27.07.2017 – Face to Face / Spoilers – Köln, Underground

Nicht alles im Zusammenhang mit dem heutigen Konzertabend war positiv. Mittags wurde das Ende des Undergrounds über die sozialen Medien verkündet. Zwar bemühen sich die Betreiber um eine alternative Location in der Nähe, aber das Underground gilt seit annähernd 30 Jahren als einer der wichtigsten und besten Clubs in NRW. Unzählige Konzertabende in den vergangenen 20 Jahren mit vielen Erinnerungen wurden hier selbst verbracht. Eine große Rolle spielen damit heute FACE TO FACE. Seit Mitte der 90er Jahre gehört die Band zu den absoluten persönlichen Lieblingsbands. Nun also der (voraussichtlich) letzte Abend im Underground, gemeinsam mit der SoCal-Institution. Besser kann ein Drehbuch eigentlich nicht geschrieben werden.

FACE TO FACE spielten bereits 1993 mit LAGWAGON im Underground. Sänger Trever Keith konnte sich an den damaligen Auftritt zwar nicht erinnern, wies aber beeindruckt darauf hin, dass einige der Anwesenden schon damals dabei waren. Die SPOILERS aus UK machten, bevor es aber soweit war, erst einmal einen ordentlichen Job und lieferten melodischen Punkrock ab, der genau in solch ein Vorprogramm gehört. Ihr Auftritt war solide und leidenschaftlich, bei dem Kopf und Füße angenehm mitwippten. Das Loch vor der Bühne konnten sie zwar nicht stopfen, aber mehr als Anstandsapplaus wurde ihnen gegönnt.

Im Anschluss war das Underground angenehm gefüllt, aber auch nicht ausverkauft. Was die Setlist anging, ließen FACE TO FACE für alle alten Fans wohl keine Wünsche offen. Es wurden hauptsächlich Songs der ersten drei Alben gespielt, garniert mit ein paar des aktuellen Outputs „Protection“ (u.a. „Double Crossed“, „Bend But Not Broken“). „You’ve Done Nothing“ und „You Lied“ sorgten gleich zu Beginn dafür, dass hier auch gar nichts anbrennen konnte. Es folgten unter anderem „Ordinary“, „Pastel“, „Walk The Walk“, „Blind“, „Bill of Gods“, „It’s Not Over“, „A-OK“ oder „Disconnected“, welche mitunter inbrünstig mitgegrölt wurden. Songs der ersten beiden Reunion-Alben wurden gänzlich umschifft, genau wie Songs von „Ignorance Is Bliss“ und selbst „Reactionary“ wurde vernachlässigt. Schlimm war das aber letztlich nicht, denn so wurde über die gesamte Stunde die Stimmung stets hochgehalten.

Die Ansagen von Trever Keith waren nicht zahlreich, dann aber durchaus auch mal etwas länger und einfach sympathisch. Es wurde gescherzt, Anekdoten erzählt und auch das eigene Alter mit einem Augenzwinkern zur Schau gestellt. Schon weit vor ihrem Gig verkaufte er am Merch-Stand und war auch im Anschluss gleich wieder für die Fans da. Mangelnde Nähe konnte man ihm heute gewiss nicht unterstellen. Der Sound hätte heute etwas lauter und druckvoller sein dürfen, doch dies ist eigentlich die einzige Einschränkung eines rundum gelungenen abends. Schade das es hier nicht mehr werden. Der Abschied einer ruhmreichen Location geht zu Ende. Bei allem Pathos war das musikalische Rahmenprogramm mit einem leidenschaftlichen Auftritt von FACE TO FACE entsprechend gelungen. Danke für alles liebes Underground.

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