14.03.2005 – Samiam / Everest / Tagtraum – Berlin, Kato

Seit einigen Jahren ranken sich hartnäckige Gerüchte darum, dass SAMIAM in der Auflösung begriffen sind. Zerstreut wurden diese allerdings durch regelmäßiges Gastieren der Band, ob nun in den Staaten oder Europa. Auch das Konzert am gestrigen Abend im Berliner Kato war ein mehr als deutliches Lebenszeichen des auf vier Mann geschrumpften Quintetts aus Kalifornien – das zwar noch immer keine neuen Songs vorweisen kann, dafür mit ihren älteren noch immer ein mehr als beachtliches Publikum in Verzückung setzt.

Den Auftakt markierte das süddeutsche Gespann TAGTRAUM, das extra für diesen einen Gig in die Hauptstadt gereist war und eine halbe Stunde guten Punk auf den Spuren von MUFF POTTER präsentierte. Im Anschluss daran gaben sich die Wahlberliner EVEREST die Ehre. Erfahrungsgemäß ist der Sound im Kato keine Bombe – was bei TAGTRAUM noch weniger ins Gewicht fiel – daran hatten an diesem Abend vor allem EVEREST zu knabbern. Klangtechnisch blieben die musikalischen Darbietungen drucklos, das Spiel wirkte eher unmotiviert. Das Set bestand vornehmlich aus Songs ihres aktuellen Langspielers „Demons for Company“, doch kamen auch Freunde älterer Stücke – wie „Pieces of a Broken Ship“ – auf ihre Kosten. Überzeugen konnte der zweite Teil des Vorprogramms nicht, was sich auch in den eher verhaltenen Reaktionen der Zuschauer wiederspiegelte.

SAMIAM wirkten zu Beginn ihres Gigs müde und ausgebrannt – Frontmann Jason Beebout hatte merklich mit den Folgen einer Erkältung zu kämpfen. Los ging es mit „Factory“, „Wisconsin“ und „Stepson“. Das Publikum war begeistert, der Sound bis dahin eher entgeisternd. Nach diesem mauen, lustlos wirkenden Auftakt, ließen sich SAMIAM jedoch zusehends vom frenetischen Jubel der rund 400 Zuschauer anstecken und machten auch diesen Auftritt zu einem absolut gelungenen. Ein wenig vermisste man allerdings Gitarrist Segie Loobkoff – der momentan lieber bei SOLEA in die Saiten greift – eine zweite Gitarre hätte dem klanglichen Bild an diesem Abend sicher gut zu Gesicht gestanden.

Doch bleiben SAMIAM nun einmal SAMIAM, was auch bei aufkeimendem Formtief ein grandioses Set garantiert. Und das boten die Jungs allemal. Von „Full On“ über „Ain’t No Size That Small“, „Mud Hill“, „Dull“ und „Bad Day” wurde einmal mehr ein schöner Querschnitt durch die jüngere Diskografie geboten, wobei auch ältere Songs gewohntermaßen nicht gänzlich ausgeklammert wurden. SAMIAM sind live selbst ein restlos begeisterndes Gespann, wenn sie nicht den Auftritt ihres Lebens absolvieren. Unter diesen Voraussetzungen muss die Band im Grunde auch keine neuen Songs schreiben, denn das zeitlose 2000er Meisterwerk „Astray“ genügt offenkundig noch immer, um die Clubs zum brodeln zu bringen. Dann bis zum nächsten mal Freunde – es sei denn ihr löst euch mal wieder auf!

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