01.09.2017 – Supernichts / Knochenfabrik – Köln, Sonic Ballroom

Ein letztes Mal SUPERNICHTS. Worte wie diese schmerzen. Denn die Kölner Deutsch-Punks sind an Unterhaltungswert kaum zu überbieten. Am Ende stehen knapp 25 Jahre, sieben Langspieler und unzählige Konzerte zu Buche. Deren abschließendes fand im Sonic Ballroom statt. Natürlich war der Club ausverkauft. Wie könnte er auch nicht, bei solch einem Anlass? Doch ging es der Band nicht um einen wehmütigen Abschied, sondern die finale, die ultimative Huldigung ihres „Urbanen Asi-Pops“.

Das gelang. Spielerisch. Mit Bravour. Zwei einstündige Sets (eines davon mit Ur-Bassist Jim Pansen) und satte 46 Songs gab es zum Abschied. Für Schlagzeuger Achim sogar noch weit mehr: Als Trommler der im Vorprogramm für ausgelassene Stimmung sorgenden KNOCHENFABRIK stand sein Abend im Zeichen der Vollbeschäftigung. Das ebenfalls in der Domstadt ansässige Trio spielt seit der 2008 vollzogenen Reunion immer wieder „definitiv letzte Konzerte“. Davon war diesmal keine Rede. Stattdessen wurde gar von neuen Songs gesprochen.

Im Zentrum der Darbietung standen jedoch alte Hits. Solche wie „Ich hör dir nicht zu“, „Toni Schumacher“, „Der jüngste Tag“ oder „Grüne Haare“. In einer rasanten Dreiviertelstunde knüppelten sich die entspannten Anheizer (Sänger Claus trat barfuß mit Birkenstock-Sandalen auf) durch ein Best-of-Set, bei dem sich der Pulk nicht lange bitten lassen musste. Der starke Auftakt war dem Anlass mehr als angemessen. Doch es kam noch mehr. Viel mehr. Das dicht gedrängte Publikum wollte eine große Party erleben – und SUPERNICHTS, die ohnehin nie enden wollten, wie die ganzen RAMONES, schöpften noch einmal aus dem Vollen.

Die erste Hälfte war zweifelsfrei ein Feuerwerk. Doch wurden vor allem Nummern eingebracht, die alt, rar oder beides waren. Das galt nicht für die zum Auftakt geschmetterten „Toyota“ und „Viva El Paraguay“ und ebenso wenig für „Saufen auf Lehramt“, „Nicht St. Tropez“, „Sommersonnenbank“, „Bahnfahren macht hässlich“ oder „Mike, Brad, Candy und ich“. Den Reiz erhöhten aber gerade die Songs, die nicht immer erste Wahl bei der Zusammenstellung dieser oder jener Set-Liste gewesen sein dürften: „Sommer im Pullover“, „Am Strand von Arcachon“, „Pik As in Aspik“, „Die letzten Bilder“, „Für eure Szene bin ich Punk“, „Im Aldi auf Sylt“, „Folk Fon Klatschern“, „Das Leben zum Film“, „Scheiß Post“ oder auch „Pärchenterror“.

Wer textsicher war (oder auch nicht), grölte mit. Dazu prallten vor der Bühne ausgelassen Körper gegeneinander. In Hälfte zwei wurden gar verschiedene Bühnentaucher durch den Raum gereicht. Frontmann Harry wollte da nicht hinten anstehen und ließ sich gleich mehrfach auf Händen tragen, bevor er zu vorgerückter Stunde die zu erwartende Polonaise initiierte. Nach kurzer Pause, in der die gewohnt identische Oberbekleidung im Kollektiv des Vierers durch schwarze Hemden ersetzt wurde, hagelte es dann die großen Hits. Und weil es der Abschied von SUPERNICHTS war, reihen wir einige der im Laufe des Abends ebenfalls intonierten Knaller einfach hintereinander:

„Gabi“, „Hannover – Bielefeld 0:0“, „Meer gegen Stadt 3:2 n.V.“, „Nur bekifft und nicht besoffen“, „Keine Art“, „Und ganz doll dich nicht“, „Zwischen Kiel und Falsterbo“, „Deine Freunde mag ich nicht“, „Korn Cola-Light“, „28 Meter“, „Es ist Mitte Januar und noch ist nichts verloren“, „Fett, faul chronisch unschuldig“, „Gestern auseinandergelebt“, „Du und deine scheiß FDP“, „Wir haben uns ganz toll verstanden“, „Generation Pissflitsche“, „Besame Mucho“, „Kapitalismus nein danke“, „Was die da oben tun ist nicht OK“, „W.A.L.D.“, „Ich will nicht so enden wie die ganzen Ramones“, „Eine Resolution gegen euren Frieden“, „Für immer Vorstadtgirl“, „Ein toller Kerl“, „Abitur 2004“, „Nur du und ich und Dr. Hartz“.

Zum umjubelten Abschied setzte es natürlich „Ingo Dubinski“. Danach war Feierabend. Buchstäblich. Für immer. Wir sagen danke für grandiose Platten voll brillanter Texte, die der Absurdität des Seins einen stets willkommenen Spiegel vorhalten. Und natürlich für großartige Konzerte. Mehr Fest als SUPERNICHTS im Sonic Ballroom geht einfach nicht. In diesem Sinne: Macht’s gut bis zur Reunion!

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