17.10.2016 – Guitar Wolf / Sinister Kris Combo – Berlin Wild at Heart

guitar-wolf-berlin-2016GUITAR WOLF, das kann zur Einstimmung festgehalten werden, sind legendär. Das japanische Trio hat in den fast 30 Jahren seines Bestehens 11 Studioalben sowie verschiedene Singles, Best-of-Compilations und Live-DVDs veröffentlicht. In kaum einem Teil der Erde haben die Trash-Punk n‘ Roller noch nicht gespielt. Ganz zu schweigen von Filmauftritten wie in der Zombie-Groteske „Wild Zero“ (2000). Als ihr Bassist (Bass Wolf Billy) 2005 an einem Herzinfarkt starb, standen sie nach kurzer Trauerphase mit neuem Bandmitglied wieder auf der Bühne. Der Punk erlaubt eben keine Verschnaufpause.

Das bewiesen GUITAR WOLF auch bei ihrem Auftritt im Berliner Wild at Heart. Gespielt wurde ohne Punkt, Ende oder roten Faden. Die wenigen Ansagen in Englisch blieben unverständlich und welche Songs die rollenden Nippon-Rocker im standesgemäß verrauchten – und erwartungsgemäß üppig gefüllten – Kneipen-Club aus den Boxen knallen ließen, dürfte sich ob des gnadenlos übersteuerten Sounds selbst eingefleischten Fans nicht erschlossen haben. Aber die Show machte Spaß, auf eine skurrile, angenehm andersartige Weise. Wie der gesamte Abend, der von Wahl-Berliner Kris Fiore alias Mr. Sinister Kris und seiner SINISTER KRIS COMBO musikalisch eingeläutet wurde.

guitar-wolf-berlin-2016-2Der Italiener liebt Rock n‘ Roll und B-Movies. Begleitet von Drummer und knapp bekleideter Bassistin legte er eine bewegungsreiche Performance hin. Die seinen Oberkörper halbverhüllende kackbraune Frottee-Fellweste weckte (zusätzliche) Erinnerungen an THE NEANDERTHALS. Nach lahmem, insbesondere von minimalistischen Bassläufen unter Durchschnitt gezerrtem Auftakt steigerte sich der Gefälligkeitsgrad aber kontinuierlich. Am Ende wurde es ein bunter Strauß verschiedener Stile, den der bereits dicht gedrängte Pulk vor der Bühne nur zu gern mit verdientem Jubel bedachte.

Es folgte der Einlauf der Dinosaurier. Buchstäblich. Denn GUITAR WOLF kamen mit Tyrannosaurus-Masken auf die Bühne. Die von Frontmann Seiji schmückte ein bunter Irokesenschnitt. Als er sich ein Bier ins geöffnete Maul der Maske schüttete, war das Publikum gleich auf Betriebstemperatur. Für Feingeister waren die folgenden rund 90 Minuten kaum geeignet. Die drei mit Sonnenbrille und Lederjacke bekleideten Japaner schrammelten, was die Instrumente hergaben. Das führte zu einem tosenden, von ausladenden Gesten umspielten Soundbrei, der kaum erkennen ließ, wo eine Nummer endete und die nächste begann. Doch was zählt, ist die Show, die Lautstärke, das Garagen-Gefühl. Dahingehend lieferten die Gitarrenwölfe mustergültig. Ein Erlebnis war der Abend also auf die eine oder andere Weise.

Dank für die Fotos gebührt Ivo H.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.