So kennt und liebt man sie. Der Sound war druckvoll, Sänger Jason Beebout gut bei Stimme. So hätte es die insgesamt 75 Minuten bleiben können. Aber SAMIAM hatten Lust auf Variation und spielten Songs, die in der jüngeren Vergangenheit – zumindest im Beisein des Autors – nicht gerade häufig ins Set integriert wurden.

Zu diesen zählen „September Holiday“, „Clean Up the Mess“, „Take Care“ und das großartige „Ordinary Life“. Im Zugabenteil wurde mit „Clean“ selbst die Prä-„Clumsy“-Ära bedacht – sehr zur Freude der ganz eingefleischten Anhänger. Die konnten sich zudem an Evergreens wie „Mexico“, „Dead“, „El Dorado“, „Mud Hill“, „Paraffin“, „Super Brava“ und „Stepson“ ergötzen. Im ersten Drittel schien der Pulk zunächst ein wenig zahm. Bewegung war da, aber mehr im individuellen als kollektiven Sinne. Das änderte sich mit „Factory“ und „She Found You“, deren Ekstase bei „Dull“ und „Capsized“ nicht minder grenzenlos wirkte. Das abschließende „Full On“ erschien da fast beiläufig abgefeiert. Ob auf oder vor der Bühne, zurück blieben beseelte Zeitgenossen. Mit einem Wort: großartig!

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